Minarett-Initiative

02. Dezember 2009 09:39; Akt: 02.12.2009 12:42 Print

Die meisten würden wieder gleich abstimmen

von Herbert Schraml - 20 Minuten Online wollte wissen, ob die Wähler nach den internationalen Schlagzeilen zur Minarett-Initiative anders entscheiden würden. Das Gegenteil ist der Fall.

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Das internationale Medienecho nach der klaren Annahme der Minarett-Initiative war gross. So dominierten am ersten Tag nach der Abstimmung hauptsächlich empörte Stimmen die Berichterstattung. Hatten es die Schweizer übertrieben? So manch einen dürfte ob der vernichtenden Schlagzeilen das schlechte Gewissen geplagt haben.

Heute würden 69 Prozent mit Ja stimmen

20 Minuten Online wollte es wissen. In einer Umfrage am «Tag danach» gaben denn auch 27 Prozent an, dass sie sich im Moment für die Schweiz schämen. Doch nur 7 Prozent der Teilnehmer bereuen ihre Entscheidung. Auf die Frage, wie sie denn stimmen würden, wenn sie nochmals die Chance dazu hätten, gaben gar 69 Prozent an, gegen den Neubau von Minaretten zu stimmen – im Gegensatz zu 57,5 Prozent am Sonntag. Mitberücksichtigt sind dabei auch jene, die nicht mitgemacht hatten – entweder weil sie nicht durften oder aus sonstigen Gründen.

Doch wieso dieses klare Ergebnis? Sind die Schweizer einfach nur partout gegen Minarette? Nein. 77 Prozent glauben, dass es sich auch um eine Art Protestwahl gehandelt hat, um den Muslimen in der Schweiz «Grenzen aufzuzeigen». Auch die «Gaddafi-Affäre» hatte für ein Viertel einen Einfluss auf ihren Entscheid. Zu behaupten, dass die Initiative ohne die Aktionen des «Wüstensohns» nicht zustande gekommen wäre, wäre jedoch nicht seriös, da nicht nachvollziehbar ist, wie weit die Posse um die Schweizer Geiseln in Libyen die Meinungsbildung der Abstimmenden beeinflusst hat.

Schweizer rechnen nicht mit Anfeindungen

Auch die Befürchtung, dass Schweizer Touristen in muslimischen Ländern in Zukunft mit Anfeindungen zu rechnen haben, war in den letzten Tagen zu hören. Die meisten Umfrageteilnehmer (67 Prozent) glauben jedoch nicht daran. Und auch die Frage, ob die Schweiz wirtschaftliche Einbussen hinnehmen muss oder gar Arbeitsplätze verlieren wird, wird von 76 Prozent mit Nein beantwortet.

Blick in die Zukunft

Dank des klaren Abstimmungs-Ergebnisses plant die SVP bereits den nächsten Schritt: Auf dem Programm stehen ein Burka-Verbot in der Öffentlichkeit und die Schulung von Imamen, die in der Schweiz predigen. Auch hier zeichnet sich bereits ein Ja ab: 68 Prozent sind gegen Schleier, 67 Prozent für die Schulung der muslimischen Vorbeter, um möglichen extremistischen Einflüssen vorbeugen zu können.

Alle Umfrage-Ergebnisse im Detail finden Sie hier.