Welle der Gewalt in Nahost

15. Mai 2011 17:49; Akt: 15.05.2011 22:32 Print

Blutiger Katastrophen-Tag für Palästinenser

Palästinenser trauern am Tag der Nakba um den Verlust ihrer Heimat vor 63 Jahren. Oft blieb es an diesem Tag ruhig. Doch heuer wurden mehrere Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen.

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Am Tag der Nakba (Katastrophe) wurde der Staat Israel gegründet -Hunderttausende Araber flohen oder wurden vertrieben. Oft blieb es am 15. Mai ruhig - an diesem Sonntag war alles anders: Offenbar mehr als 20 Palästinenser wurden an Israels Grenzen getötet.

Erstmals seit Jahrzehnten durchbrachen am Sonntag Tausende Zivilisten von Syrien aus die streng bewachte Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen, wie die israelische Armee mitteilte.

Die Armee erschoss dabei laut Medienberichten mehrere Menschen. Israel übergab am frühen Abend zehn Leichen an die syrischen Behörden. Laut dem israelischen Rundfunk handelte es sich um die sterblichen Überreste von palästinensischen Demonstranten.

Tote an Grenze zum Libanon

Auch an der Grenze zum Libanon wurden offenbar zehn Palästinenser von israelischen Soldaten getötet und bis zu 70 weitere verletzt. Tausende Palästinenser aus libanesischen Flüchtlingslagern waren an die israelische Grenze bei Marun al-Ras geströmt.

Sie forderten ein Ende der Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel und das Rückkehrrecht für geflohene und vertriebene Palästinenser und ihre Nachfahren.

Die neue Welle der Gewalt begann am Sonntagmorgen, als ein arabischer Lastwagenfahrer in Tel Aviv einen Israeli tötete und 17 weitere verletzte. Die Polizei ermittelte, ob der 22-Jährige sein Fahrzeug in einem Wohnviertel im Süden der Stadt gezielt auf Passanten und Autos lenkte.

70 Verletzte im Gazastreifen

Im Gazastreifen durchbrachen palästinensische Demonstranten am Sonntag Absperrungen der dort herrschenden Hamas und drangen bis zu dem israelischen Erez-Kontrollpunkt vor.

Bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten wurden nach Angaben von Sanitätern knapp 70 Menschen verletzt. Die meisten von ihnen hätten Schusswunden erlitten, hiess es. Etwa 15 seien von Granatsplittern getroffen worden.

Auch an einigen Militärsperren im Westjordanland und in Ost- Jerusalem kam es zu Krawallen. Am Kalandia-Grenzübergang bei Ramallah warfen palästinensische Demonstranten Steine auf Soldaten, diese setzten Tränengas und Gummischrot gegen die Menge ein (siehe YouTube-Video unten).

An Ägyptens Grenze zum Gazastreifen blieb es am Sonntag hingegen ruhig. Die Behörden hatten bereits im Vorfeld Kundgebungen am Grenzübergang Rafah oder dessen Überquerung untersagt.

Die zentrale Gedenkveranstaltung der Palästinenserbehörde von Präsident Mahmud Abbas zum Nakba-Tag begann am Mittag in Ramallah. Tausende Menschen marschierten von dem Präsidentenamt zum zentralen Manara-Platz. Die Sirenen heulten im Gedenken an die palästinensischen Flüchtlinge, die vor 63 Jahren ihre Heimat verloren.

Hamas will Israel nicht anerkennen

Ismail Hanija, Führer der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, drückte seine Hoffnung auf ein «Ende des zionistischen Projekts in Palästina» aus. Hanija bekräftigte während einer Ansprache, seine Organisation werde den Staat Israel weiterhin nicht anerkennen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte während der wöchentlichen Kabinettssitzung: «Ich bedaure, dass es unter den israelischen Arabern und unseren Nachbarn Radikale gibt, die den israelischen Unabhängigkeitstag in einen Tag der Kriegshetze und des Zorns verwandeln.»

