Übergang Rafah

26. Mai 2011 11:39; Akt: 26.05.2011 11:40 Print

Die Grenze zum Gazastreifen ist offen

Ägypten will die Blockade des Gazastreifens aufheben und den Grenzübergang Rafah dauerhaft öffnen. Für Ende Juni ist eine neue Hilfsflotte mit Schweizer Beteiligung geplant.

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Der Übergang in Rafah werde ab Samstag täglich von 9 bis 17 Uhr Ortszeit geöffnet sein. Ausnahmen seien der Freitag und andere muslimische Feiertage, meldete die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena am Mittwoch. Palästinensische Frauen sowie Männer unter 18 und über 40 Jahren benötigen demnach kein Visum.

Die Grenzöffnung sei Teil der Bemühungen Kairos, «die innerpalästinensische Spaltung zu beenden und die nationale Versöhnung zu verwirklichen». In Rafah befindet sich der einzige nicht von Israel kontrollierte Grenzübergang in den Gazastreifen. Israel verhängte im Juni 2006 nach der Entführung des Soldaten Gilad Schalit eine Blockade gegen das Gebiet.

Nach der gewaltsamen Machtübernahme der radikalislamischen Hamas im Juni 2007 wurde die Blockade weiter verschärft. Für ihre Versorgung sind die 1,5 Millionen Einwohner des Palästinensergebiets seitdem vorwiegend auf illegale Tunnel unter der Grenze bei Rafah angewiesen, durch die aber auch Waffen in den Gazastreifen geschmuggelt werden.

Weniger Rücksicht auf Israel

Ägypten öffnete in den letzten Jahren den Grenzübergang nur in humanitären Notlagen. Im Februar, wenige Tage nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak, liess Kairo wieder stundenweise die Ein- und Ausreise von Palästinensern zu. Die israelische Regierung wollte sich am Mittwoch nicht zur Grenzöffnung äusseren. Ihre Vertreter hatten wiederholt vor diesem Schritt gewarnt, der eine «ernste Bedrohung» für Israels Sicherheit darstelle.

Doch der regierende Militärrat in Kairo scheint nicht bereit, allzu viel Rücksicht auf die Interessen Israels zu nehmen und sich mehr auf das Schicksal der Palästinenser zu konzentrieren. Dafür steht auch die von Ägypten vermittelte Aussöhnung der verfeindeten Palästinensergruppen Fatah und Hamas, die ohne Rücksprache mit Israel und den USA stattgefunden hatte – zu Mubaraks Zeiten wäre dies nicht möglich gewesen.

Gaza-Hilfsflotte mit Schweizer Schiff

Der Übergang Rafah ist allerdings für den Gütertransport wenig geeignet, da dieser durch die 210 Kilometer breite Sinai-Wüste erfolgen muss. Dies ist insofern von Bedeutung, als Ende Juni ein neuer Hilfskonvoi mit rund zehn Schiffen den Gazastreifen ansteuern soll. Mit von der Partie ist auch ein Schweizer Schiff mit Parlamentariern und Journalisten an Bord.

«Das Schweizer Schiff wird ungefähr in der letzten Juniwoche starten», sagte Anouar Gharbi, Präsident der Genfer Organisation «Droits pour tous», der Nachrichtenagentur SDA am Dienstag. Der Hafen, von dem das Schiff auslaufen soll, stehe fest, werde vorderhand aber nicht publik gemacht. Rund 220 Schweizer Nichtregierungsorganisationen unterstützen das Projekt. Die Nationalräte Joseph Zisyadis (PdA/VD), Carlo Sommaruga (SP/GE) und Jean-Charles Rielle (SP/GE) haben laut Gharbi ihre Präsenz auf dem Schiff zugesagt.

Mankell wieder an Bord

Ein Grossteil der Kosten für das Schweizer Schiff, auf dem rund 40 Personen Platz haben, seien mittlerweile durch Spenden zusammen gekommen. Mit dem Schiff sollen ungefähr 4000 Tonnen Hilfsgüter in den Gaza-Streifen gebracht werden. Auch der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell will den Konvoi erneut begleiten.

Er war einer von elf Schweden, die schon bei der Aktion im vergangenen Jahr dabei war. Die Organisation «Free Gaza» hatte Ende Mai 2010 mit insgesamt sechs Hilfsschiffen versucht, die von Israel verhängte Seeblockade zu durchbrechen. Bei einem Militäreinsatz der israelischen Armee wurden dabei neun türkische Aktivisten getötet.

(pbl/sda/ap)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jacky M. am 26.05.2011 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Na endlich!

    Endlich kümmert sich mal jemand um die Bedürfnisse der Palästinenser! Seit 60 Jahren leben sie unter fremder Herrschaft, ihr Land wird ihnen genommen und ihre Felder zerstört. Sie sind von jeglicher Hilfe seit Jahren abgeschnitten. Ich verstehe, dass Israel nicht möchte, dass jemand sieht, wie es in Gaza aussieht - aber sie können es nicht auf ewig verheimlichen!

