Verteidigung plädiert

24. Mai 2011 07:18; Akt: 24.05.2011 09:18 Print

Die Stunde des «Quälgeistes»

Er ist der Verteidiger von Jörg Kachelmann und der absolute Star der deutschen Anwaltsgilde: Johann Schwenn. Nach seinen bisherigen Attacken wächst die Spannung vor dem heutigen Plädoyer.

Thomas Franz, Vertreter der Nebenklage, und Jörg Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn nehmen Stellung zum Antrag der Staatsanwaltschaft.
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Nichts, aber gar nichts Gutes hat Johann Schwenn dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft am vergangenen Mittwoch abgewinnen können. Gewohnt rüde nannte er die vierstündige Würdigung der Anklage «niveaulos». Er ging gar so weit, dass er ankündigte, «wohl gar nicht auf das Plädoyer der Staatsanwaltschaft einzugehen». Bereits während den Ausführungen von Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge lachte der unbestrittene Star unter den Anwälten in Deutschland spöttisch vor sich hin. Schüttelte hier mal den Kopf, verwarf da die Hände und stürmte zwischendurch auch mal erbost zum Richterpult.

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Johann Schwenn hat im Vergewaltigungsprozess inzwischen wohl seinem Mandanten die Show gestohlen. Der Hamburger zerpflückte die Staatsanwaltschaft und deren Prozess, schon bevor er überhaupt in die Verhandlungen involviert war. In einer Kolumne für das Polit-Magazin «Cicero» schrieb er, die bisherige Arbeit der Staatsanwaltschaft sei ein «dilettantisches Herumermitteln» gewesen und habe nur einen Effekt gehabt – «die Vernichtung der Reputation» von Kachelmann. Schwenn machte keinen Hehl daraus, was er über Vergewaltigungsprozesse hält: «Wer mit der Zeit geht, hält den sexuellen Missbrauch für die Pest unserer Tage.»

Schwenn kam und der Wind drehte sich für Kachelmann

Den aggressiven und konfrontativen Stil behielt der Verteidiger auch im Gericht bei: Er kritisierte die Richter, liess die Staatsanwälte als Zeugen einvernehmen, schimpfte auf Journalisten und teilweise selbst auf Zuschauer im Saal. Schwenn wurde damit seinem Ruf gerecht, den er sich bei der Verteidigung von Stars wie Jan Ulrich, Gregor Gysi, Marion Gräfin Dönhoff oder auch RAF-Mitglied Peter-Jürgen Boock erarbeitete. «Er ficht nicht für eine Ideologie. Seine Freude an der Weltverbesserung bleibt deutlich hinter seiner Lust am Duell zurück, am Hauen und Stechen, am Kräftemessen, am Sport, am Sieg», schrieb Sabine Rückert in der «Zeit» über Schwenn und adelte ihn zu einem der «Quälgeister der Justiz».

In seinem mehrstündigen Plädoyer wird Schwenn nun damit fortfahren, womit er am ersten Prozesstag als Vertreter von Kachelmann begann: Er wird die Glaubwürdigkeit des mutmasslichen Opfers Sabine W. untergraben und Zweifel an ihrer Version von der Tat des Wettermoderators säen. Diese Strategie fruchtete öffentlich bereits. Der Wind hat sich jedenfalls nach dem Anwaltswechsel für Jörg Kachelmann gedreht: Glaubte anfangs kaum jemand an seine Unschuld, wuchsen mit jedem Prozesstag mit Schwenn die Zweifel an der Schuld.

Der Notfallplan steht auch schon

Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft hat er bereits seziert: Das Messer – im Plädoyer ein wichtiges Indiz – weist zu wenige Spuren auf, daran gibt es keine Zweifel. Selbst wenn es abgewischt wurde, wie der Staatsanwalt interpretierte, hätten Spuren gefunden werden müssen – zumindest vom Abwischen. Das Verhalten von Kachelmann am Telefon mit einer anderen Geliebten nach der mutmasslichen Vergewaltigung tat das Gericht bereits als nicht relevant ab. Egal, wie «komisch» und «verwirrt» er damals gemäss zweier Aussagen wirkte.

