Atomstreit

02. April 2009 17:19; Akt: 02.04.2009 17:27 Print

Nordkorea droht Japan mit Krieg

Allen internationalen Warnungen zum Trotz setzt Nordkorea offenbar die Vorbereitungen für den Test einer Langstreckenrakete fort. Japan wurde für den Fall eines Abschusses schon mal vorsorglich mit einem «gnadenlosen Angriff» gedroht.

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Der Sender CNN zitierte am Mittwoch US-Militärkreise, laut denen das abgeschottete Land mit dem Betanken der Taepodong-2 begonnen hat.

Damit sei der Abschuss der mehrstufigen Rakete binnen drei oder vier Tagen möglich, hiess es. Die Militärs beriefen sich dabei auf neueste Satellitenbilder von der Abschussrampe im Nordosten Nordkoreas.

Nordkorea will nach eigenen Angaben einen Satelliten, der für friedliche Zwecke genutzt wird, in die Umlaufbahn bringen. Pjöngjang kündigte den Start für den Zeitraum zwischen Samstag und kommendem Mittwoch an. Südkorea, Japan und die USA vermuten dahinter jedoch einen Test für die Rakete mit der grössten Reichweite im nordkoreanischen Arsenal.

Nordkorea droht Japan mit Krieg

Als Warnung vor einem möglichen Abschuss der Rakete durch Japan drohte Nordkorea Tokio mit einem «gnadenlosen» Angriff. Nordkoreas Armee werde «tödliche Schläge» gegen «wichtige Ziele» in Japan ausführen, warnten die Militärs. Nach Berichten südkoreanischer Medien brachte Nordkorea zudem ein Geschwader von Kampfjets entlang der Ostküste in Stellung.

Auf Konfrontationskurs blieb Nordkorea auch mit den USA. Im staatlichen Radio drohte Pjöngjang mit dem Abschuss von US- Spionageflugzeugen, sollten diese erneut in den nordkoreanischen Luftraum eindringen.

Japan bringt Armee in Stellung

Die japanische Regierung hatte ihrer Armee einen Abschussbefehl für die nordkoreanische Rakete erteilt, falls diese oder Teile von ihr drohten, auf Japan zu stürzen. Die Armee brachte Kriegsschiffe und Flugabwehrsysteme in Stellung.

Das Verteidigungsministerium in Tokio bekräftigte als Reaktion auf die Drohung, dass die Rakete nur abgeschossen werde, wenn sie das Leben und das Eigentum der japanischen Bevölkerung gefährde. Allerdings drohte die Regierung damit, die wirtschaftlichen Sanktionen zu verschärfen.

USA und Südkorea erhöhen Druck

Auch am G20-Gipfel in London waren die Raketen-Pläne am Rande ein Thema. Die USA und Südkorea erhöhten ihren Druck auf das Regime, indem sie darauf hinarbeiten wollen, dass die Welt geschlossen auf den nordkoreanischen Raketenstart reagiert.

Nach Angaben aus Soeul versuchten US-Präsident Barack Obama und sein südkoreanischer Amtskollege Lee Myung Bak zudem weiter, die Regierung Nordkoreas von einem Raketenstart abzubringen.

Die in Brüssel ansässige Forschungsgruppe International Crisis Group (ICG) warnte unterdessen vor einer «überzogenen» internationalen Reaktion auf einen Raketenstart. Im schlimmsten Fall könnte der Konflikt zu einem Krieg mit verheerenden folgen führen.

Hohes Risiko für Nordkorea

Für das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea ist der Test ein grosses Risiko. Beim bislang einzigen bekannten Startversuch einer Taepodong-2 explodierte die Rakete im Flug. Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedete in der Folge eine Resolution, die Nordkorea nun verletzten würde.

Bei einem erneuten Versagen könnte der Verkauf von Raketen leiden, einer der wenigen erfolgreichen Exporte Nordkoreas. Zudem wäre es eine Demütigung für Staatschef Kim Jong Il. Der 67-Jährige soll einen Schlaganfall erlitten haben, was zur Frage geführt hat, wie weit er noch die Kontrolle hat. Ein erfolgreicher Test würde seine Position stärken.

(sda)