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12. März 2011 17:21; Akt: 12.03.2011 19:20 Print

«Beznau würde Stärke 5 wohl nicht überstehen»

Experten und Politiker reagieren unterschiedlich auf die Ereignisse in Japan. Schweizer Atomkraftwerke würden einem starken Erbeben aber wohl nicht standhalten, so der Tenor.

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Die Universität Sheffield hat eine interessante Grafik veröffentlicht, in welcher die Welt nach dem Erdbebenrisiko gewichtet zeigt (). Die Situation in den 2400 Evakuierungszentren wird prekär: Wasser, Heizöl und Essen müssen rationiert werden. In vielen Dörfern, in denen keine Evakuierungszentren eingerichtet werden können, ziehen die Nachbarn zusammen. Damit sparen sie Energie beim Kochen und je mehr Menschen sich in den Wohnräumen aufhalten, umso höher ist die Raumtemperatur. Viele Japaner besorgen Esswaren auf provisorischen Märkten. «Ich nehme das, was es gibt», sagt eine ältere Frau, «und bin für alles dankbar.» In einigen vom Tsunami betroffenen Städten wurden die Strassen frei geräumt - nun kann effizienter evakuiert werden. Im Katastrophegebiet erschweren derzeit Schneeschauer die Rettungsarbeiten. Rettungskräfte kämpfen sich mühsam durch die überflutete Einöde. Sie suchen weiter nach Überlebenden, obwohl die Chancen mit jeder Minute sinken. «Der starke Verwesungsgeruch und das dreckige Meerwasser machen die Suche extrem schwierig», sagt Helfer Yin Guanghui. Als sei die Lage nicht schon schlimm genug, liegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. An vielen Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Die Menschen decken sich dort mit Heizöl ein. Die Zerstörung der Stadt Itsuchi in der Präfektur Iwate. Die Stadt existiert nicht mehr. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - dem Erdboden gleich. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - nichts bleibt übrig nach dem Tsunami. Sendai wurde vom Tsunami am härtesten getroffen. Eine Frau aus Miyako hat ihre Mutter und ihren dreijährigen Sohn verloren. Die toten Körper wurden im Haus gefunden. Eine Frau und ihre Tante in tiefer Trauer, als sie sich nach dem Erdbeben und Tsunami wieder treffen. Ein Schulzimmer in Otsuchi. Angestellte einer Firma geschockt, als sie ihren Arbeitsplatz wiedersehen in Minamisanriku, Miyagi. Überlebende vor den Toten in Rikuzentakata. Eine Harley Davidson sitzt auf Trümmern in Soma in der Präfektur Fukushima. Eine alte Frau kehrt zurück nach Hause - oder was davon übrig geblieben ist - in Otsuchi. Die Stadt Otsuchi - nichts bleibt übrig. Das Wasser ist hochgradig verschmutzt in Fudai. Schiffe in Kesennuma sind dort, wo sie nicht sein sollten. Der Tsunami beförderte Boote weit ins Landesinnere. Auch grosse Schiffe wurden von der Flutwelle wie Spielzeuge mitgerissen. Überlebende des Erdbebens versuchen, sich über die Dächer der eingestürzten Häuser in Sicherheit zu bringen. Nach wie vor wird fieberhaft nach Überlebenden des Tsunami gesucht. Die Flutwelle brachte meterhoch Schlamm in die Küstengebiete, was die Arbeit der Helfer erschwert. Trauer und Verzweiflung in Japan: Vielfach können Menschen nur noch tot geborgen werden. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist schwierig. Wo es noch Waren gibt, bilden sich endlose Menschenschlangen. In Japan bilden sich derweil Schlangen vor den Supermärkten. Die Regale sind aber praktisch leer. Hunderttausende wurden aus den gefährdeten Gebieten evakuiert. Sie müssen in temporär eingerichteten Warteräumen übernachten. Einen Tag nach dem schweren Beben bietet die Stadt Sendai ein Bild der Verwüstung. Überall sind die Spuren der Verwüstung zu sehen. Die Strassen sind kaputt oder voller Schlamm. Die Welle drang bis zu zehn Kilometer ins Landesinnere ein. Kaputte Autos liegen herum, ... ... sogar Kleinflugzeuge. Angesichts Tausender Vermisster hat die japanische Regierung am 12. März 2011 ein grosses Militäraufgebot für Rettungsaktionen abgestellt. Hierzu sind 50 000 Soldaten für die Rettung von Überlebenden mobilisiert worden. Zahlreiche Städte und Dörfer entlang eines 2100 Kilometer langen Küstenabschnitts im Nordosten Japans sind betroffen. Mit der Flutwelle sind ganze Zugkompositionen weggeschwemmt worden. Die zuständige Eisenbahngesellschaft erklärte, sie wisse nicht, wie viele Menschen sich in den Zügen befunden hätten. In vielen Strassen an der Ostküste steht noch das Wasser. Rettungskräfte sind mit Booten unterwegs. Hunderte Menschen warten geduldig vor den wenigen Supermärkten, die wieder geöffnet haben, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Auf Luftaufnahmen war zu sehen, wie Helikopter der Armee mit Leinen verzweifelte Menschen von Dächern ... ... und aus Hausruinen bargen. Dafür waren 190 Militärflugzeuge und Helikopter ... ... sowie 25 Schiffe in die von dem Erdbeben betroffenen Gebiete unterwegs. Wegen zerstörten Zufahrtsstrassen haben Rettungskräfte bislang nicht zum Küstenstreifen vordringen können. In weiten Teilen Nordjapans hat das Erdbeben schwere Schäden angerichtet. Die Flutwelle erreichte eine Höhe von zehn Metern. Eine unbekannte Zahl von Opfern ist vermutlich von herabfallendem Mauerwerk verschüttet worden. Der Tsunami riss Schiffe, ... ... Autos, ... ... Container am Hafen, ... ... ganze Gebäude ... ... und tonnenweise Schutt und Geröll mit sich. Eine Retterin in Kesennuma.

