Guantánamo-Dokumente

26. April 2011 13:42; Akt: 26.04.2011 13:54 Print

Diese Uhr macht Sie zum Terroristen

Die Guantánamo-Akten von Wikileaks enthalten bizarre bis peinliche Details. So wurde eine simple Digitaluhr als Erkennungsmerkmal für Terroristen aufgelistet.

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Sie ist weltweit millionenfach verbreitet und spotbillig. Im Internet ist sie für weniger als 20 Franken erhältlich. Die F-91W des japanischen Herstellers Casio ist das Musterbeispiel einer Allerweltsuhr. Für die Ermittler im US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba aber ist der Zeitmesser mit Digitalanzeige ein mögliches Indiz für Verbindungen zum Terrornetz Al Kaida. Dies geht aus den Guantánamo-Geheimdokumenten hervor, die von Wikileaks veröffentlicht wurden.

In einem Leitfaden zum Erkennen von «feindlichen Kämpfern» werden demnach mehrere Gegenstände ausgelistet, die auf Terrorverdacht hindeuten. Darunter befindet sich neben Satellitentelefonen, Militärsendern und 100-Dollar-Noten auch die Casio F-91W. Es sei «bekannt, dass die Casio an Absolventen von Al-Kaida-Bombenbaukursen in Afghanistan übergeben wurde, zusammen mit Anweisungen, wie man die Uhr als Zeitzünder verwenden könne», heisst es in dem Dokument laut der britischen Zeitung «Guardian».

Insgesamt 52 Guantánamo-Häftlinge sollen eine Casio-Armbanduhr besessen haben, 32 das schwarze Modell F-91W und 20 die silberfarbene Variante A-159W. Etwa ein Drittel aller Insassen, die mit einer solchen Uhr erwischt wurden, hätten eine Verbindung zu Sprengstoffen, wird im Handbuch angeführt. Die Sondertribunale, die über die Einstufung der Guantánamo-Insassen als «feindliche Kämpfer» entschieden, hätten die Uhr als «Beweisstück» sehr ernst genommen, schreibt Spiegel Online.

Elfjähriger «Terrorführer»

Unter die Rubrik «Peinlichkeit» fällt eine weitere Episode. Ein Häftling namens Mohammed Basardah soll laut «Guardian» eine angebliche Londoner Al-Kaida-Zelle «enthüllt» haben. Als Führungsmitglieder nannte er neben den bekannten «Hasspredigern» Abu Qatada und Abu Hamza auch einen «Terroristen», der zum fraglichen Zeitpunkt gerade 11 Jahre alt war und sein Heimatdorf in Saudi-Arabien wohl nie verlassen hatte. Insgesamt soll Basardah mindestens 122 Mitgefangene angeschwärzt haben, darunter eine Gruppe von Saudis und Kuwaitern, bei denen es keine Anzeichen gebe, dass sie je in Grossbritannien waren.

Mehr als fragwürdig ist auch der Fall von Sami al Hajj. Der Sudanese arbeitete als Kameramann für den Fernsehsender Al Jazeera und wurde 2002 in Pakistan verhaftet. Die Lagerleitung sei überzeugt gewesen, dass es sich bei al Hajj um einen Al-Kaida-Kurier handelte, so der «Guardian». Im Verhör sei er über Al Jazeera und dessen angebliche Verbindungen zu Osama bin Laden befragt worden. Sein Anwalt ist überzeugt, dass er als Informant gegen seinen Arbeitgeber eingesetzt werden sollte. Im Mai 2008 wurde der Sudanese, der nach eigenen Angaben geschlagen und sexuell attackiert wurde, entlassen.

Der falsche Extremist

Geradezu bizarr ist der Fall von Abdul Badr Mannan, der zusammen mit seinem Bruder in Pakistan verhaftet und nach Guantánamo verfrachtet wurde. Nach vier Monaten kam das US-Militär zum Befund, dass es sich bei Mannan um das Gegenteil eines Terroristen handelte. Der Autor schrieb an einem Buch über islamischen Extremismus und hatte deshalb Kontakte zu entsprechenden Kreisen. In seinen Schriften habe er sich «extrem kritisch über den pakistanischen Geheimdienst und dessen Verbindungen zu Extremisten und Al Kaida geäussert», heisst es im Bericht. Aus diesem Grund seien Mannan und sein Bruder von den Pakistanern denunziert und die US-Behörden «in die Irre geführt» worden.

(pbl)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Papierlischweizer am 26.04.2011 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück nicht vor 20 Jahren.

    Vor 20 Jahren wären ganze Schulklassen voller unschuldiger Schweizer Schüler unter Terrorismusverdacht in Guantanamo inhaftiert worden. Zum Glück hatte ich dazumal eine SEIKO mit Metallgehäuse.

  • LukiP am 26.04.2011 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Moralheuchler ..

    Terrorismus als Bewegung kann man nicht "einsperren" oder an Dingen wie einem Bart oder einer Uhr festmachen. Leute auf Verdacht zu Kriegsgefangenen zu machen um diese dann zu foltern und irreführende Aussagen zu erhalten ist auch für die "Weltpolizei" ein Schritt zu weit. Die sind nicht besser als andere Kriegsverbrecher.