Netanjahu kündigt Verteidigung der israelischen Grenzen an

Nach einem Grenzzwischenfall an der syrisch-israelischen Grenze hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine unnachgiebige Verteidigung der Landesgrenzen angekündigt. «Wir sind entschlossen, unsere Grenzen und unsere Souveränität zu verteidigen», sagte Netanjahu am Sonntag.

Israels Armee hatte das Westjordanland aus Furcht vor Anschlägen radikaler Palästinenser in der Nacht zum Sonntag abgeriegelt. Israel und die Palästinenserführung hatten bereits am Freitag die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft, um Ausschreitungen zu verhindern.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David 13 am 15.05.2011 23:39 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Danke!!, dass auch mal ein paar 20min. Leser zu Israel stehen. ich bin Schweizer - Gebürtiger Doppelbürger und lebe seit Längerer Zeit in Israel und habe dort auch in einer IDF Eliteneinheit gedient. Ich lese regelmässig 20min und die regelmässig anti Israelische Berichterstatung macht mich fertig!! um so mehr freue ich mich über ein paar positieve Beträge!! "Und was ich schon immer mal sagen wollte, Hamas sind keine Extremisten sondern Teroristen" für das algemeinwissen der 20min. berichterstatter! Müsst ja nur mal auf der Homepage nachschauen was dort "Sache" ist.

  • Arik am 16.05.2011 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Blindheit der westlichen Welt

    Ich verstehe nicht wieso, speziell jetzt nach dem Tod Bin Ladens, den vielen Dokus über Islamisten, die Drohungen jeglicher islamistischen Gruppen, immernoch keiner versteht, dass man mit Extremisten bzw. Islamisten und Terrorgruppen wie z.B. die Hammas NICHT verhandeln kann! Die einzige Sprache die hier funktioniert ist die des Hammers auf den Kopf...Dazu waren die Leute die am 15. Mai über die Grenze rannten 100 BEWAFFNETE Palästinenser, welche Grenzwache würde da das Feuer nicht eröffnen?!

  • Jacky M. am 15.05.2011 23:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man bedenkt...

    worauf das Ganze basiert: Vor 63 Jahren wurde der dort lebenden Bevölkerung Land weggenommen und anderen gegeben (notabene von der UNO, die ja für den Frieden einstehen sollte....). Danach hat der "neue Besitzer" sukzessive weiter Land besetzt.... Irgendwann kann die Weltgemeinschaft nicht mehr wegsehen. Und solange wird das nicht mehr dauern....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Arik am 16.05.2011 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Blindheit der westlichen Welt

    Ich verstehe nicht wieso, speziell jetzt nach dem Tod Bin Ladens, den vielen Dokus über Islamisten, die Drohungen jeglicher islamistischen Gruppen, immernoch keiner versteht, dass man mit Extremisten bzw. Islamisten und Terrorgruppen wie z.B. die Hammas NICHT verhandeln kann! Die einzige Sprache die hier funktioniert ist die des Hammers auf den Kopf...Dazu waren die Leute die am 15. Mai über die Grenze rannten 100 BEWAFFNETE Palästinenser, welche Grenzwache würde da das Feuer nicht eröffnen?!

  • Danny am 16.05.2011 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die feine Art

    Die Juden wurden nicht in ein blühendes Staatsgebilde namens Palästina "gepflanzt" sondern in eine Einöde. Diese brachten erst die fleissigen danzumal bereits Israelis zum "blühen". Erst dann wollten die Plästineser zurück. War ja auch viel schöner. Was sich vor allem die orthodoxen jüdischen Siedler heute erlauben, ist allerdings zimmlich faschistoid (sorry). Einfach mal bewaffnet zum palästinensischen Nachbarn rüber gehen, ihn zu vertreiben um sich selbst anzusiedeln ist nicht die feine Art. Gerade von Juden müsste mehr Zurückaltung an den Tag gelegt werden, weil Sie Vertreibungen ja kennen.

