Fall Kachelmann

27. Mai 2010 10:00; Akt: 27.05.2010 10:10 Print

Rundmails für 14 «Lausemädchen»

Die Rede war bisher von sechs Frauen, nun sind es bereits 14: Jörg Kachelmann soll eine ganze Liste mit von «einzig wahren Freundinnen» gehabt haben. Alle trugen denselben Spitznamen, das vereinfachte die Kommunikation.

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Nach gut viereinhalb Monaten in U-Haft wird Jörg Kachelmann am 29. Juli 2010 aus der U-Haft entlassen. Mindestens bis zum Prozess im September ist er ein freier Mann. Am 24. März wurde Kachelmann dem Haftrichter in Mannheim vorgeführt. Nach seiner Aussage vor dem Amtsgericht Mannheim wurde der TV-Star in die Justizvollzugsanstalt zurück gebracht. Seither sitzt er in U-Haft. Damals sahen die Richter keinen Grund, den Wettermann auf freien Fuss zu setzen. Kachelmann wird vorgeworfen, seine Freundin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Kachelmann bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Über seinen Anwalt lässt er ausrichten,m sie seien «frei erfunden». Der Wetterfrosch war am Samstag, 20. März 2010, auf dem Flughafen Frankfurt verhaftet worden. Er kam gerade aus Vancouver zurück, wo er für die ARD zusammen mit Marcus Wasmeier, Katharina Witt und Peter Schlickenrieder (v.l.) von den Olympischen Spielen berichtete. Der 51-jährige Wetterfrosch, der sich seine Kenntnisse der Meteorologie autodidaktisch angeeignet hat, präsentierte 1997 in Wallisellen ZH seinen eigenen TV-Wetterkanal. Seine Karriere bei der ARD hatte er 1990 als «Weatherman» beim Radiosender SWF 3 (inzwischen SWR) gestartet. Kachelmann schaffte es in Deutschland bis ins Unterhaltungs-Fernsehen. Im Mai 1998 trat er erstmals als Moderator der Quizsendung «Einer wird gewinnen» auf. Mit Hans-Joachim Kulenkampff hatte er einen berühmten Vorgänger. Kachelmann gilt als wortgewandt - und als einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

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Der Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann könnte unerwartete Ausmasse annehmen: Zu den bisher sechs Frauen, die vom Landgericht Mannheim als Zeuginnen vernommen werden sollen, könnten sich acht weitere gesellen. Nach Informationen der Illustrierten «Bunte» verfügt die Polizei über eine Liste mit den Namen von 14 Frauen: Sie alle glaubten in den vergangenen zwölf Jahren offenbar, die einzig wahre Freundin des Wettermoderators zu sein.

Dass das Kachelmannsche Liebesleben mit den 14 Frauen nicht aus dem Ruder lief, verdankte Kachelmann offenbar einer ausgeklügelten Kommunikation. Wie es in der aktuellen «Bunte» heisst, nannte Jörg Kachelmann alle seine Freundinnen «Lausemädchen». So konnte er Gute-Nacht-Grüsse als Rundmail oder per SMS verschicken. Dennoch flog der Betrug an den Freundinnen auf.

Kachelmann «zerfliesst im Selbstmitleid»

Wie es in den Medien heisst, schlossen sechs Freundinnen einen Pakt gegen Kachelmann und wollten ihn zur Rede stellen. Doch die Konfrontation durch Sabine W. endete gemäss Anklage böse: Kachelmann soll sie mit einem Messer am Hals verletzt und vergewaltigt haben. Trotz der Anklage gegen ihn versucht Kachelmann offenbar Kontakt zu einer Ex-Freundinnen aufzunehmen – per Brief. Nach Angaben der Frau unterhalte er seine Mitgefangenen mit Monologen, gebe Tipps zur Lebenshilfe und zerfliesse in Selbstmitleid, schreibt die «Bunte». Kachelmann bestreitet jegliche Vorwürfe.

(amc)