Hungersnot in Afrika

28. Juli 2011 20:51; Akt: 28.07.2011 20:51 Print

Schweizer spenden Millionen

von Adrian Müller - Am Horn von Afrika droht die schlimmste Hungersnot seit 30 Jahren. Die Schweizer Hilfswerke bauen die Hilfe für das Horn von Afrika massiv aus.

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Anfang 2012 warten Hungerflüchtlinge noch immer darauf, nach Hause zurückzukehren. Vier Monate nachdem die UNO vor der Hungersnot in Somalia warnte, erholt sich die Gegend wieder. Doch Ende November 2011 wollen viele Flüchtlinge nicht in ihre Heimat zurück. Wie die UNO am 5. August 2011 berichtet, ist jedes zweite Kind, das beim Flüchtlingscamp in Kenia ankommt, unterernährt. 27. Juli 2011: ist fünf Jahre alt und liegt im Banadir-Spital in Mogadischu. In den von der Hungerkatastrophe betroffenen Gebieten fehlt es an allem: Essen, sauberes Wasser, Medizin, Unterkünfte. entgegen. 26. Juli 2011: ist nur eines von tausenden Kindern die vom Hungertod bedroht sind. Er ist sieben Monate alt und wiegt gerade mal 3,4 kg. Die Uno erklärt die Lage in Teilen Somalias am 20. Juli 2011 offiziell als wenn über 30 Prozent der Kinder unterernährt sind und täglich zwei von 10 000 Menschen durch die Lebensmittelknappheit ums Leben kommen. Diese Zahlen werden weit überschritten. Es ist die Die im Osten des Kontinents ist die schlimmste seit 60 Jahren. Zehntausende Menschen sind bereits gestorben. Fast sind nach UNO-Angaben von der Hungerkatastrophe bedroht. aus dem auch vom Bürgerkrieg versehrten Somalia suchen täglich Zuflucht in der Hauptstadt Mogadischu und in den Nachbarländern. Betroffen sind zudem in Kenia, Uganda, Dschibuti und Äthiopien. In vielen Lagern müssen die Flüchtlinge ihre Die im Süden Somalias hat den internationalen Hilfskräften erneut verboten, ihr Gebiet zu betreten. Zuvor hatten die Rebellen das Verbot kurzzeitig aufgehoben. Nach dem aus den Hungergebieten können sich die Menschen kaum mehr auf den Beinen halten. ist dreijährig und wie unzählige andere Kinder massiv unterernährt. Er kommt aus Südsomalia und ist jetzt im Spital von Mogadischu. Manche der Flüchtlinge sind derart geschwächt, dass sie Ihr Kind hat überlebt. Doch sind an der Tagesordnung. Oft ist die in den Flüchtlingslagern behelfsmässig. Das 2-jährige unterernährte Kleinkind aus Südsomalia erhält medizinische Betreuung. Ob es überlebt, ist nicht sicher. Tausende sind in den letzten zwei Wochen in Mogadischu angekommen, täglich werden es mehr. Der 1-jährige liegt in den Armen seiner älteren Schwester. Er hat nur dank der Hilfe der Ärzte ohne Grenzen überlebt. Die Mutter der beiden ist im Camp unterwegs, um sich eine Lebensmittelkarte zu beschaffen. Frauen aus Südsomalia, die heute das Flüchtlingscamp erreicht haben, tragen die zu ihrem Zelt. ist schwer unterernährt. Die Turkana-Region in Kenia ist besonders hart von der Dürre betroffen. Tausende Menschen stehen akut vor dem Hungertod. Eine Somalierin wartet auf ihre Registrierung im Flüchtlingslager Dadaab, Kenia. Neun Jahre alt ist und bis auf die Knochen abgemagert. Er stammt aus Südsomalia. Am 12. Juli sagt das es überlege sich, in die Region zurückzukehren, die von der Shabab-Miliz kontrolliert wird. Die der Al-Kaida nahestehenden Rebellen hatten die Hilfsorganisationen vor einer Woche um Hilfe gebeten, nachdem sie sie vor zwei Jahren aus dem Gebiet vertrieben hatten. erreichen das Flüchtlingslager. Täglich kommen über tausend Menschen in Mogadischu an. Die Regierung ist völlig überfordert, Hilfe kann nicht garantiert werden. Laut Uno sterben jeden Tag 100 Kinder an Unterernährung. um das tote Kind nach somalischer Tredition zu beerdigen. Die Ärzte hatten den Vierjährigen nicht mehr retten können. der mit gerade mal vier Jahren gestorben ist. Hinter ihm legen Männer den in eine Plastikmatte gehüllten Leichnam bereit. Das Bild ging um die Welt: Im Spital der Ärzte ohne Grenzen nimmt der zweijährige ein Bad. Er wird hier gegen Unterernährung behandelt. Die Flüchtlinge aus Südsomalia haben es nach Mogadischu geschafft. In finden sie vorläufige Unterkunft. Nun warten sie darauf, dass sie ins Lager für Binnenflüchtlinge umziehen können. Es gibt nicht genug Zelte für all die Menschen, die vor der Dürre ins Dollo Ado in Äthiopien geflohen sind. Sie verbringen ihre Der Boden ist völlig ausgetrocknet, die Dürre hat das Vieh dahingerafft. Die gleichen Bilder findet man in Teilen Somalias, Ugandas, Dschibutis und Äthiopiens. Eine Grossmutter hält ihren unterernährten Enkel in den Armen, 6. Juli, Lagbogal bei Wajir in Kenia: hat noch eine Kuh, die allerdings keine Milch mehr gibt. Sie wohnt in Lagbogal, 56 km von Wajir im Nordosten Kenias entfernt. Sie pflegt ihren völlig geschwächten und unterernährten Mann

