Chile

06. September 2010 06:21; Akt: 06.09.2010 07:59 Print

Tränen und Fahnen für die Verschütteten

Mit Gesängen und Sprechchören haben Angehörige der 33 in Chile eingeschlossenen Bergleute an das Minenunglück vor genau einem Monat erinnert.

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In einer dramatischen Rettungsaktion konnten im 33 verschüttete chilenische Bergarbeiter befreit werden. Die Männer waren am in der Mine bei der Stadt Copiapó, rund 800 Kilometer nördlich von Santiago, ... ... verschüttet worden. Erst 17 Tage nach dem Einsturz wurde klar, dass die Kumpel waren. Es gelang, Kontakt mit ihnen herzustellen. Am haben Bergungsmannschaften Klopfgeräusche gehört. Anschliessend gelang es, Kontakt zu den Verschütteten herzustellen. Die Bergarbeiter schickten einen kleinen Zettel an die Erdoberfläche mit der Botschaft: In einer weiteren Botschaft schrieb der Bergarbeiter Mario Gómez kurze Zeit später: «Mir geht es Gott sei Dank gut. Ich hoffe, bald hier rauszukommen. Geduld und Glaube. Gott ist gross und mit seiner Hilfe werden wir es schaffen, hier aus dieser Mine lebend rauszukommen, auch wenn wir Monate warten müssen.» Über Funktelefon konnten die Kumpels von diesem Zeitpunkt an regelmässig mit den Helfern und Regierungsvertretern Kontakt aufnehmen. So konnten sie von ihren in den ersten Tagen berichten. «Sie haben alle 48 Stunden zwei Löffel Thunfisch gegessen und ein halbes Glas Milch getrunken». Verwandte können einen der gefangenen Kumpel sehen. Die Angehörigen plagt die Ungewissheit, wie das Minendrama ausgehen wird. Ein Gebet vor der Mine. Diese wurde zu den Verschütteten hinunter gelassen. Jeder der Eingeschlossenen konnte mit den Rettungsmannschaften sprechen. Sie fühlten sich alle hungrig, waren ansonsten aber wohlauf. Ausserdem baten sie um Zahnbürsten. Das Drama bewegte die ganze Welt. Die vor der Mine wartenden Angehörigen applaudierten, weinten und fielen sich vor Freude in die Arme, als zum ersten Mal Kontakt mit den Männern hergestellt werden konnte. Bergbauminister Laurence Golborne erklärte, das Verhalten der 33 Bergleute nach dem Unglück in knapp 700 Metern Tiefe sei beispielhaft für das ganze Land. In der Nacht auf den hat das Rettungsteam dann mit der Bohrung eines Schachtes begonnen. Jeden Tag hat sich der Spezialbohrer «Strata 950» acht bis zehn Meter weiter tiefer ins Gestein gefressen. Der Bohrkopf und ein zusätzlicher Antriebsmotor stammten aus Deutschland. Am 1. September wurde den 33 Verschütteten erstmals eine durch eine der gebohrten Versorgungsröhren geschickt: ... ... Reis mit Hackfleisch oder mit Hähnchen. Bisher hatten sie belegte Brote, Joghurt, Wasser und Spezialnahrung erhalten. Danach wurden weitere Röhren gebohrt. Die Maschine T-130 frass am 8. September innerhalb von 24 Stunden ein 150 Meter tiefes Loch ins Erdreich. Täglich wurden «Palomas», Kapseln mit Vorräten, in den Stollen hinabgeschickt. Die Männer erhielten in Nahrung ... ... und Wasser. Weil zwei der Verschütteten ausgebildete Krankenpfleger sind, wurde ihnen auch noch ein Thermometer und ein Blutdruckmesser geschickt. Ausserdem erhalten sie Medikamente gegen Magengeschüre, da sie über mehrere Tage nichts gegessen hatten. Rechtzeitig zu den Feiern des 200. Jahrestages der Unabhängigkeit Chiles war am die erste Rettungsbohrung zu der in einer Mine eingeschlossen Kumpel durchgedrungen. besuchte am 19. September die Gold- und Kupfermine San José. «Wir wissen nicht, welches der insgesamt drei Bohrgeräte als erstes (mit einem Rettungsschacht) fertig sein wird, aber wir wissen eins: dass sie mit Gottes Hilfe Erfolg haben werden», sagte der Staatschef. Nach mehr als zwei Monaten war dann am endlich ein Fluchtweg für die verschütteten Kumpel in Chile frei. Der Bohrer T-130 erreichte einen Werkstattraum in etwa 620 Meter Tiefe. Die Angehörige der Verschütteten brachen in aus und ... ... fielen sich weinend in die Arme. Die Sirenen der Bohrarbeiter und von Polizeiautos heulten und ein Lehrer der Behelfsschule für die Kinder unter den Angehörigen schlug unermüdlich etwa eine halbe Stunde lang die Schulglocke. Für die Rettung der Bergarbeiter wurde eine bestellt - unter anderem starke Sonnenbrillen. Die Brillen sollten die Augen der Bergleute vor dem Sonnenlicht schützen, wenn sie nach der langen Zeit in der Dunkelheit wieder ans Tageslicht kommen. Sie wurden von einem US-Unternehmen gestiftet. Preis pro Stück: 450 Dollar. Zudem sollte jeder Kumpel einen Gürtel bekommen , mit dem der Herzkreislauf überwacht werden kann. Es wurden 34 Wohncontainer im Campamento Esperanza geliefert. Dort sollten die Kumpel die ersten Stunden nach der Bergung verbringen, Verwandte begrüssen und sich ausruhen, bevor sie per Helikopter ins Spital geflogen werden. Die Container waren klimatisiert und dunkel gehalten, damit die Kumpels vor Sonnenlicht geschützt sein würden. In solchen Rettungskapseln sollten die Bergleute geborgen werden. In dem extrem engen Stahlbehälter «Fénix» konnten die Arbeiter wie in einem Lift einer nach dem anderen aus ihrem Verlies in der Tiefe an die Oberfläche gezogen werden. Ins gebohrte Erdloch wurde ein Stahlrohr eingelassen, durch dieses die Kapseln geführt werden sollten. Die grösste Sorge der Behörden war es, dass es im Tunnel zu Panikattacken kommt. Einer der verschüttete Bergarbeiter, Ariel Tiscona, wurde Vater, während er noch in der Tiefe sass. Sein Töchterchen heisst (zu deutsch Hoffnung). Vier Experten der US-Raumfahrtbehörde NASA, die als Berater nach Chile gereist sind, rieten den chilenischen Behörden, sich gegenüber den Eingeschlossenen nicht auf einen genauen Termin für eine Rettung festzulegen. NASA-Gesundheitsexperte Michael Duncan (vorne im Bild) empfahl ausserdem ab jetzt die Aussenkontakte zu intensivieren. Ganz Chile stand den Verschütteten bei: Die Angehörigen, Rettungsteams und sogar Regierungsmitglieder harren seit Wochen in Zelten vor der Gold- und Kupfermine in der Atacama-Wüste aus. Trotz der bitterkalten Nächte in der Atacama-Wüste hatten viele Angehörige ihr Zelt an der San José-Mine aufgeschlagen. Der kleine Campingplatz, der inzwischen entstanden ist, trägt den Namen «Campamento Esperanza» - . Ein Untersuchungsausschuss des chilenischen Parlaments in Valparaiso untersuchte die Alejandro Bohn (im Bild) und Marcelo Kemeny für den Einsturz der Gold- und Kupfermine. Während des Dramas baten beide die Besitzer um Verzeihung: «Der Schmerz, der durch diese von uns nicht gewollte und nicht vorgesehene Situation verursacht wurde, erfordert, dass wir um Verzeihung bitten für die in diesen Tagen gefühlte Angst.» (Im Bild: Mitbesitzer ) «Diese Situation ist schrecklich», sagte der andere Mitbesitzer, seien. Das Bergwerk war 2007 eigentlich bereits worden, ein Jahr später wurde dort aber schon wieder gearbeitet.