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  • G. Müller am 26.05.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Ein mutiger Schritt von Ägypten. Die Blockade durch Israel hatte vermutlich mehr Terroristen gefördert, als unterdrückt.

  • René Linder am 26.05.2011 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Reicht es nicht langsam ?

    Ein hoffen auf fortschritt ist eigentlich durch die Bevölkerung gegeben, doch haben die Hardliner beiderseits nichts aus dem 2ten Weltkrieg gelernt. Die Bevölkerung auf beiden Seiten darf nun dafür Büssen. Wahr der Holocaust nicht genug? Müssen noch weitere Menschen auf beiden seiten nur aufgrund Ihrer Volkszugehörikeit sterben unter übelsten bedienungen? Durch Terror und Krieg? Ich begrüsse den entscheid Ägyptens und hoffe beide Seiten ziehen die richtigen entschlüsse daraus!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Monique am 26.05.2011 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Die"neutrale" Linke der Schweiz,

    die wie alle Linken lassen sich nicht lange die Gelegenheit ergehen, Israel zu provozieren. Man muss ja im Trend bleiben, ausserdem will man der muslimischen Bevölkerung ihre Sympathie deutlich zum Ausdruck bringen Das bringt Wahlstimmen. Aber wie war es nach dem 6-Tage Krieg, als die Israelis, trotz Umzingelung von arabischen Staaten, die damals wie heute, um das Existenzrecht kämpfen mussten u. die Feinde in nur 6 Tagen besiegt hatten? Damals hatte doch die ganze Schweiz, ja die ganze Welt gejubelt. Unsere Linke stellt sich nun willig im Dienste der Hamas - einer Terroristenorganisation.

  • Hanspeter am 26.05.2011 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ägypten wollte Gazastreifen nicht!

    Israel hat Ägypten schon vor langer Zeit den Gazastreifen angeboten - Ägypten hat dankend abgelehnt. Warum wohl?????????

  • Monique am 26.05.2011 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Die "neutralen linken Schweizer"

    die wie alle Linken lassen sich nicht lange die Gelegenheit ergehen, Israel zu provozieren. Man muss ja im Trend bleiben, ausserdem will man der muslimischen Bevölkerung ihre Sympathie deutlich zum Ausdruck bringen Das bringt Wahlstimmen. Aber wie war es nach dem 6-Tage Krieg, als die Israelis, trotz Umzingelung von arabischen Staaten, die damals wie heute, um das Existenzrecht kämpfen mussten u. die Feinde in nur 6 Tagen besiegt hatten? Damals hatte doch die ganze Schweiz, ja die ganze Welt gejubelt. Unsere Linke stellt sich nun willig im Dienste der Hamas - einer Terroristenorganisation.

    • Daniela am 27.05.2011 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Monique

      Wer provoziert hier Israel? Sehen Sie, das meinte ich damit. Hier will niemand im Trend bleiben, nur kann man die Augen vor dem Elend im Gaza-Streifen nicht verschliessen, oder wollen Sie etwa leugnen, dass die Menschen dort in der Hölle leben? Sind die Berichte und Bilder von dort etwa auch nur Propaganda der Hamas und der Linken? Vielen Dank übrigens für Ihre Lesetips, ich empfehle Ihnen auch gerne ein Buch: Gaza von Bettina Marx.

    • hans satt am 27.05.2011 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      schuldfrage

      die hamas sind übrigens dafür verantwortlich, dass es der bevölkerung dort so schlecht geht. denen ist das wohl der menschen egal, warum sonst verschanzen sich die radikalen islamisten in schulen und krankenhäusern?

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  • Fran am 26.05.2011 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Blockade der Hamas

    Es gibt sicherlich einiges an Israel zu kritisieren, aber man muss endlich begreifen, dass Israel Gruppen wie Hamas, welche das Ziel der Vernichtung der Juden hat, nicht anerkennen/tolerieren kann. Darum kontrollieren sie auch die Grenze, damit sie verhindern können, dass Hamas aufgerüstet wird, was meiner Meinung nach völlig legitim ist.

  • Peter Silie am 26.05.2011 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wacht auf!

    Ein denkbar schlechter Vorgang der sich in Aegypten und in vielen anderen arabischen Staaten abspielt. Was in Aegypten an die Macht kommen wird ist islamistisch und gefährlich. Ich drücke Israel die Daumen dass der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen nicht allzu heftig sein wird. Denn die Hamas kennt nur ein Ziel: Die Juden ins Meer treiben. Israel hat all meine Sympathien!

    • Tom Taylor am 26.05.2011 16:06 Report Diesen Beitrag melden

      Schön wäre es...

      Meine Sympathien gelten all den Menschen, die unter der Starrköpfigkeit weniger, aber leider einflussreichen Extremisten leiden. Die Menschen, egal welcher Herkunft, wollen doch lediglich ein Leben in Frieden und Sicherheit. Damit die Gewaltspirale unterbrochen wird, braucht es von allen Seiten Zugeständnisse, die Fähigkeit und die Bereitschaft, die eigenen Interessen zugunsten einer Lösung zurückzustellen.

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