Presse zum Minarett-Verbot

30. November 2009 06:10; Akt: 30.11.2009 09:23 Print

«Diffuse Ängste» und «dunkle Seiten»

Das Ja zu einem Minarett-Verbot führen Schweizer Zeitungen auf die Angst vor der Islamisierung und die Unzufriedenheit der Schweizer mit der Ausländerpolitik zurück. Sie fordern zudem Grundsatzdebatten zum Religionsfrieden und zur Willensnation Schweiz.

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Das als «politische Sensation» bezeichnete Abstimmungsergebnis vom Sonntag sei «eine Schmach für Bundesrat und Parlament» sowie eine «bittere Lektion für die Initiativgegner», kritisiert die Schweizer Presse am Montag. Sie hätten die Stimmung in der Bevölkerung komplett falsch eingeschätzt und sich im Abstimmungskampf zu wenig eingesetzt.

Es herrsche eine «diffuse Angst» vor dem Islam, schreibt etwa die «Südostschweiz». «Den Initianten ist es gelungen, die dunklen Seiten des Islams ins Scheinwerferlicht zu rücken.» Zudem sei der Einwanderungsdruck sehr hoch. Immer mehr Schweizer fühlten sich unwohl im eigenen Land.

«Trotziges Ja»

Die «Aargauer Zeitung» geht in ihrem Kommentar mit den Gegnern der Initiative hart ins Gericht; diese hätten «die Sprengkraft der Initiative unterschätzt». Die Gegner hätten sich ungenügend engagiert - vor allem die Wirtschaft, die sonst Millionen investiert, hat «das Feld den SVP-Plakaten überlassen».

Mit ihrem «trotzigen Ja» hätten die Befürworter politisch zum Ausdruck gebracht, dass in der Ausländerpolitik «Toleranz nicht zum Laissez-faire verkommen darf», schreibt die Neue Luzerner Zeitung (NLZ). «Wer in der Schweiz leben will, soll sich konsequent an die Gesetze und Sitten in diesem christlich geprägten Land halten.»

Der «Quotidien jurassien» ist der Ansicht, dass die Mehrheit der Stimmbürger an der Urne «ihrer Wut im Bauch» Ausdruck gegeben haben. Es herrsche eine Angst um den Rechtsstaat angesichts der Vermischung der Kulturen, die durch die Globalisierung immer grösser werde.

Willensnation in Frage gestellt

Der Zürcher «Tages-Anzeiger» sieht in dem Ja einen «herben Rückschlag für den Religionsfrieden». Zudem zeige das Abstimmungsergebnis, dass die Willensnation Schweiz durch einen tiefen Graben zweigeteilt sei: Einem Graben zwischen einer modernen und weltoffenen Vision der Schweiz sowie einer traditionellen und nationalistischen Vision.

Die Willensnation Schweiz muss sich neu definieren, fordert auch die «Südostschweiz»: «Vorurteile und ein romantisches Selbstbild sind stärker als die Realität.» Insofern sei der «Rückschritt» vom Sonntag vielleicht notwendig gewesen.

Muslime gefordert

Gefordert seien jetzt aber auch die in der Schweiz mehrheitlich gut integrierten Muslime, fordern die Kommentatoren. Die Muslime müssten ihr Imageproblem mit einer verstärkten Öffnung angehen, meint der Berner «Bund».

Noch weiter geht die «Thurgauer Zeitung»: «Muslime müssen sich stärker anpassen», fordert die Kommentatorin. Wichtig sei aber auch, dass die Schweizer ihre eigenen Werte wieder selbstbewusster lebten. «Denn eine selbstbewusste Kultur hat weniger Probleme im Umgang mit dem Fremden.»

Der «Blick» schaut in seinem Kommentar mit Spannung auf die bevorstehenden Debatten über den Islam entgegen: «Besonders spannend wird sein, wie sich die gestern siegreiche Koalition dabei verhalten wird. Die Evangelikalen etwa, deren in 'Stunden' gepredigtes Weltbild genauso wenig aufgeklärt ist wie das SVP-Frauenbild emanzipiert.» Und weiter: Das Ja zur Initiative sei eigentlich ein «Nein, das 'dem Islam' als Synonym für Terror und Unterdrückung gilt». Denn, so der Kommentator, die Initianten hätten es in den vergangenen Wochen verstanden, die Diskussion über das Baurechtliche der Vorlage auszuweiten. Die Gegner hingegen hätten «töricht argumentiert».

