Brasilien

23. April 2010 08:40; Akt: 23.04.2010 08:44 Print

Pädo-Priester festgenommen

von Tales Azzoni, AP - Die katholische Kirche versinkt auch in Lateinamerika immer tiefer im Skandal. Nun wurde ein 83-jähriger Priester festgenommen, der beim Oralsex gefilmt worden war.

Das brasilianische Fernsehen hatte im März dieses Video ausgestrahlt, auf dem Barbosa gemeinsam mit einem 19-jährigen ehemaligen Messdiener im Bett zu sehen war.
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Auch in Brasilien, dem grössten katholischen Land der Erde, versinkt die Kirche in den Skandal um missbrauchte Kinder. Jüngster Fall ist ein 83-jähriger Pfarrer, der wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch festgenommen wurde. Dem Geistlichen Luiz Marques Barbosa wird vorgeworfen, mehrere Jungen sexuell missbraucht zu haben. Sein jüngstes Opfer soll erst zwölf Jahre alt gewesen sein.

Der Festnahme am späten Sonntagabend ging eine parlamentarische Anhörung voraus, in deren Verlauf 20 Zeugen befragt wurden, die schwere Vorwürfe gegen Barbosa und zwei weitere Priester derselben Erzdiözese erhoben. Der Leiter der Untersuchung, Senator Magno Malta, bezeichnete die Inhaftierung des Geistlichen als Meilenstein im Kampf gegen Kindesmissbrauch in Brasilien. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie Anklage erhebt. Ein Untersuchungsrichter ordnete die sofortige Festnahme des 83-Jährigen wegen Fluchtgefahr an.

Ein Video brachte alles ans Licht

Das brasilianische Fernsehen hatte im März ein Video ausgestrahlt, auf dem Barbosa gemeinsam mit einem 19-jährigen ehemaligen Messdiener im Bett zu sehen war. Der Sender SBT erhielt die Aufnahmen vom Januar 2009 nach eigenen Angaben von einem anonymen Absender und leitete daraufhin Recherchen ein. Auf die Frage von Reportern, ob er jemals Jungen missbraucht habe, antwortete Barbosa, so eine Frage könne er höchstens in einer Beichte beantworten, und beendete das Interview abrupt.

Der Vorgesetzte der drei beschuldigten Priester im Erzbistum Penedo, Bischof Valerio Breda, erklärte, das Trio sei vom Dienste suspendiert worden. Die Kirche habe eigene Ermittlungen eingeleitet.

Barbosa behauptet, kein Pädophiler zu sein

Dem zweiten der beschuldigten Priester wurde Immunität gewährt, weil er mit den Behörden zusammenarbeitet. Gegen den dritten Pfarrer laufen ebenfalls Ermittlungen, er ist aber noch auf freiem Fuss und bestreitet die Vorwürfe.

Barbosa habe den Ermittlern gesagt, er sei kein Pädophiler, berichtete ein Sprecher von Senator Malta. Nachdem aber drei ehemalige Ministranten aussagten, der Pfarrer habe sie missbraucht, habe der Geistliche sie um Vergebung gebeten.

Mehrere Fälle in Lateinamerika

In den vergangenen Wochen hat es eine ganze Reihe von Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester in Lateinamerika gegeben. In Uruguay beispielsweise mussten Kirchenvertreter zugeben, einen verdächtigen Ex-Priester gedeckt zu haben. Der Mann war nach Vorwürfen einer Nonne, in Bolivien drei Kinder vergewaltigt zu haben, zu seiner Familie nach Uruguay geflohen. Die Kirche verschwieg gegenüber der Polizei den Aufenthaltsort des seines Priesteramtes enthobenen Mannes.

In Chile wurde ein Priester des Kindesmissbrauchs in acht Fällen angeklagt. Eines der Opfer soll seine Tochter sein.

Skandal um die Legionäre Christi

Sicherlich das meiste internationale Aufsehen hat die von Missbrauchsvorwürfen erschütterte Ordensgemeinschaft Legionäre Christi mit ihrem Gründer Marcial Maciel auf sich gezogen. Der Orden hatte einen überhaus prominenten Bewunderer: den früheren Papst Johannes Paul II. Der mittlerweile verstorbene Ordensgründer soll Seminaristen sexuell missbraucht und ausserdem mindestens ein Kind gezeugt haben.

Vor wenigen Tage wurde eine Vatikan angeordnete Untersuchung der Missbrauchsvorwürfe nach acht Monaten Dauer abgeschlossen. Ergebnisse wurden noch nicht bekannt.

Priester missbraucht seine eigene Kinder

Der mexikanische Ordensgründer war im Jahr 2006 vom Vatikan gemassregelt und angewiesen, sich aus dem pastoralen Dienst zurückzuziehen und ein «Leben des Gebets und der Busse» zu führen. Er starb 2008 im Alter von 87 Jahren. Nach seinem Tod wurde bekannt, dass er Vater einer Tochter ist. Später meldete sich eine Mexikanerin zu Wort, die sagte, sie habe eine langjährige Beziehung mit Maciel geführt, aus der zwei Söhne hervorgegangen seien. Ein dritter Junge sei von ihm adoptiert worden. Maciel habe zwei seiner Kinder missbraucht.

Papst Benedikt XVI. Benedikt war am Sonntag bei einem Besuch in Malta mit Männern zusammengetroffen, die nach eigenen Angaben als Kinder in den 80er und 90er Jahren von katholischen Priestern in einem Waisenhaus missbraucht wurden. Benedikt äusserte bei dem nicht-öffentlichen Treffen seine Scham und sein Bedauern über das Leid, das den Männern zugefügt wurde, wie später der Vatikan mitteilte. Er versprach den Opfern, die Kirche werde alles in ihrer Macht stehende tun, um den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und junge Leute in Zukunft zu schützen.