Kachelmann vor Gericht

31. Mai 2011 07:13; Akt: 31.05.2011 08:57 Print

«Freispruch – ohne darauf zu wetten»

von Antonio Fumagalli, Mannheim - Heute um 9 Uhr fällt das Urteil im Kachelmann-Prozess. Prozessbeobachterin Gisela Friedrichsen glaubt an einen Freispruch. Es könne aber auch alles anders kommen.

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Wird er heute freigesprochen? Wettermoderator Jörg Kachelmann. (Bild: Keystone)

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Genau zwei Menschen wissen, was sich in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 zwischen der Radiojournalistin Sabine W. und dem Wettermoderator Jörg Kachelmann zugetragen hat – die beiden Beteiligten selbst. In 43 Verhandlungstagen wurden Dutzende Zeugen verhört, unzählige Akten gesichtet und nicht weniger als zehn Gutachter beigezogen – eindeutige Beweise gibt es bis heute nicht. Die Staatsanwaltschaft fordert wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten, die Verteidigung plädiert auf Freispruch. Das Richtergremium des Landgerichts Mannheim wird ab 9 Uhr sein Urteil fällen.

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Gisela Friedrichsen, Spiegel-Gerichtskorrespondentin und intime Vertraute des Kachelmann-Prozesses, blickt nochmals auf eine der aufsehenerregendsten Gerichtsverhandlungen der letzten Jahre zurück und wagt im Interview mit 20 Minuten Online einen Ausblick.

Frau Friedrichsen, wird Herr Kachelmann heute freigesprochen?
Ich kann es schlicht nicht abschätzen. Einerseits hat die Kammer – im Gegensatz zu anderen Fällen – nicht erkennen lassen, in welche Richtung sie tendiert. Andererseits war die Öffentlichkeit von den Verhandlungen grösstenteils ausgeschlossen. Dies macht die Prognose für Aussenstehende schwierig. Persönlich gehe ich von einem Freispruch aus, eine Wette würde ich aber nicht eingehen wollen.

Auf welche Punkte wird sich das Richtergremium abstützen?
Da dem Gericht nach bisherigem Wissensstand keine Spuren vorliegen, die Kachelmann definitiv überführen, wird der Eindruck, den Sabine W. vor Gericht abgegeben hat, eine wichtige Rolle spielen. Doch diese Aussagen fanden eben unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Müsste man also die Rolle der Öffentlichkeit an Gerichtsverhandlungen neu definieren?
Ganz klar. Immer mehr Anwälte von mutmasslichen Opfern verlangen gleich zu Beginn der Verhandlung, dass sie hinter geschlossenen Türen erfolgt. Dies macht die Medienarbeit aus dem Gericht unglaublich schwierig. Auf welche Fakten soll ich mich denn abstützen? Dies hat dann natürlich zur Folge, dass die wildesten Spekulationen, die jeglicher Grundlage entbehren, genährt werden – was sicher nicht im Sinn der Prozessbeteiligten ist.

Zurück zum Fall Kachelmann. Welche Rolle spielte der überraschende Verteidigungs-Wechsel vom vergangenen Dezember?
Eine viel kleinere als gemeinhin angenommen. Es stimmt zwar in der Tat, dass Kachelmanns Chancen auf einen Freispruch ab dem Winter gestiegen sind. Dies aber, weil ihn die Gutachten, welche noch vom früheren Verteidiger Birkenstock in Auftrag gegeben wurden, entlasteten. Kommt es zum Freispruch, wird der neue Verteidiger Schwenn die Lorbeeren davontragen, die ihm nur bedingt gehören.

Wie das Urteil auch immer ausfällt. Wird man Herrn Kachelmann wieder am Bildschirm sehen?
Das halte ich für ausgeschlossen, zumindest nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Sein Ruf ist komplett ruiniert. Die Öffentlichkeit hat viel zu viel über die Privatperson Kachelmann erfahren.

Wie steht es um Sabine W.?
Auch sie ist erledigt, selbst wenn sie Recht bekommen sollte. Vor einiger Zeit sagte sie mal, dass sie nie Anzeige erstattet hätte, wenn sie geahnt hätte, was für eine Lawine über sie hereinbrechen wird.

Es gibt also nur Verlierer in diesem Prozess?

Das kann man so sagen. Fast alle Beteiligten – von der Staatsanwaltschaft über die Richter bis hin zu den Medien – haben ein jämmerliches Bild abgegeben, das eines rechtsstaatlichen Gerichtsverfahrens eigentlich unwürdig ist.

Sie verfolgen den Prozess nun seit neun Monaten. Sind Sie froh, dass er heute zumindest ein vorläufiges Ende findet?
Und wie. Ich habe kein bisschen Lust mehr, weitere Details aus Herrn Kachelmanns Intimleben zu erfahren. Endlich wird dann wieder über anderes gesprochen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Beobachter am 31.05.2011 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Freispruch!

    Der Kachelfrosch wurde um 09:09 frei gesprochen!

  • Tes Flitz am 31.05.2011 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    kommt wohl frei

    Es wird wohl lauten: im Zweifel für den Angeklagten. Sehr schön erwähnt im Artikel: alle sind Verlierer bei dieser Geschichte.

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  • Ein Beobachter am 31.05.2011 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Freispruch!

    Der Kachelfrosch wurde um 09:09 frei gesprochen!

  • Tes Flitz am 31.05.2011 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    kommt wohl frei

    Es wird wohl lauten: im Zweifel für den Angeklagten. Sehr schön erwähnt im Artikel: alle sind Verlierer bei dieser Geschichte.