Kopenhagen

14. Dezember 2009 14:04; Akt: 15.12.2009 15:39 Print

Entwicklungsländer blockieren Klimagipfel

Die Verärgerung der Entwicklungsländer beim UNO-Klimagipfel in Kopenhagen nimmt zu: Die Gespräche wurden vorübergehend unterbrochen, nachdem die Afrikaner ihren Unmut über die Haltung der Industriestaaten erneut deutlich machten.

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Die Entwicklungsländer warfen den Industrieländern vor, das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll aufgeben zu wollen und den gesamten Gipfel zum Scheitern zu bringen. Dagegen wollen die armen Länder am Kyoto-Protokoll festhalten, weil darin die Industrieländer verbindlich zur Reduktion ihrer Treibhausgase aufgefordert werden. Allerdings sind dort die USA nicht eingebunden.

Bei Gesprächen mit Vertretern der armen Länder stelle sie Hoffnungslosigkeit fest, sagte Rosmarie Bär, Delegierte der Schweizer Entwicklungsorganisation Alliance Sud, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Sie fühlten sich nicht ernst genommen. «Der Hunger wird stärker, das Trinkwasser rarer, die Dürren dezimieren die Viehherden.» Die Zukunft sehe düster aus.

Die entwickelten Länder seien verantwortlich für den Klimawandel, stellte Bär weiter fest. Deshalb müssten sie ihre Emissionen rasch und in grossem Mass reduzieren. Vier Tage vor dem Ende der Konferenz sei die Kluft zwischen den armen und reichen Ländern aber eher noch grösser geworden.

Neuer Schwung gesucht

UNO-Klimachef Yvo de Boer zeigte sich dagegen verhalten optimistisch. Er bestritt, dass es eine Blockade der Gespräche gebe und verglich die Verhandlungen mit einer Bergbesteigung. Man sei nun auf halber Höhe. Ironisch fügte er hinzu, nun warte man auf die Seilbahn für den Rest der Reise, der «schnell, reibungslos und entspannend» sein werde.

Die dänische Konferenzpräsidentin Connie Hedegaard nahm nach der rund fünfstündigen Blockade informelle Gespräche mit allen Umweltministern auf, um so neuen Schwung in die Verhandlungen zu bringen. Der Beginn der zweiten Konferenzwoche läutete die Endphase des Gipfels ein. Bislang hatten in der dänischen Hauptstadt Beamte versucht, die Voraussetzungen für ein neues Klimaschutzabkommen zu schaffen. Für die beiden letzten Tage am Ende der Woche werden dann die Staats- und Regierungschefs aus 115 Ländern erwartet.

Engpässe am Tagungsort

Nicht nur die Verhandlungsdelegationen, auch die Organisatoren im Kopenhagener Bella Center hatten am Montag mit Problemen zu kämpfen. So war der Einlass für Neuankömmlinge mehrere Stunden lang blockiert. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt warteten mehrere hundert Konferenzteilnehmer und Journalisten stundenlang, um sich registrieren zu lassen.

Grund für den Engpass war der enorme Andrang zur Konferenz. Mehr als 45 000 Teilnehmer haben sich für den Gipfel registriert. Das gut 77 000 Quadratmeter grosse Messegelände fasst aber nur 15 000 Menschen. Zahlreiche Interessierte reisten zudem an, obwohl ihre Anmeldung abgelehnt worden war.

(ap)