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Für die Betreiber der Schweizer Atomkraftwerke besteht nach dem Vorfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 kein direkter Handlungsbedarf. Das sagte Georg Schwarz, Leiter des Bereichs Kernkraftwerke beim Eidgenössischen Nuklearinspektorat (ENSI).

Zwar könne es auch in der Schweiz Erdbeben geben - «aber auf einem ganz anderen Niveau», sagte Schwarz am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Würde die Erde allerdings in der Schweiz unerwarterterweise doch so fest beben wie in Japan, hätten auch die hiesigen Atomkraftwerke mit Problemen zu kämpfen.

«Unsere Atomkraftwerke sind nicht für so starke Erdbeben gebaut» , sagte Schwarz. Seit einigen Jahren sei die Schweiz aber daran, die Erdbebenfestigkeit der Werke zu verbessern. Allenfalls müssten nach der Analyse der Ereignisse in Japan Anpassungen ins Auge gefasst werden.

«Strahlung bliebe in Anlage»

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen, Vorstandsmitlgied des Nuklearforums Schweiz, sagte auf Anfrage, dass es keine absolute Sicherheit gebe - das gelte für die Kernenergie, aber auch für alle anderen Bereiche im Leben. Wichtig sei, dass es nach einer allfälligen Kernschmelze zu keinem Austritt von radiokativer Strahlung komme.

«Das Gemisch von radioaktiver Strahlung muss innerhalb der Anlage bleiben - das ist das oberste Ziel». Gemäss Wasserfallen, wäre diese Sicherheit auch bei Erdbeben der Stärke, wie sie Japan erlebt hat, gewährleistet.

Abschaltung von Mühleberg gefordert

Geri Müller, grüner Nationalrat aus dem Aargau und Präsident der Energiestiftung Schweiz, zeigte sich über die Vorkommnisse im japanischen Atomkraftwerk beunruhigt. «Das macht mir grosses Bauchweh», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Mit dem Erdbeben sei ein Fall eingetreten, der nicht so selten ist.

Auch in der Schweiz sei es schon zu starken Erdbeben gekommen, zuletzt eines mit Stärke 7 in Basel vor 600 Jahren. «Unsere Atomkraftwerke würden höchstens Erdbeben der Stärke 5 unbeschadet überstehen - Mühleberg und Beznau wohl nicht einmal dies.»

Die Grüne Partei der Schweiz forderte noch am Samstag, dass der Bundesrat das laufende Verfahren für den Bau von drei neuen AKW in der Schweiz sistiere. Zudem soll er auf seinen Entscheid, dem AKW Mühleberg eine unbefristete Betriebsbewilligung zu geben, zurückkommen.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) habe im Jahr 2002 in ihrem Gutachten festgehalten, dass Mühleberg keinem Erdbeben standhalten würde, teilten die Grünen mit. Mühleberg solle deshalb, wie ursprünglich vorgesehen, 2012 den Betrieb einstellen. Auch die SP Bern forderte am Samstag die rasche Stilllegung von Mühleberg.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 13.03.2011 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Fessenheim 2

    Genau, Fessenheim. Das ist ja das verrückte, dass selbst, wenn wir in der CH alles richtig machen würden, immer noch ein grosses Gefahrenpotenzial besteht. Auch die Staumauern bergen Gefahren. Trotzdem bin ich dafür, auf Atomenergie ganz zu verzichten. Die Geschichte lehrt uns jetzt zum x-ten Mal, dass es den "unwahrscheinlichen" Fall doch immer wieder gibt.