Die «Basler Zeitung» bezeichnet das Ja als «Entscheid des Bauches». Entschieden habe die Furcht davor, dass die eigene, christlich geprägte Kultur zurückgedrängt werde. Der Kommentator sieht das Problem auch bei der Linken. Diese habe jahrelang versucht, «die multinationale Gesellschaft als kulturelle Bereicherung ohne Risiken und Nebenwirkungen darzustellen» - und habe sich damit immer mehr von der Wahrnehmung der Mehrheit entfernt.


Auswirkungen unklar

Das Ja zum Minarett-Verbot könnte aussenpolitische Folgen mit sich bringen, warnen einige Kommentatoren. Der Bundesrat müsse deshalb kühlen Kopf bewahren und die Anliegen der Schweiz selbstbewusst vertreten, fordert die «Neue Zürcher Zeitung». «Die vom Stimmvolk zum Ausdruck gebrachte Verunsicherung darf nicht zu Reaktionen führen, die den humanitären und volkswirtschaftlichen Prioritäten der Schweiz zuwiderlaufen.»

Der «Tages-Anzeiger» befürchtet, dass das Verbot die Schweiz weiter isolieren wird, da «weder die EU noch die USA die Kultusfreiheit einer Religion derart einschränken». Und die NLZ fügt an, dass der Entscheid international viel Aufregung provoziert: «Unsere Diplomaten werden viel zu tun haben.»

(kub/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David Neuhaus am 06.12.2009 00:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Islam?

    Ist den noch wirklich niemand darauf gekommen, dass eigentlich nicht gegen den Islam oder Minarete gestimmt wurde sondern gegen unsere Regierung? Denke die Mehrheit der Leute haben es langsam satt, dass den Minderheiten immer mehr Rechte eingeräumt und mehr Beachtung geschenkt wird als der Mehrheit der Bevölkerung.

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  • Eddy Keller am 16.12.2009 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Islam und Barbaren

    Wieviel mal haben die im namen des Islams die letzten 1000 Jhr. Europa überfallen?? Heute wird einfach unter dem Decknamen EU, Religionsfreiheit und Menschenrechte dieser Kontinent überfallen!

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  • Ray am 30.11.2009 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind Frei zu entscheiden

    In diesem Land besteht die Freiheit, dass Land zu verlassen. Niemand ist gezwungen hier zu Leben !!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Eddy Keller am 16.12.2009 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Islam und Barbaren

    Wieviel mal haben die im namen des Islams die letzten 1000 Jhr. Europa überfallen?? Heute wird einfach unter dem Decknamen EU, Religionsfreiheit und Menschenrechte dieser Kontinent überfallen!

    • Deutscher Muslim am 25.12.2009 11:56 Report Diesen Beitrag melden

      Islam und Barbaren meine Antwort

      Ich weiss nicht genau in welchen Geschichtsbüchern Sie etwas von Muslimen gelesen haben die Europa überfallen haben. Es waren keine Muslime die im Zuge der Kreuzzüge und der Kolonialisierung mehr als 50000000 Menschen ermordet haben und ausgebeutete Länder zurück liessen. Es waren keine Muslime die 1. und auch 2. Weltkrieg angezettelt haben. Es waren ebenfalls keine Muslime die mehr als 6000000 Juden in Konzentrationslager schickten und ermordet haben. Es waren auch keine Muslime die Vietnam überfallen haben. Und es waren keine Muslime die 1.bzw 2. Golfkrieg angezettelt haben.

    • Eddy, Keller am 16.04.2012 18:05 Report Diesen Beitrag melden

      Steht nicht in Koran

      @deutscher Muslim: ich weiss nicht was für Bücher ihnen in der Schule vorgesetzt wurde. Überfall von Muslime in Europa zwischen 642 und 1453. Niederlagen und Vertreibungen ab 1609-14 in Spanienen usw.

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  • "Schweizer" am 08.12.2009 05:29 Report Diesen Beitrag melden

    Islam oder Islam?

    Ich gebe offen zu ich habe bei der Initiative ein "Ja" in die Urne geworfen. Ein umstrittenes Ja weil, ich gerne weiterhin in der "Schweiz" leben möchte. und doch tolerant wäre um alle Religionen zu akzeptieren! Aber das Ja, das ich in die Urne gelegt habe ist aus dem Grund weil ich bedenken habe ob da der "richtige Islam" audgeübt würde?! Was heisst richtig,ja das ist die Frage! Kein Fanatismus und Extremismus!! Im Islam ist Mord und Selbst mord doch auch eine Todsünde? Oder liege ich da falsch? Sekten gibt es in jeder Glaubensrichtung.Ich gehe nie in die Kirche! Mein glaube ist im Herz.

  • David Neuhaus am 06.12.2009 00:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Islam?