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Die Situation in Ostafrika spitzt sich von Tag zu Tag zu: Elf Millionen Menschen kämpfen in Somalia, Kenia und Äthiopien gegen den Hungertod. Tausende sind schon gestorben, Hunderttausende fliehen vor einem qualvollen Ende, marschieren aber oftmals in den Tod. Frauen müssen teilweise bei sengender Hitze 40 Kilometer weit laufen, um einen Kübel Wasser für die Familie zu besorgen.

Seit Monaten fehlt der Regen. Jetzt fehlt auch das Geld. Die Bilder abgemagerter Kinder mit grossen Augen, die Bilder des Elends, lassen die Schweizer Bevölkerung aber nicht kalt. «Bei uns gehen derzeit pro Tag knapp 1,5 Millionen Franken an Spendengeldern ein», sagt Priska Spörri von der Glückskette zu 20 Minuten Online. Total seien in den letzten Tagen 7,8 Millionen Franken zusammengekommen. «Die Schweizer erkennen das massive Ausmass der Katastrophe», stellt Spörri fest. Bislang ist die Hilfe aber erst ein Tropfen auf den heissen Stein. Zum Vergleich: Für die Flutopfer in Pakistan spendeten Herr und Frau Schweizer über 42 Millionen Franken.

Gesammelt wird auf allen Ebenen. Bei der Caritas sind bislang 600 000 Franken Spendengelder eingegangen. «Wir stehen jedoch erst am Anfang der Sammlung», sagt Sprecher Stefan Gribi. Auch die Humanitäre Hilfe des Bundes hat ihre Hilfsgelder von 14 auf 18,5 Millionen aufgestockt. Zum Vergleich: Die EU hat über 160 Millionen Euro zugesagt. Die Uno schätzt den Hilfsbedarf auf über eine Milliarde Dollar ein. Knausert die reiche Eidgenossenschaft bei der Afrika-Hilfe? Das findet Gribi nicht: «Im Gegensatz zu anderen Ländern zahlt die Schweiz das gesprochene Geld dann tatsächlich aus.»

Lebensmittelpreise schnellen in die Höhe

Mit Geld allein ist es allerdings nicht getan: Hilfswerke wie Caritas Schweiz leisten vor Ort Knochenarbeit, um den Hunger zu mildern. «Wir haben eben unsere Nothilfe für die Opfer der Dürrekatastrophe auf zwei Millionen verdoppelt», sagt Stefan Gribi.

Mit dem Spendengeld kauft Caritas in den Krisengebieten lastwagenweise Trinkwasser und karrt es in entlegene Gebiete. Die Verteilung von Wasser ist zur Zeit eine der wichtigsten Massnahmen, um die Menschen vor dem Tod zu retten. Das Problem: «In Krisengebieten schnellen Preise für Wasser und Lebensmittel extrem in die Höhe», sagt Spörri. In Teilen Kenias betrage die Inflation bei Nahrungsmitteln derzeit 280 Prozent.