Nicht zuletzt die Gutachten der Rechtsmediziner und Aussagepsychologen wird Schwenn anders würdigen als der Staatsanwalt. Dieser betonte, dass keines der Gutachten ausschliessen könne, dass Sabine W. die mutmassliche Tatnacht so erlebte, wie sie sie beschrieb. Allerdings gibt es auch keinen Anhaltspunkt, dass es nicht erfunden sein könnte, wie die Gutachter betonen. Auf diesen Punkt wird Schwenn wohl seinen Finger halten, nicht zuletzt weil er die Arbeit von Hans-Ludwig Kröber kennt. Der wohl angesehenste forensisch-psychiatrische Gutachter Deutschlands hat Sabine W. untersucht. Nach seiner Auffassung hat sie keine posttraumatische Störung erlitten, was die Lücken in den Schilderungen des mutmasslichen Opfers erklärt hätte. Schwenn wird sich diesen Steilpass kaum nehmen lassen, vor allem weil er mit Hilfe von einem Gutachten von Kröber bereits zwei mutmassliche Vergewaltiger freigeboxt hat.

Letztlich haben die Verteidiger von Jörg Kachelmann mit ihrem Plädoyer nur ein Ziel: Zweifel wecken. Bleibt dem Gericht nach den Ausführungen am Mittwoch auch nur die leiseste Unschlüssigkeit, heisst es: Im Zweifel für den Angeklagten. Und selbst bei einer Verurteilung ist das letzte Wort nicht gefallen: Johann Schwenn ist Spezialist für Revisionsverfahren. Kachelmann hat also vorgesorgt – so oder so.

(amc)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steven E am 24.05.2011 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bulls....

    Er ist unschuldig! Jeder mit ein bisschen Gehirn weiss, wie "bösse" eine, sich hintergangene, Frau fühlt! Und das einfachste was eine solche Frau machen kan ist:" Hilfe er hat mich Vergewaltigt"

  • Fizzi am 24.05.2011 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Dann wollen wir doch

    mal sehen was raus kommt. Bis jetzt hat er nur mit Gemotze und skurilen Aktionen geglänzt. Aber jetzt ist Substanz gefragt. Bei den Medien mag das funktionieren, aber nicht bei den Richtern.

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  • Dichter Nebel am 24.05.2011 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Und Kachelmann schweigt

    Schon mal Gedanken darüber gemacht, warum der Mann, der nie auf den Mund gefallen war und uns mit seinen Blumenkohlwolken und Showeinlagen bezaubert hat, zu seiner eigenen Zukunft und jüngeren Vergangenheit schweigt wie ein Grab? "Ich bin unschuldig!", das war alles. Tschüss.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dichter Nebel am 24.05.2011 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Und Kachelmann schweigt

    Schon mal Gedanken darüber gemacht, warum der Mann, der nie auf den Mund gefallen war und uns mit seinen Blumenkohlwolken und Showeinlagen bezaubert hat, zu seiner eigenen Zukunft und jüngeren Vergangenheit schweigt wie ein Grab? "Ich bin unschuldig!", das war alles. Tschüss.

  • Bechyna , Frank Georg am 24.05.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Freispruch !

    Es hat in 9 Monaten keinen einzige Beweis gegeben , dass Herr Kachelmann die Tat begangen haben könnte . -- Er ist daher freizusprechen .

  • Steven E am 24.05.2011 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bulls....

    Er ist unschuldig! Jeder mit ein bisschen Gehirn weiss, wie "bösse" eine, sich hintergangene, Frau fühlt! Und das einfachste was eine solche Frau machen kan ist:" Hilfe er hat mich Vergewaltigt"

  • Fizzi am 24.05.2011 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Dann wollen wir doch

    mal sehen was raus kommt. Bis jetzt hat er nur mit Gemotze und skurilen Aktionen geglänzt. Aber jetzt ist Substanz gefragt. Bei den Medien mag das funktionieren, aber nicht bei den Richtern.

    • Fritz am 24.05.2011 10:52 Report Diesen Beitrag melden

      Urteil?

      kannst du sicher gut beurteilen, warst ja schliesslich im Gericht! Oder etwa nicht....???

    • Matze am 24.05.2011 13:16 Report Diesen Beitrag melden

      Substanz? In der Anklage nicht vorhanden

      @Fizzi: Bei diesem Gericht ist keine Substanz gefragt, sonst wäre der Ausgang bereits sonnenklar. Sieht man sich nur die Herren Staatsanwälte an, dann liegt die einzige Substanz in ihren Vorurteilen und ihrer Erwartungshaltung und in der einseitigen Beweisaufnahme, welche daraus resulierte. Der gesamte Prozess ist ein Witz, aber nicht wegen Schwenn!

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