Anschlagsgefahr

09. September 2011 22:28; Akt: 09.09.2011 22:40 Print

Albaner unter Terrorverdacht verhaftet

Auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen wurde ein 27-jähriger Albaner festgenommen. Er soll unter anderem radikalislamische Organisationen in Pakistan mit Geld versorgt haben.

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Vor dem 10. Jahrestag von 9/11 sind viele Menschen in New York nervös wegen möglicher Terroranschläge. (Bild: AFP)

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Wegen der Planung eines Anschlages auf die USA haben die Behörden in New York einen aus Albanien stammenden mutmasslichen Islamisten festgenommen. Der 27-Jährige soll unter anderem auch radikalislamische Organisationen in Pakistan mit Geld versorgt haben.

Dies berichteten die Tageszeitungen «Wall Street Journal» und «New York Times» am Freitag übereinstimmend. Dem Mann drohten 15 Jahre Haft. Der Fall hat nach Angaben der Behörden aber nichts mit den jüngsten Terrorwarnungen in den USA zu tun.

Die Behörden hatten zu scharfen Kontrollen an Brücken und Autobahnen sowie Bahnhöfen und Flughäfen New Yorks geführt. Am Sonntag jährt sich der verheerende Anschlag vom 11. September 2001 das zehnte Mal.

Der Verdächtige war am Dienstag auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen festgenommen worden, als er mit einem Ticket ohne Rückflug nach Istanbul reisen wollte. In seiner Wohnung seien Notizen gefunden worden, dass «jetzt die Zeit der Märtyrer» gekommen sei.

Der Mann lebte seit 2008 legal im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Er soll im vergangenen Jahr mehr als 1000 Dollar zur Unterstützung von Terroristen nach Pakistan geschickt haben. Dabei habe er seinen Kontaktleute mitgeteilt, er wolle «die Mädchen im Paradis ehelichen», hiess es weiter.

Bombenangriff auf Tunnels befürchtet

Die Ermittler untersuchten Hinweise auf einen Plan des Terrornetzwerks Al-Kaida, nach denen Anschläge mit Autobomben auf Brücken oder Tunnel in New York oder Washington verübt werden sollten, verlautete aus Sicherheitskreisen. Es werde nach drei Personen gefahndet, die in die USA einreisen wollten oder dort kürzlich bereits eingetroffen sind. Die Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass Al-Kaida einen Autobombenanschlag auf eine der beiden vor zehn Jahren angegriffenen Städte plane.

Die Alarmstufe für Terrorbedrohungen wurde zunächst nicht erhöht, dies werde aber erwogen, sagten Behördensprecher. US-Präsident Barack Obama ordnete aber eine Verdoppelung der Antiterror-Aktivitäten an, nachdem er am Donnerstag über die Lage informiert worden war.

US-Vizepräsident Joe Biden erklärte am Freitag, es gebe keine Bestätigung für die Einreise eines Attentäters in die Vereinigten Staaten. Zwar sei der Hinweis von einer glaubwürdigen Quelle gekommen, Sicherheit darüber gebe es jedoch nicht. Gleichzeitig sagte er, die US-Behörden fürchteten am meisten einen Einzeltäter und nicht einen komplizierten Terrorplan wie den, der das World Trade Center zum Einsturz gebracht habe.

Plan von Al-Kaida-Führer?

Ein Gewährsmann bei den US-Behörden erklärte, es gebe Hinweise, dass der neue Al-Kaida-Führer Aiman al Sawahiri in den Anschlagsplan verwickelt sei. Viele Geheimdienstmitarbeiter zweifelten jedoch an dieser These und an anderen Angaben der Quelle.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte: «Wir nehmen die Hinweise sehr ernst.» Die Informationen seien glaubwürdig, aber noch nicht bestätigt, sagte Bloomberg weiter. Die Polizei setze zum Schutz der Bevölkerung zusätzliche Kräfte in der Stadt ein. «Wir fordern die Öffentlichkeit am Wochenende zur Wachsamkeit auf», sagte Bloomberg. Er fuhr am Freitag demonstrativ mit der U-Bahn.

«Konkret, aber unbestätigt»

Die Bundespolizei FBI und das Heimatschutzministerium veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie alle Sicherheitsbehörden in den USA aufforderten, den ohnehin schon hohen Grad der Wachsamkeit aufrechtzuerhalten. Die Drohung könne nicht ignoriert werden. «Da ist eine konkrete, aber unbestätigte Information über eine Bedrohung», sagte die Leiterin des New Yorker FBI-Büros, Janice Fedarcic. «Wie immer vor wichtigen Daten wie dem Jahrestag von 9/11 werden wir zweifellos mehr Meldungen (über Bedrohungen) in den nächsten Tagen erhalten.»

Der New Yorker Polizeipräsident Raymond Kelly kündigte den Einsatz von zusätzlichen Bombenspürhunden in der Stadt an. Illegal abgestellte Fahrzeuge würden untersucht und abgeschleppt.

Bei der Tötung des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden im Mai in Pakistan waren Dokumente sichergestellt worden, aus denen hervorgeht, dass das Terrornetzwerk für den zehnten Jahrestag des 11. Septembers Terroranschläge in den USA erwog. Wegen des Jahrestags der Anschläge am kommenden Sonntag sind die Sicherheitsvorkehrungen in den USA bereits erhöht worden.

(ap/afp)