Es braucht also noch viele Spenden, damit die Hungersnot wenigstens teilweise gelindert werden kann. Dazu hat die Uno am Mittwoch eine Luftbrücke nach Somalia gestartet. Der Spendenmarathon geht auch in der Schweiz weiter: «Wir hoffen, dass viele Leute nach der Rückkehr aus den Ferien spenden», sagt Spörri.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hug Christoph am 29.07.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    kein Geld von mir!

    keinen Rappen spende ich dort hin, denn das Geld kommt sowieso nie an! Lieber spende ich mein Geld den schweizer Bergbauern, denn auch hier gibt es Menschen in Not. Es klingt hart, aber meine Aufmerksamkeit erhalten diese dort nicht, sie können ja auch arbeiten und sie hatten die Chance, dass alles besser wird, nämlich noch als sie zu den Briten usw. gehörten, denn diese haben ihnen Wasserstrassen usw. gebaut.

  • Dani Gruber am 29.07.2011 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Auswirkung der Umweltverschmutzung

    Die Dürre ist eine Auswirkung der zunehmenden Umweltverschmutzung. Staaten wie China, USA usw. sollten zur Kasse gebeten werden und übermässige Umweltverpestung endlich verboten werden. Aber es muss halt immer zuerst zu spät sein, bevor man reagiert.

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  • Krause am 20.07.2011 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Hände gebunden

    Wo sind die islamischen Länder? Wen wir aus dem Westen den menschen helfen, sind wir 1 augenschlag später wieder ihr feind und werden selbst aus dem land geworfen (bzw. Weisse Farmer die in Afrika leben oder die besagten hilfsorganisationen). Es ist zwar schlimm, aber eine Millionen hilfe würde nichts bringen, den Regen können auch wir nicht kaufen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Secondo am 29.07.2011 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der Mensch aufhört Mensch zu sein..

    Es ist schon traurig die vielen Kommentare hier zu lesen, welche von Spenden nach Afrika abraten. Da wird in der Schweiz vollmundig darüber gesprochen wie zivilisiert man hier ist... Aber wenn es darum geht einem Kind in Afrika zu helfen, dass vor Hunger kurz vor dem Tode steht, dann ist man sich doch selbst der nächste... Was stören uns eigentlich hier die Minarette und alles andere fremde, wenn wir nicht zu unseren christlichen Werten selber stehen können und Leuten in der Not beistehen. Gottseidank gibt es auch Kommentare anderer Art zu diesem Beitrag!

    • Hans Bockwurst am 31.07.2011 18:20 Report Diesen Beitrag melden

      Dito

      Dem kann ich nur zustimmen. Ich hab gespendet, mit E-Banking ein Zeitaufwand von etwa 2 Minuten und ein paar Franken abzudrücken kann sich der Durchschnitts-Schweizer ohne weiteres leisten.

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  • Mensch am 29.07.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    westliche Gesellschaft

    Spenden bringt nichts. Es beginnt schon in unserem System. Hunger ist ein weltweites Problem und nicht nur in Afrika. Überall wo es Krieg, Terror und Ausbeutung gibt, gibt es Armut und Elend. Und daran sind WIR schuld. Nicht die Afrikaner oder die Islamisten, sondern die gesamte westliche und europäische Gesellschaft. Wir wollen alles möglichst billig und müssen alles haben, damit wir uns gut fühlen. Mit einer solchen Einstellung beginnt Ausbeutung. Was ist anders als zu Kolonialzeiten? Wir wollen billige Arbeitskräfte und holen uns diese, in dem wir das Leid anderer ausnutzen.

  • Hug Christoph am 29.07.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    kein Geld von mir!

    keinen Rappen spende ich dort hin, denn das Geld kommt sowieso nie an! Lieber spende ich mein Geld den schweizer Bergbauern, denn auch hier gibt es Menschen in Not. Es klingt hart, aber meine Aufmerksamkeit erhalten diese dort nicht, sie können ja auch arbeiten und sie hatten die Chance, dass alles besser wird, nämlich noch als sie zu den Briten usw. gehörten, denn diese haben ihnen Wasserstrassen usw. gebaut.

  • Michi am 29.07.2011 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nachhaltigkeit

    Investieren, damit sich was ändert bzw. verbessert. Alles andere ist ein Fass ohne Boden. Aber es hat ja die letzten Jahrzehnte nichts gebracht und wird auch so weiter gehen.

  • Lex, Bern am 29.07.2011 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Reiche übernehmt soziale Verantwortung!!

    Jetzt sollen endlich die Reichen ihre soziale Verantwortung übernehmen und helfen!!! Aber man geht ja lieber mit der Luxuxjacht in die Ferien oder lässt sich den Namen in Sand schreiben....