Video von US-Angriff

06. April 2010 12:58; Akt: 06.04.2010 17:24 Print

Tödliche Verwechslung in Bagdad

Das verstörende Video eines tödlichen Helikopter-Angriffs 2007 in Bagdad lässt Rufe nach einer Untersuchung laut werden. Doch die US-Armee sieht keinen Beleg für ein Fehlverhalten.

(Quelle: wikileaks.com/youtube.com)
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Seit dem Helikopter-Angriff am 12. Juli 2007 in Bagdad hat die Nachrichtenagentur Reuters vergeblich versucht, genaue Informationen über den Tod ihrer beiden Mitarbeiter zu erhalten. Der 22-jährige Fotograf Namir Noor-Eldin und der 40-jährige Fahrer Saeed Chmagh waren bei der US-Militäraktion getötet worden. Das für den Irak zuständige Zentralkommando der US-Streitkräfte gab mehrere Dokumente in zensierter Form frei. Zwei wurden jedoch als «klassifiziert» eingestuft und zurückgehalten, darunter das Video des Angriffs.

Dessen Veröffentlichung auf der Website Wikileaks bringt das US-Militär nun in Zugzwang. Ein hochrangiger Vertreter bestätigte gegenüber der «New York Times» die Echtheit des Videos. Ein Armeesprecher teilte laut CNN mit, die Untersuchung des «tragischen Vorfalls» habe ergeben, dass die involvierten Streitkräfte sich der Anwesenheit der beiden Reporter nicht bewusst gewesen seien: «Alle verfügbaren Beweise stützen die Annahme der Soldaten, dass sie es mit bewaffneten Aufständischen zu tun hatten und nicht mit Zivilisten.»

Die Untersuchung hielt fest, dass die Soldaten die Kameras der Reporter mit Waffen verwechselt hatten. Laut dem am Montagabend vom Zentralkommando veröffentlichten Bericht hatten die Reuters-Mitarbeiter «keinen Versuch unternommen, ihren Status als Medienvertreter sichtbar zu machen». Durch «ihre Vertrautheit mit und Nähe zu den bewaffneten Aufständischen» sowie ihre Versuche, die Streitkräfte zu fotografieren, hätten die Besatzungen der Helikopter sie für «feindliche Kämpfer» gehalten.

Bei Rettungsversuch getötet

An jenem Tag war es im Osten Bagdads tatsächlich zu Kämpfen zwischen Aufständischen und dem US-Militär gekommen. Laut Reuters waren Noor-Eldin und Chmagh unterwegs zu einer Reportage über Gewichtheber, sie hätten sich jedoch entschieden, sich vor Ort über die Lage zu informieren. David Finkel, ein Journalist der «Washington Post», hat den Vorfall in seinem 2009 erschienenen Buch «The Good Soldiers» beschrieben. Demnach befanden sich die beiden in Begleitung von sieben Irakern, von denen zwei mit einem Gewehr und einem Granatwerfer bewaffnet waren, als sie von den Helikoptern beschossen wurden.

Namir Noor-Eldin versuchte, sich hinter einem Abfallhaufen zu verstecken, als er getötet wurde. Saeed Chmagh wurde beim Angriff verwundet. Die Helikopter-Crew schoss vorerst nicht weiter auf ihn, weil er unbewaffnet war. Doch als ein Lieferwagen auftauchte, der ihn wegbringen wollte, eröffneten die Soldaten erneut das Feuer. Sie töteten den Reuters-Fahrer und die beiden Männer, die ihn in Sicherheit bringen wollten. Zwei Kinder, die sich im Lieferwagen befanden, wurden verletzt. «Es ist ihr Fehler, wenn sie ihre Kinder in die Schlacht mitbringen», sagte ein Heli-Pilot.

«Umfassende Untersuchung notwendig»

«Das Video ist zutiefst verstörend und erinnert uns daran, was Journalisten in Kriegsgebieten alles auf sich nehmen», hielt Reuters-Chef Joel Simon in einer Mitteilung fest. Es bestätigte zudem die seit langem vorhandene Überzeugung, «dass eine umfassende und transparente Untersuchung dieses Vorfalls dringend notwendig ist». Auch ein irakischer Medienverband fordert eine Untersuchung. Die Aufnahmen seien ein Beweis für ein Verbrechen, sagte Gewerkschaftschef Muijad al Lami.

