Ins Netz gegangen

29. September 2011 18:11; Akt: 29.09.2011 20:39 Print

Gaddafi-Sprecher in Frauenkleidern verhaftet

Den Rebellen in Libyen ist wohl wieder ein dicker Fisch ins Netz gegangen. Mussa Ibrahim wurde in Misrata verhaftet. Derweil gibt es Erfolgsmeldungen aus der umkämpften Stadt Sirte.

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Mussa Ibrahim ist in den Händen der Rebellen. (Bild: Keystone)

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Die Truppen der libyschen Übergangsregierung haben den Flughafen der Gaddafi-Hochburg Sirte erobert. Das meldete am Donnerstag ein Reuters-Reporter aus dem Geburtsort des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi.

Seit einer Woche versuchten die Kämpfer der neuen Regierung, Sirte einzunehmen. Sie waren aber mit zwei Grossangriffen gescheitert. Scharfschützen und Artilleristen des gestürzten Machthabers hielten sie auf Abstand.

Am Dienstag meldeten die Truppen dann erste Erfolge und nahmen den Ostteil der Stadt ein. Sirte gilt neben Bani Walid als letzte Bastion der Anhänger Gaddafis.

Tausende fliehen in die Wüste

Die Schlacht um Sirte hat zahlreiche Menschen in die Flucht getrieben, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Donnerstag in einer Mitteilung schrieb. Tausende Bewohner der Stadt seien in die Wüste oder in Nachbardörfer geflohen. Ihre Lage sei prekär: es fehle an Trinkwasser, Nahrung und Medizin; Infektionskrankheiten breiteten sich aus.

Flüchtlinge hätten berichtet, dass in Sirte die Strom- und Wasserversorgung meist unterbrochen sei und Lebensmittel knapp würden. Zudem werde in den Spitälern Sirtes das medizinische Material immer knapper, wurde der IKRK-Delegationsleiter in Tripolis, Georges Comninos, zitiert.

Das IKRK und der libysche Rote Halbmond seien derzeit dabei, Wasser, Hygienekits und auch Nahrungsmittel an die Geflohenen zu verteilen. UNO-Organisationen lieferten zudem nach eigenen Angaben Trinkwasser und evakuierten Verletzte. Wegen der Kämpfe könnten derzeit keine Helfer nach Sirte gelangen, erklärte die UNO.

Gaddafi-Sprecher verhaftet

In Sirte wurde angeblich Gaddafis ehemaliger Regierungssprecher Mussa Ibrahim festgenommen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Der Fernsehsender der Aufständischen von Misrata meldete, Ibrahim sei in der Nacht gefasst worden, als er versucht habe, zusammen mit einer Gruppe von Zivilisten die Stadt zu verlassen.

Ibrahim habe Frauenkleider getragen und sei verschleiert gewesen. Der Sender kündigte an, er wolle demnächst Bilder von der Gefangennahme zeigen.

Die Truppen der neuen Machthaber hatten bereits Mitte September fälschlich berichtet, Ibahim sei bei einem Angriff östlich von Tripolis getötet worden. Ibrahim meldete sich später mit einer Botschaft an die letzten Anhänger von Gaddafi, denen er versicherte, der «Bruder Führer» sei bei bester Gesundheit.

Al-Saadi international gesucht

Interpol schrieb am Donnerstag einen der Söhne Gaddafis, Al- Saadi, zur weltweiten Fahndung aus. Die im französischen Lyon ansässige internationale Polizeibehörde gab eine entsprechende Mitteilung an ihre 188 Mitgliedsländer heraus, wie mehrere Nachrichtenagenturen berichteten.

Al-Saadi soll wegen mutmasslicher Verbrechen während seiner Zeit als Präsident des libyschen Fussballverbandes festgenommen werden. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, sich unter Androhung von Gewalt bereichert zu haben. Al-Saadi wird im Niger vermutet.