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An dem Bergwerk in Copiapo in der Atacama-Wüste stimmten die Angehörigen am Sonntag (Ortszeit) zunächst Gesänge und ermutigende Sprechchöre an. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, stiegen sie anschliessend mit Bergwerksminister Laurence Golborne auf einen Hügel und hissten dort zu Ehren der verschütteten Bergleute entsprechend ihrer Nationalitäten 32 chilenische und eine bolivianische Flagge.

Die Erinnerung an die Verschütteten sei nicht verblasst, sagte der Minister. Er verlas ihre Namen, nach jedem der Namen erschallten «Viva»-Rufe der Angehörigen. Einige Angehörige brachen angesichts der schwierigen Lebensbedingungen der Bergleute unter Tage in Tränen aus.

«Es ist schwer für mich, weil sie nicht seit einem Monat dort unten in der Mine sein sollten, sie sollten bei ihren Familien sein», sagte María Segovia, deren Bruder Darío Segovia zu den eingeschlossenen Bergarbeitern gehört. Ihm gehe es gut, «das einzige, was er will, ist so bald wie möglich herauskommen».

Ganz Chile verfolgt gebannt das Schicksal der Bergleute. Nach dem Einsturz ihrer Mine am 5. August hatten sie sich in eine Rettungskammer in etwa 700 Metern Tiefe geflüchtet, erst zweieinhalb Wochen später wurden sie dort unten geortet.

Die Rettungsbemühungen laufen: Mit mehreren Bohren wird versucht, einen Rettungsschacht zu graben, durch den die Bergleute an die Erdoberfläche zurückkehren können.

(sda)