Verteidiger Schwenn

31. Mai 2011 12:44; Akt: 31.05.2011 13:04 Print

Staranwalt attackiert die Richter

von A. Fumagalli, Mannheim - Sein Mandant wurde freigesprochen, doch Kachelmanns Anwalt zog nach dem Urteil in äusserster Schärfe über die Richter her. Beobachter sehen das Urteil sachlicher.

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Über hundert wollen am 31. Mai 2011 an die Urteilsverkündung im Kachelmann-Prozess. Die ersten stehen schon seit 5 Uhr morgens an. Vor dem Landgericht Mannheim bildet sich eine lange Schlange. Dann kommt Jörg Kachelmann im Wagen seiner Pflichtverteidigerin Andrea Combe beim Gerichtsgebäude an. Das Auto wird sofort Natürlich erscheint auch Kachelmanns zur Urteilsverkündung. Die Richter hatten zuvor seinen Stil scharf kritisiert. betritt Jörg Kachelmann den Saal des Landgerichts Mannheim. Der Angeklagte und sein Anwaltsduo: Kachelmann mit Der Prozess gegen den Wetterexperten ist ein riesiges Medienereignis. Auf dem Bild: «Emma»-Herausgeberin und «Bild»-Kolumnistin Auch die Werner Mägerle, Lars-Torben Oltrogge und Oberstaatsanwalt Oskar Gattner (v.l.) sind zugegen. Ruhe im Saal! Der Vorsitzende Richter Michael Seidling verkündet das Urteil des fünfköpfigen Gremiums. Es lautet: Freispruch wegen begründeter Zweifel. Äusserlich gefasst reagiert Jörg Kachelmann auf den Im Saal jedoch bricht Jubel aus. die ihren Ex-Freund vor Gericht gebracht hatte, verliert die Fassung und bricht in Tränen aus. (Bild: Die Radiomoderatorin am Prozesstag vom 24. Mai 2011) Blickt Kachelmann nun in Er wird auf jeden Fall ab sofort wieder bei Meteomedia Gruppe als Wetterfrosch arbeiten. Nach dem Urteil verlässt er das Gerichtsgebäude auf dem Rücksitz des Wagens seiner Pflichtverteidigerin Andrea Combe. Oder wenigstens einen Blick auf den berühmten Freigesprochenen werfen. Kachelmanns Pflichtverteidigerin Andrea Combe steuert den Wagen mit Kachelmann durch die Menschenmenge. Da Kachelmann offenbar nicht mit der Presse reden will, müssen sich die Journalisten mit den Nebendarstellern begnügen. «Herr Kachelmann wurde aufs Schäbigste behandelt.» «Unser Justizsystem gibt dem mutmasslichen Täter Vorteile.» Nach 44 Verhandlungstagen und fast neun Monaten ist der Prozess vorbei. zwischen Jörg Kachelmann und seiner damaligen Freundlich Sabine W., werden wir wohl nie erfahren.

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Er galt schon vor dem Prozess als Staranwalt. Nach dem Freispruch für Jörg Kachelmann sind die Aktien von Verteidiger Johann Schwenn noch einmal in die Höhe geschnellt. Doch zum Jubeln war dem Hamburger nach dem Urteil nicht zumute. «Mit dem Freispruch muss man zufrieden sein», sagte er vor dem Gerichtsgebäude in Mannheim, ehe er zu seiner Richterschelte ansetzte: «Was man danach gehört hat, war von einer Erbärmlichkeit, die ihresgleichen sucht in einem Gerichtshof.»

Schwenn polterte, umringt von einer Heerschar von Medienschaffenden, das Gericht hätte «den Angeklagten zu gerne verurteilt». Sie habe aber gesehen, dass sie beim Bundesgerichtshof nicht durchkäme. «Herr Kachelmann wurde aufs Schäbigste behandelt», schloss der Hamburger seinen Frontalangriff gegen die Mannheimer Richter.

Schwenn ärgerte sich insbesondere über die Angriffe, die der Vorsitzende Richter Michael Seidling während der Urteilsbegründung gegen ihn führte. Schwenn habe die ganze Zeit versucht, den Anwesenden «wie Kleinkinder auf die Finger zu klopfen», erklärte Seidling. Insbesondere der Stil des Staranwalts war dem Richter ein Dorn im Auge. Mit einem klaren Seitenhieb gegen Schwenn dankte Richter Seidling dann Kachelmanns Pflichtverteidigerin Andrea Combe für deren «sachliches Plädoyer». Schwenn quittierte dies so, wie bei den Angriffen zuvor: Mit einem hämischen Lachen und Kopfschütteln.

«Schieflage zugunsten der Angeklagten»

Alice Schwarzer, Frauenrechtlerin der ersten Stunde und Gerichtsreporterin für die «Bild-Zeitung», teilte das vernichtende Urteil des Richtergremiums. Die Verteidigung sei «rabiat und völlig unangebracht» gewesen. Sie übte aber auch grundsätzliche Kritik am juristischen Umgang mit Vergewaltigungsfällen: «Unser Justizsystem gibt dem mutmasslichen Täter Vorteile. An dieser Schieflage zugunsten der Angeklagten muss unbedingt gearbeitet werden», so Schwarzer.