    Ist den noch wirklich niemand darauf gekommen, dass eigentlich nicht gegen den Islam oder Minarete gestimmt wurde sondern gegen unsere Regierung? Denke die Mehrheit der Leute haben es langsam satt, dass den Minderheiten immer mehr Rechte eingeräumt und mehr Beachtung geschenkt wird als der Mehrheit der Bevölkerung.

    • Eddy Keller am 05.01.2010 18:46 Report Diesen Beitrag melden

      Abstimmungen

      Ist immer wieder schön was die alles anhand einer Abstimmung sehen. Ich habe ja gestimmt und meinte damit nein zum Islam samt Bauten. Die kommen ja alle in die Schweiz weil Sie zuhause unterdrückt werden. Im übrigen, wenn in den Urlaub gehe lauf ich auch nicht einer Sennenkutte herum. Es heisst immer das Volk hat abgstimmt, aber der Durchschnitt von 15% Stimmbeteiligung in den letzten 50 Jhr. ist gigantisch.Dabei könnten wir wirklich bestimmen was laufen sollte. Aber wir haben ja laut Statistik welweit am meisten Analphabeten!

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  • Hallo am 05.12.2009 02:32 Report Diesen Beitrag melden

    Die Anpassung und mehr

    Es geht doch gar nicht um die Anpassung denn die Leute fliehen meistens aus ihren Ländern weil sie dazu geneigt werden, entweder durch Krieg oder durch Armut. In ganz Europa gibt es doch die Religionsfreiheit und mit einem verbot von einem Bau von Minetten bricht man dieses Gesetzt welches die Religionsfreiheit erlaubt. Denn Moschen sind ein sehr wichtiger bestand teil des Islams. In Islamischen Ländern ist es den Christen doch erlaubt ihre Religion ohne ängste auszuüben ist den die Schweiz so rückständig das sie Angst aufzeigt weil sie keine willens stärke besitzt und dieses gesetzt einführt.

  • Ibrahim Kosova am 03.12.2009 01:15 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Ich komme aus sud Kosovo in meine stadt leben ca. 0,8 christen und da sind 13 Kirchen mit Turm!!! Wir haben keine problem mit anderem religionen aber Schweizer?!!! wer ist Tolerant? Schweizer?

    • habib jugo am 03.12.2009 15:07 Report Diesen Beitrag melden

      Deutschkurs @ bravo

      0.8 Christen auf 13 Kirchen verteilt? Ja dann muss man sicher nicht anstehen. ;-)

    • Ralf Maier am 03.12.2009 16:41 Report Diesen Beitrag melden

      Christenverfolgung

      Und wieso leben dort nur 0,8 % Christen.....schon mal darüber nachgedacht?

    • Claudia am 05.12.2009 14:14 Report Diesen Beitrag melden

      Benützt eure eigenen Hirnzellen!

      Recht hat er! Ausserdem hat auch der Bundesrat Recht, natürlich muss er sich gegen aussen erklären. Schliesslich wurden hier gerade Rechte untergraben, für die grosse Denker und Macher hunderte von Jahren gekämpft haben. Schon mal von Hobbes usw. gehört? Die SVP hat wieder eine psychologisch gut durchdachte Kampagne (Gehirnwäsche) geführt und dieses mal sind ein bisschen mehr Leute als sonst hereingefallen. Liebe JA-Stimmer, wieso wurde die Initiative in Zürich und Genf denn so klar verworfen? Und ihr, die noch nie ein Minarett gesehen habt stört euch so daran? Absolut unverständlich!

    • "schweizer" am 06.12.2009 19:18 Report Diesen Beitrag melden

      Toleranz?!

      Lieber Herr Kosova, 1. wenn Sie kein Problem haben mit Toleranz und Religionen usw. und so fort. warum bleiben sie bei uns in der Schweiz, wenn wir doch so UNTOLERANT UND RASSISTISCH sind? 2. Mit dieser Initiative werden die Muslimen nicht an der Ausübung Ihrer Religion gehindert! Moscheen dürft Ihr ja erbauen, oder nicht?! Und wenn ich alle diese Länder anschaue wo die Schweiz als rassistisch bezeichnen, in deren Länder herrscht doch UNTOLERANZ! Jedes Land hat seine Bräuche und Religionen. Und darum wenn man in die Schweiz kommt kann man sich doch anpassen, oder nicht?

    • Sidi Bari am 11.12.2009 11:58 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist wohl ein schlechter Witz!

      Die Balkanvölker sind so tolerant, dass sie sich gegenseitig abschlachten. Wenn ich an den Kosovo denke graut mir. Aber die Schweizer sind aufgewacht!

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