  • jahn am 12.03.2011 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Baulichemassnahmen

    Man sollte die akws in der Schweiz umbauen damit sie ein stärkeres erdbeben aushalten.

  • Nik am 12.03.2011 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Hr. Wasserfalle?

    Lieber Herr Wasserfallen. Die Japanischen Kernkraftwerke gallten bis Heute als die sichersten der Welt. Niemand hätte gedacht, dass ein Erdbeben solchen Schaden anrichten könnte. Nehen Sie den Mund nicht so voll mit solchen Behauptungen von wegen Sicherheit der Schweizer AKWs.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hugo am 03.04.2011 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Bau von Massenvernichtungs-Anlagen

    "Demokratisch abgestimmt ?" Ein Flugzeug-Abstutz auf die Anlage, was passiert dann ? Wo sind die Anwälte ?

  • Gray von Sievert am 03.04.2011 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Plutoniumbrennstäbe u.Zirkonium

    Die Verwaltunsräte sollten darin ausgebildet werden, bei einer Havarie die Kühlung wieder in Gang zu bringen. Sie müssen ja Verantwortung übernehmen für den grossen Lohn. Das ist meine ganz persönliche Meinung.

  • Stefan B. am 14.03.2011 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    typisches Denken

    Die genannten "atom-freien" Länder müssen um ihren bedarf zu decken Strom importieren u.a. aus ausländischen AKWs - das ist scheinheilig - so wie im Falle Österreichs: AKW Zwentendorf wurde in den 80er jahren vom Volk verhindert, aber nur 50 km weiter nördlich in Tschechien stehen mind. 4 alte Schrottmeiler russischer Bauart (Tschernobly-Art). Im Falle eines Fallouts kommt die "tschechische" Strahlung ja nicht über die Grenze. Ein Aussstieg aus der Kernkraft bringt nur im Verbund mit allen anderen etwas. Alleingänge sind für die Fische, genauso wie mit der CO2 Reduktion.

    • Steve Vienna am 14.03.2011 22:51 Report Diesen Beitrag melden

      nicht ganz richtig

      Um aufzuklären (Österreich kann sich sehr wohl selbst versorgen und muss keinen Strom importieren.

    • M. Stark am 20.03.2011 14:44 Report Diesen Beitrag melden

      "grüne" Wasserkraft

      Es geht noch viel scheinheiliger. Hier in der Schweiz haben wir sogenannte Pumpspeicherkraftwerke, das sind Kraftwerke, an Stauseen, die einen Tie des Wassers wieder raufpumpen,um länger Stom produzieren zu können hierfür wird zwar ein Stromüberschuss verwendet, es ist aber nicht selten Atomstrom auf Frankreich, der nachts billig importiert weden kann. Soviel zur grünen Wasserenergie.

    • Obiwan Kenobi am 03.04.2011 04:08 Report Diesen Beitrag melden

      sehe ich anders

      Gegen diese Schrottmeiler wird ja protestiert, auch von offizieller Seite. Und wenn man nichts tut, weil die anderen auch nichts tun, wird man niemals weiterkommen. Alleingänge zeigen zumindest, dass es möglich ist. Österreich kann seinen Eigenbedarf an Strom fast zu 100% decken, exportiert sogar in die Schweiz. Atomstrom kommt vor allem in österreichische Speicherkraftwerke und wird nachher wieder zurückexportiert - also eher eine Dienstleistung als eine Abhängigkeit.

    einklappen einklappen
  • Gurt am 13.03.2011 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Kosten der steuerzahler

    Und der Steuerzahelr darf alles bezahlen, den Aufbau, alles wenn's schief läuft. Dabei könnte jeder selbst Geld sparen duch eigene Stromproduktion und dann noch was dazu verdienen. Es gibt schon Leute in der EU, die das machen.

  • Tommy Zürich am 13.03.2011 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich lese hier immer nur von der JETZT Situation

    Also ich sehe hier vor allem nur immer die HEUTE Situation von Atomkraftwerken. Jeder und auch die Atom Lobby ganz bestimmt, kennt die Langzeit Risiken! Es sollte mal darüber Nachgedacht werden, was für eine ungeheure Frechheit es eigentlich ist, auf hunderte von Jahren hinaus, Zukünftigen Generationen, hochgefährliche Atomare Techniküberreste aus Profitgier von heute, zu hinterlassen! Was passiert eigentlich bei Überschwemmungen und Erdbeben, mit Endlagern usw.???