Affäre Gaddafi

24. Dezember 2009 20:12; Akt: 25.12.2009 01:04 Print

Libyen erstellt Schweizer Sündenregister

Gaddafis Wüstenstaat wirft der Schweiz vor, für die Spannungen zwischen den beiden Ländern verantwortlich zu sein. Auf der Internetseite des Aussenministeriums listet Tripolis 27 Streitpunkte auf, die zur Eskalation geführt hätten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Libyen gibt der Schweiz die alleinige Schuld an den Schwierigkeiten, die die beiden Staaten seit Sommer 2008 auf Trab halten. So listet ein von Gaddafis Aussenministerium veröffentlichtes Sündenregister etwa die angeblich mangelnde Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Aussendepartement EDA und Genf auf, aber auch die Veröffentlichung der Fotos von Hannibal Gaddafi oder Äusserungen über eine allfällige gewaltsame Geiselbefreiung, die der spätere Bundesrat Didier Burkhalter im Mai gemacht hatte.

Es handle sich um eine neue Kommunikations-Offensive parallel zum juristischen Vorgehen, sagte der Libyen-Experte Hasni Abidi am Donnerstag gegenüber dem Westschweizer Radio RSR. Der Leiter des Genfer Forschungszentrums für arabische Länder (CERMAM) hatte das vierseitige Schreiben an das EDA auf der libyischen Website entdeckt.

Katz-und-Maus-Spiel Libyens

«Die Libyer sind ungeduldig. Sie listen die Gründe auf für die Verschärfung der Situation», sagte Abidi. Damit sei man nach positiven Signalen in dieser Woche wieder am Ausgangspunkt angekommen. Libyen setze die Schweiz einem Wechselbad aus und warte deren Reaktion ab. Diese bleibt vorerst aus: «Kein Kommentar», hiess es am Donnerstag beim EDA auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA zu den Vorwürfen aus Tripolis.

Die Affäre geht zurück auf die Verhaftung von Hannibal Gaddafi am 15. Juli 2008. In dem Zusammenhang sitzen zwei Schweizer seit Monaten in Libyen fest. Ihnen werden Visa-Vergehen und andere Delikte vorgeworfen.

(sda)