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  • patrik am 26.04.2011 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Tipp

    da ist ja sogar der klassische vollbart ein besseres indiz für terrorismusverbindungen ;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Vogler am 27.04.2011 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Steinway in Verdacht und gesprengt.

    Für die Amerikaner ist eben vieles verdächtig.Auch einen unschuldigen Konzertflügel von Steinway haben die am Zoll vernichtet.Weil Zollbeamte fanden,der Leim des Steinway des polnischen Pianisten Krystian Zimerman würde verdächtig nach Sprengstoff riechen,wurde der Flügel kurzerhand beschlagnahmt und gesprengt.Ich weiss nicht ob es sich um einen Hamburger-oder einen New Yorker Steinway handelte.Der Schaden ist wohl schon so gross genug,doch wäre er nicht Pianist sondern Geiger und hätte eine Stradivari oder eine Guarneri del Gesu mit sich geführt,wäre der Schaden noch wesentlich grösser.

  • Al Qasio am 27.04.2011 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Al Qasio identifiziert.

    Na aber wer 25 Jahre alte Uhren trägt ist wirklich verdächtig. Normal gehen die Casios viel früher kaputt.

    • Ta Casiban am 27.04.2011 22:04 Report Diesen Beitrag melden

      Amerikanische Ignoranz ;-)

      Die werden auch heute noch produziert und verkauft. Speziell in Indien / Pakistan sinds Verkaufsrenner, da du die Uhr mit ein wenig Feilschen so für ca 5 Franken kriegst... Was in etwa 3 Tageslöhnen entspricht. Da in Afghanistan während den Taliban v.a. Pakistanische Kaufleute gehandelt haben, sind die Teile dort wohl auch Massenware. Das die Amerikaner solche Fakten ignorieren spricht für sich....

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  • Heliamphora am 27.04.2011 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Legion

    Also wenn ich da so einige andere Behörden und Regierungen anschaue, dann stehen die USA gar nicht so schlecht da. Frankreich, Deutschland, China, ja sogar unsere liebe Schweiz (hier so ziehmlich alle politischen Richtungen, also von rechts bis links...und leider ohne Ausnahme). Behörden und Regierungen sind Legion, denn nicht nur eine ist lächerlich, sondern viele sind es.

  • Aldous Huxley am 27.04.2011 06:41 Report Diesen Beitrag melden

    Das "schöne" am Terrorismus

    ...ist, dass Grundsätzlich jeder Mensch verdächtigt wird. Die Welt braucht anscheinend immer Sündenböcke, siehe Christenverfolgung, Progrome und Hexenverbrennungen. Spätestens mit Guantanamo hat sich die USA aufs gleiche Nieveau, wie Stalins UDSSR, 1936er Deutschland, Kambodscha, China, Israel, uvm. herabgelassen. Ein menschenrechtliches Desaster!

    • George Deuel am 27.04.2011 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      Schwachsinn

      Mit diesem Kommentar disqualifizieren Sie sich selbst. Eine Terroristen-Organisation dermassen zu beschützen und mit billigsten Argumenten über die USA herzuziehen, wie Vergleiche zum Holocaust etc. ist einfach nur pervers. Solche Vergleiche werden häufig von Linksextremen angewandt, um andere Meinungen zu unterdrücken.

    • Hans Tobler am 27.04.2011 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      USA auch ein Schurkenstaat

      Ganz richtig. Aber nicht erst seit Guantanamo. Schon im Vietnamkrieg haben sie ihr wahres Gesicht gezeigt.

    • Ricardo Granda am 27.04.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      Terrorismus

      Die USA haben schon im 2.Weltkrieg,nach dem sie von Japan angegriffen wurden,Lager eingerichtet wo sie japanische Familien hinein steckten.Sicher ist das menschenunwürdig aber nicht vergleichbar mit der Verfolgung und Ermordung von mio. von Menschen.Ich bin nicht gerade ein Freund der USA,aber ich vergesse auch nicht wer uns(Europa)im 2.Weltkrieg die Haut gerettet hat.

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  • der verdächtige am 26.04.2011 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    wie bitte

    also, ich trage genau diese Casio F-91W, ich bin moslem, komme aus dem muslimischen Land. Bin ich jetzt für amis ein Terrorist? Ich glaube, dass die amerikaner bis jetzt mehr unschuldige Menschen verhört.

    • Basilisken am 27.04.2011 08:55 Report Diesen Beitrag melden

      Aufpassen

      ich hoffe du kaschierst deine IP-Adresse, sonst könnte bald ein Kommando deine Tür eintreten

    • Samuel Fischer am 27.04.2011 11:20 Report Diesen Beitrag melden

      Aufgeben!

      ich würde mich freiwillig stellen an deiner stelle!

    • Sliderfahnder am 27.04.2011 11:28 Report Diesen Beitrag melden

      Zeitreiseverdacht!

      Die Uhr ist doch älter als die Dinos. Zeitreisender, Artefaktsammler oder Al Qasio-Zeitterrorist?

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