Weitere Prozessbeobachterinnen sehen das Urteil neutraler: «Ich habe grossen Respekt vor dem Gericht. Es hat in ehrlicher Weise erkenntlich gemacht, dass es bei der Urteilsfindung an seine Grenzen gestossen ist», sagt Gisela Friedrichsen, Gerichtsreporterin beim «Spiegel». Der Kachelmann-Freispruch könne gar Signalwirkung haben: «Frauen, die einen Mann der Vergewaltigung bezichtigen, werden daraus lehren, dass sie die Tatsachen nicht noch künstlich ausschmücken sollten.»

(Mitarbeit: Marius Egger)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • icky am 31.05.2011 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes oder schlechtes Urteil?

    Diese Kachelmann-Groupies freuen sich über seine Entlastung...meiner Meinung nach darf man sich über das Urteil als aussenstehender weder freuen noch traurig darüber sein(ausser Kachelmann, das Opfer und enge verbündete),denn niemand weiss,was wirklich geschehen ist.hat er es getan, ist es traurig, hat er es nicht getan ist das Urteil toll. Für eine Person Partei zu nehmen ist aber falsch.

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  • Dr. Werner. Stuntz am 31.05.2011 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Aufstieg und Fall des Jörg K.

    Humorvoll, charmant, so kannten ihn die Zuschauer und so gelang ihm auch der Durchbruch zu einem der beliebtesten Moderatoren der deutschen TV-Geschichte...Heute sehen wir einen gebrochenen, schweigsamen Mann. Jörg K. hat Ruf und Ehre verloren, nicht zuletzt weil Personen wie Alice Schwarzer sich in die Medienschlacht an fordester Front einmischten, ihn als kaltblütigen Vergewaltiger und Herzensbrecher brandmarkten, obwohl zu diesem Zeitpunkt immer noch die Unschuldsvermutung galt. Jörg K. hatte eigentlich nie eine faire Chance, der Freispruch verkommt da fast schon zur Nebensache...

  • Roger B. am 31.05.2011 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Sieg der Gerechtigkeit !

    Es gibt noch Gerechtigkeit ! BRAVO !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pesche am 02.06.2011 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Justiz hat definitiv geschlampt

    Mit der heutigen Technik lässt sich heutzutage fast alles aufklären. Bei der KTU können Schnittstellen am Körper vom Messer rekonstruiert werden. Dann gibts noch DNA-Analysen und sonstige Mittel die den Fall aufdecken können. Kachelmann blieb extrem ruhig. Der wirkt nicht nervös. Die Körpersprache verrät vieles. Und die Medien: die reinste Aufpuscherei (wieder mal typisch)!

    • H. Bakuk am 06.06.2011 04:39 Report Diesen Beitrag melden

      Tatsächlich, K. blieb extrem ruhig

      Nach einer ersten Aussage verweigerte er jede weitere. Hoffen wir, seine Körpersprache wurde vom Gericht ausreichend berücksichtigt.

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  • Colette Greder am 02.06.2011 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Jede(r) kriegt was er/sie verdient!

    Alle haben's gekriegt: die Medien Ihre Auflagen, der Wetterfrosch seine lebenslange Strafe (trotz Freispruch), die langjährige Geliebte (und vermeintliches Opfer) Ihre Rache UND Strafe. Die involvierten Justizler Ihren grossen Auftritt und die noch grösseren Honorare. Sogar Alice Schwarzer konnte wieder gegen die bösen, triebgesteuerten Männer schwadronieren und mancher Mann sich darüber freuen, dass nicht jede Frau mit Ihrer Rache durchkommt. Hauptsache "the show must go on"!

  • Recht? am 02.06.2011 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wer einmal Lügt dem glaubt man nicht

    Kachelmanns Ex hat nachweislich gelogen und damit nicht nur sich selbst sondern auch der Glaubwürdigkeit künftiger Klägerinnen geschadet. Wer zu Recht klagt braucht die Fakten nicht zu manipulieren.

  • Walter_R am 02.06.2011 04:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kachelmann ein Vergewaltiger?

    Ich kenne Jürg Kachelmann und seine Ex-Freundin nicht persönlich und war an dem betreffenden Abend nicht dabei, aber ich denke, aufgrund der Faktenlage war ein Freispruch das einzig richtige und mögliche. Nach Ansicht von solchen Emanzen und Feministinnen wie diese Schwarzer sind ohnehin sämtliche Männer potentielle Vergewaltiger und haben nur Das Eine im Kopf.

  • Dominik Grieder am 02.06.2011 00:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn interessierts?

    Und wäre das ganze einem Unbekannten Mann passiert, hätte es keinen Menschen interessiert. Ausserdem kann bei Aussage-gegen-Aussage wie in solchen Fällen kein Richter und kein Mensch wissen was wirklich war.