Studie der Uni Bern

02. November 2010 22:21; Akt: 02.11.2010 23:19 Print

CO2 könnte unter der Schweiz gelagert werden

Gesteinsschichten tief unter dem Schweizer Mittelland eignen sich dafür, das Treibhausgas CO2 zu konservieren. Die Speichertechnik steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.

storybild

Gesteinsschichten unter dem Schweizer Mittelland würden sich gut eignen, um CO2 zu lagern. (Bild: Keystone/Martin Meissner)

Fehler gesehen?

Die vom Mensch freigesetzten Treibhausgase führen dazu, dass sich die Erde erwärmt. Wissenschaftler sind sich weitestgehend einig, dass in den nächsten Jahrzehnten der Gehalt von Kohlendioxid (CO2) in der Luft im Zaum gehalten werden muss, um eine zu Starke Klimaerwärmung zu vermeiden.

Eine rasche Verringerung des CO2-Ausstosses ist aber politisch schwierig umzusetzen. Eine Alternative dazu ist die Idee, das CO2 gleich bei der Produktion abzufangen und unterirdisch zu speichern. Unter optimalen Bedingungen könnte das Treibhausgas so für tausende von Jahren von der Atmosphäre ferngehalten werden.

Riesiges Potenzial

Im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE) haben nun Forscher um Larryn Diamond vom Institut für Geologie der Universität Bern untersucht, welche Gesteinsschichten in der Schweiz sich für eine solche CO2-Lagerung eignen würden. Sie zogen dazu über 150 Fachartikel über den Untergrund von Alpen, Mittelland und Jura heran.

Dabei zeigte sich, dass geeignete Gebiete vor allem im Mittelland liegen, wie die Universität Bern am Dienstag mitteilte. Besonders in Sandstein- und Kalkschichten in einer Tiefe von 800 bis 2500 Metern Tiefe, deren Poren mit Salzwasser gefüllt sind, könnte das Treibhausgas sicher aufbewahrt werden.

Insgesamt könnten theoretisch unter einer Fläche von 5000 Quadratkilometern von Freiburg über Olten bis nach Luzern bis zu 2680 Millionen Tonnen CO2 eingelagert werden. Zum Vergleich: Der CO2- Ausstoss der Schweiz betrug in den letzten Jahren jeweils ungefähr 45 Millionen Tonnen.

Erst der Anfang

Aus rein geologischer Perspektive seien diese Resultate ermutigend, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Allerdings warnen sie vor überzogenen Erwartungen: Das hohe Potenzial biete keine Garantie für die tatsächliche Machbarkeit der Speicherung. Wolle die Schweiz diese Option weiterverfolgen, brauche es Risikoabschätzungen und Tests zu Überwachungstechniken.

Die Studie diene als Diskussionsgrundlage, ob die Speichertechnik in der Schweiz überhaupt zum Einsatz kommen solle, wird Larryn Diamond in der Mitteilung zitiert. Falls ja, gelte es auch nicht- geologische Kriterien zu beachten: Laut dem Forscher wäre es etwa sinnvoll, Lagerstätten in der Nähe von Industriestandorten zu errichten.

Die Speichertechnik ist umstritten: Klimaschützer befürchten zum Teil, Energiesparmassnahmen könnten dadurch hinausgezögert werden. Auch für das Bundesamt für Umwelt ist die Speicherung nicht die alleinige Lösung, wie die Uni Bern schreibt. Die neue Technik könnte aber dazu dienen, eine kritische Phase beim Umbau der Energiesysteme in den kommenden Jahrzehnten zu überbrücken.

(sda)