Nahost

20. Mai 2011 13:09; Akt: 20.05.2011 14:28 Print

Netanjahu von Obama enttäuscht

Als realitätsfremd bezeichnet der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Obamas Einschätzung der Nahost-Politik. Heute ist er in Washington eingetroffen.

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Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu ist von den USA enttäuscht. (Bild: Keystone/AP)

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Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich nach Auskunft eines hochrangigen Vertreters enttäuscht von der jüngsten Rede des US-Präsidenten gezeigt. «Washington versteht nicht, mit was wir konfrontiert sind», sagte der Vertreter bezüglich der Rede Barack Obamas zur Nahost-Politik.

Netanjahu sei enttäuscht, dass die Rede nicht auf die palästinensischen Forderungen eingegangen sei, Millionen Palästinenser nach Israel zurückzuführen, bei denen es sich zumeist um Nachkommen jener Menschen handelt, die 1948 bei der Gründung des Staates Israel vertrieben wurden oder geflohen waren.

In Washington eingetroffen

«Man hat das Gefühl, dass Washington die Realität nicht versteht, dass Washington nicht versteht, mit was wir konfrontiert sind», sagte der Vertreter am Freitag vor einem Treffen Netanjahus mit dem US-Präsidenten im Weissen Haus. Die oppositionellen Republikaner warfen Obama vor, die besonderen Beziehungen der USA zu Israel aufs Spiel zu setzen und den jüdischen Staat verteidigungsunfähig zu machen. Netanjahu war am frühen Morgen in Washington eingetroffen.

Arabische Vertreter wie der ägyptische UNO-Botschafter bemängelten trotz ihrer grundsätzlichen Zustimmung, dass Obama keine konkreten Vorschläge für eine Wiederaufnahme der seit Jahren festgefahrenen Friedensgespräche gemacht habe. Er sei enttäuscht, dass Obama keinen formellen Friedensplan vorgelegt habe, sagte Botschafter Maged Abdelasis. «Da hätten wir vom Präsidenten mehr erwartet.»

Positiv sei dagegen, dass Obama eine Lösung in den Grenzen von 1967 vorgeschlagen habe. Diesem Urteil schlossen sich der jordanische Aussenminister Nasser Dschadwdeh sowie die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton an.

Rede Obamas

Obama hatte sich am Donnerstag im Nahost-Konflikt hinter die Forderung der Palästinenser nach einem eigenen Staat auf Grundlage der Grenzen vor dem Sechstagekrieg 1967 gestellt. Israel müsse erkennen, dass es keinen friedlichen Staat basierend auf «dauerhafter Okkupation» haben könne, erklärte Obama in einer Grundsatzrede.

(sda/ap)