Anfang des Monats hatte Interpol bereits Muammar al-Gaddafi, dessen ältesten Sohn Saif al-Islam und Geheimdienstchef Abdullah al- Senussi zur Fahndung ausgeschrieben.

Interpol reagierte auf ein Ersuchen des Internationalen Strafgerichtshofs, der Ende Juni Haftbefehle gegen die drei wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen hatte. Der 69-jährige Gaddafi ist seit Wochen untergetaucht, meldet sich aber regelmässig mit Tonnachrichten zu Wort.


Moussa Ibrahim zum Fall Iman al-Obeidi: «Die Anklägerin ist zur Angeklagten geworden.» Die Nachrichten des britischen Senders «Sky» am 29. März 2011. Quelle: YouTube


Moussa Ibrahim bei «Channel 4»: «Bewaffnete Gangs» greifen Gaddafi an. Quelle: YouTube


Moussa Ibrahim Mitte April in der BBC-Sendung «Hardtalk»: Die Al-Kaida-Rebellen in Misrata «terorrisieren die Leute, vergewaltigen Frauen und Kinder, brennen Gebäude ab - und unsere Armee versucht, die Stadt zu befreien. [...] Die Leute von Misrata helfen uns, ihre eigene Stadt zu befreien.» Quelle: YouTube


«Ich habe euch gewarnt»: In den vergangenen elf Stunden sei die Zahl der Todesopfer in Tripolis von 376 auf 1300 angestiegen, behauptet Moussa Ibrahim am 22. August (11.15 Uhr Ortszeit). Nach wie vor spricht er von «bewaffneten Gangs», die Vendetta üben wollten. Quelle: YouTube

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Egon am 29.09.2011 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erwischt

    Das sind ganz komische Typen, tragen Frauenkleider und lassen sich damit auch noch erwischen...

    einklappen einklappen
  • David Pressler am 29.09.2011 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Fraglich...

    Die normalerweise gut informierte BBC hat zur Stunde (23h00) noch nichts darüber berichtet. Es besteht daher Grund, an eine Informations-Ente zu glauben.

  • Thomas am 29.09.2011 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten...

    Es gab schon genug Verhaftungen ohne Beweise und am Schluss war's nur blabla

Die neusten Leser-Kommentare

  • Danny am 30.09.2011 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenkleider

    In Frauenkleidern? Verschleiert? Burka/Niqab? Ein Grund mehr die Vollverhüllung von menschen in der Schweiz abzulehnen.

  • Der Märchenonkel am 30.09.2011 02:28 Report Diesen Beitrag melden

    ...und wenn sie nicht gestorben sind

    Diese Lügengeschichten glaubt doch kein Mensch mehr.

  • David Pressler am 29.09.2011 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Fraglich...

    Die normalerweise gut informierte BBC hat zur Stunde (23h00) noch nichts darüber berichtet. Es besteht daher Grund, an eine Informations-Ente zu glauben.

  • Transe Oli am 29.09.2011 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moussa

    Jetzt halt mal: Moussa war lediglich Regierungssprecher so wie der frühere Informationsminister Ali im Irak. Es ist schwer vorstellbar, dass das Informationsministerium in irgendwelche Verbrechen involviert ist, daher wurde Ali seinerzeit auch nie festgenommen, geschweige denn gegen ihn eine Anklage erhoben; er lebt heute unbescholten in den VAE. Auch Moussa darf nicht vorverurteilt werden, bevor ihm etwas bewiesen wurde. Und wenn jemand beschuldigt wird, weil er als Mann gerne Frauenkleider trägt, ist dies eine Diskriminierung, die auch bei uns nicht geduldet würde. Auf der Welt gibt es weiss Gott grössere andere Probleme als Transvestiten zu verfolgen.

  • Thomas am 29.09.2011 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten...

    Es gab schon genug Verhaftungen ohne Beweise und am Schluss war's nur blabla