Moritz Leuenberger

15. Oktober 2010 16:14; Akt: 15.10.2010 17:11 Print

«Wir sind jetzt nicht live - oder?!»

700 Meter im Berg kommt auch ein Medienminister ins Schwitzen – vor allem wenn ihn das SF im Stich lässt. Zum Glück verstehen die europäischen Minister keine Mundart.

Die Live-Schaltung nach Luxemburg war kniffliger als gedacht.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Hinter ihm lärmte «Sissi», vor ihm quatschte SF-Moderator Gion-Duri Vinzenz ins Mikrofon und mittendrin stand Bundesrat Moritz Leuenberger: Der Medienminister hatte den Sendeplan zwar im Kopf, die Ankündigung der Live-Schaltung nach Luxemburg durch den SF-Moderator brachte ihn aber etwas aus dem Konzept, wie das Video zeigt. «Ich bin noch nicht dran, oder?», sagt der Medienminister, doch das Livebild hat längst nach Luxemburg geschaltet. Aber als ob es nicht genug wäre, dass die Verkehrsminister aus Europa nicht zum Tunneldurchbruch gekommen sind, stellen sie Bundesrat Moritz Leuenberger auch noch aus der Ferne auf die Prüfung: indem sie schweigen.

«Ich höre nichts», sagt Leuenberger im Off, während der Luxemburg-Korrespondent gerade überleiten will. Vollkommen verunsichert schaut der Moderator in Kamera und wartet mit seinem Text zu. «Das ist jetzt nicht live, oder?», fragt Leuenberger im Hintergrund weiter und ruft sich den Sendeplan nochmals in Erinnerung: «Zuerst kommen die Minister in Luxemburg und dann erst ich!»

Mit gequältem Gesichtsausdruck in die Geschichtsbücher

Dann kommt ganz offensichtlich die Regieanweisung an den Mann in Luxemburg, er solle endlich loslegen. Der Wurm ist aber längst drin. Statt der Gratulation des belgischen Ratspräsidenten hören die Zuschauer erst nichts ausser Stille. Das Mikrofon vor Etienne Schouppe hatte sich offenbar kurzzeitig verabschiedet und der Simultanübersetzer schwieg eisern.

Das i-Pünktchen in den historischen Minuten lieferte aber dann Moritz Leuenberger gleich selbst: Mit den Fingern auf den Kopfhörern und einem Gesichtsausdruck der Marke Moritz wurde er nach der Gratulation eingeblendet und zeigte sich den Ministern in Luxemburg alles andere als heldenhaft im Moment des Erfolgs.

Der Noch-Verkehrsminister verbracht einen emotionalen Tag: Der Stellenwert des Durchbruchs für ihn war riesig. Wie sehr ihn der historische Moment berührte, überraschte aber letztlich sogar ihn selbst. «Ich hätte nicht gedacht, dass mir das Augenwasser kommt, wenn ein Berg zusammenstürzt.» Die Gotthardröhre begleitete seine ganze Zeit als Bundesrat: Kurz nach seinem Amtsantritt im Jahre 1995 begannen die Bauarbeiten, kurz vor seinem Abtritt ist der Durchbruch geschafft. Kein Wunder platzten die Gefühle in der Live-Schaltung nach Luxemburg zu den europäischen Ministern aus dem Bunderat heraus: «Liebe Minister, mir sind Tränen gekommen.» Den Durchbruch des Gotthard-Basistunnels bezeichnete Leuenberger entsprechend als seine «grösste Amtshandlung».


Moritz Leuenbergers Grussworte an die EU-Verkehrsminister:

(amc/mlu)