    • Veritas am 17.05.2011 12:28 Report Diesen Beitrag melden

      Mit Verlaub

      Mit Verlaub, Sie haben keine Ahnung. Nicht die Israelis haben das Land "zum blühen" gebracht. Die Israelis haben den fruchtbaren Teil des Landes abbekommen! Ein wesentlicher Unterschied. Sie haben jedoch Recht, indem Sie sagen, dass Israel ein faschistoider Staat ist. Ein Staat der sich ohne Einwilligung und Recht weiter ausbreitet und für diese Ausbreitung Menschen ermordet, kann kein souveräner Staat sein.

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  • Lieber.Gerechtigkeit am 16.05.2011 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ungerechtigkeit

    Man vergisst das nach dem 2Weltkrieg besser Bayern denn Juden hätte abgegeben werden müssen. Was können die Palästinenser dafür das die Europäer die Juden abgeschlachtet haben? Wenn nun argumentiert wird die Juden waren vor Tausenden Jahren schon dort und deshalb ist es Legitim, dann hoffe ich das auch die Amerikaner das Land den Indianern zurückgeben.

  • Hedwig am 16.05.2011 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Farce über Farce

    Der Antisemitismus scheint wieder gesellschaftsfähig geworden zu sein. Während auf der ganzen Welt Moschee um Moschee gebaut wird, Kirchen brennen und das Christentum kritisiert wird, sich die Moslems (gestützt und beschützt von unseren Politikern) auf der ganzen Welt ausbreiten, Prallelgesellschaften bilden, und den freien Völkern ihren totalitären Islam als "DIE" Lebensweise aufzuzwängen versuchen, zeigen unsere Medien und Politiker nach Israel. Aber die Islamiseirung der Welt leugnen sie. Traurig, für wie dumm man uns verkaufen will.

    • Monique am 16.05.2011 20:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Hedwig

      Ja, Hedwig, Sie haben es auf den Punkt gebracht und ähnlich habe ich auch gestern einige Kommentare geschrieben, aber nichts wurde veröffentlicht. Der latente Antisemitismus ist auch bei uns wieder salonfähig, aber wer will schon, dass man ihm den Spiegel vor der Nase hält? Nicht jeder lässt sich für dumm verkaufen, es sind immer mehr, die sich von solchen "Berichterstattungen" nicht beeinflussen lassen.

    • Arik am 16.05.2011 22:29 Report Diesen Beitrag melden

      Antisemitismus scheint Mode zu sein

      Erstaunlich das es auch Menschen gibt, die das sehen! Vielen Dank! Hoffentlich sehen das auch bald Politiker und Medien ein...

    • Kristina Abo Salem am 16.05.2011 22:30 Report Diesen Beitrag melden

      Große Klappe, aber nix dahinter

      Es geht nicht hier nicht um Islam und Judentum. Es geht um Palästina und Israel und um Gerechtigkeit. Nicht alle Palästinenser sind Moslems. Auch die christlichen Palästinenser wurden vertrieben. Israel ist ein rassistischer Staat, aber um das zu merken, seid ihr einfach zu dumm. "Israel ist das von Gott an den Juden versprochene Land." Hahaha... Den Scheiß glaubt ihr, obwohl ihr nicht mal an Gott und an Jesus glaubt. Geht doch mal in ein islamisches Land ( Jordanien, Türkei, Syrien...) und seht, wie die Christen dort leben. Die fühlen sich da so wohl, dass sie gar nicht weg wollen.

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  • ben shmuel am 16.05.2011 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    kritik

    wieso kritisiert hier bitteschön niemand, dass in diesem bericht steht dass 100tausende araber vor 60 jahren von ihrer heimat vertrieben worden sind-ja genau, weil es die wahrheit ist!