(pbl)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. am 09.04.2010 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Mehrere Personen sind bewaffnet in einem Kriegsgebiet unterwegs. Darunter auch mit Waffen, die gegen Kampfhubschrauber eingesetzt werden. Bei 4:19 richtet eine Person etwas auf den Kampfhubschrauber .... bei allem Verständnis für die schockierende Brutalität eines Krieges, bei aller Ablehnung des amerikanisches Engagements im Irak ... ich hätte das Feuer ebenfalls eröffnet.

  • Krieg am 06.04.2010 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Grausam

    Krieg IST grausam. Da kann man jemanden ermorden weil er der Feind ist und nicht einfach de Ueli oder de Fritz isch! Am besten ist es wenn wir alle desertieren und uns nicht zu mördern machen lassen.

  • connectin dots am 07.04.2010 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Am Schluss gibt es nur Opfer!

    Auch Soldaten sind Opfer dieser künstlichen Konflikte! Sprecht mal mit ihnen! Ich hatte genügend Gelegenheiten dazu in den USA! Die Erlebnisse sind traumatisch. Darum geht es aber nicht bei der Veröffentlichung dieses Videos.Was wir hier sehen ist seit sieben Jahren tägliche Realität und keiner schaut hin. Lieber "echli Fernseh luege, eis go trinke und en iPad chaufe - geil!" Und wenn mans mal zu sehen bekommt sagen; "Es ist halt Krieg." Dass dabei Millionen von unschuldigen Zivilisten umkommen ist halt Pech - die müssen ja nicht dort wohnen! Klagt die wahren verantwortlichen an! Wacht auf!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fritz Meyer am 24.06.2010 01:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kriegsverbrechen bleibt Kriegsverbrechen

    Wenn vielleicht nicht auf unserer Welt aber vor Gott werden die Piloten bestimmt Rechenschaft ablegen müssen! Keiner der Gruppe, die beschossen wurde, hat auch nur im geringsten eine Gefahr bedeutet. Und gerade wie man sieht wie die Hellfire Raketen abgeschossen werden, da sieht man ganz klar unbeteiligte Zivilisten die vor dem Gebäude vorbeigehen. Man kann davon ausgehen, dass es dutzende wenn nicht sogar hundert weitere Vorfälle gegeben hat und geben wird. Ist das der sogenannte "Krieg gegen den Terror" ? Für mich ist das mehr ein "Krieg mit Terror" und zwar gegen eine Zivilbevölkerung!

  • Chregu am 10.04.2010 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Objektiv betrachtet

    Kurz nach Minute 3:40 sieht man zwei Männer. Einer mit einem Gewehr und einer mit etwas das wie eine RPG aussieht. Die Gefahr wahr für die Piloten und die zu schützenden Soldaten also nicht imaginär. Der Entscheid zum Schiessen ist demnach nicht absolut falsch. Der Beschuss des Minivan ist aber klar ein Verstoss gegen die 1. Genfer Konvention (Art. 3 Abs. 1, Art. 2, Art. 12 und Art. 13). Diesbezüglich ist eine Untersuchung gerechtfertigt.

  • M.Schaer am 10.04.2010 01:36 Report Diesen Beitrag melden

    WA(H)R

    Die ganze Wahrheit des Krieges wird nie ans Licht kommen. Das alles was aber heute bekannt und belegt ist zeigt ohne Zweifel, dass die Amis zur Erreichung ihrer Ziele (=ÖL) jegliche Grenze des Vorstellbaren überschritten haben. Der Angelpunkt der Achse des Bösen ist WASHINGTON.

  • R. am 09.04.2010 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Mehrere Personen sind bewaffnet in einem Kriegsgebiet unterwegs. Darunter auch mit Waffen, die gegen Kampfhubschrauber eingesetzt werden. Bei 4:19 richtet eine Person etwas auf den Kampfhubschrauber .... bei allem Verständnis für die schockierende Brutalität eines Krieges, bei aller Ablehnung des amerikanisches Engagements im Irak ... ich hätte das Feuer ebenfalls eröffnet.

  • nancyboy am 08.04.2010 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    terror

    Terror ist der Krieg der Armen und Krieg ist der Terror der Reichen. Sir Peter Ustinov,(* 16. April 1921 in Swiss Cottage, Camden, London; 28. März 2004 in Genolier, Kanton Waadt, Schweiz)