Breiviks Anwalt berichtet

06. August 2011 14:20; Akt: 06.08.2011 15:16 Print

«Er wollte nur wissen, wie viele er getötet hat»

Andres Behring Breivik, der mutmassliche Massenmörder von Norwegen, hegte einen Fluchtplan. Er wollte in einem gestohlenen Flugzeug von der Insel Utøya flüchten.

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Der norwegische Justizminister Knut Storberget trägt sich in einem Kondolenzbuch ein. Viele seiner Mitarbeiter werden seit der Explosion des Justizgebäudes noch immer vermisst. Die Suche nach Vermissten, die auf der Flucht vor dem Attentäter erschossen wurden oder ertrunken sind, wird mit Unterwasserkameras fortgesetzt. Überall in der Stadt erinnern Kerzen und Blumen an die Opfer. Mit einem Blumenmarsch gedenken 150 000 Menschen der Opfer der Anschläge. Sie setzen den Gräueln des Terrors Liebe entgegen. Die Polizei korrigiert die Zahl der Opfer nach unten. Bei der Schiesserei Anders Behring Breivik nach seinem Termin beim Haftrichter. Er plädierte auf gehalten. Sicherheitskräfte vor der , in dem die erste richterliche Anhörung des mutmasslichen Attentäters stattfand. , Königin Sonja, Kronprinz Haakon und Ministerpräsident Stoltenberg (von links) tragen sich in das Kondolenzbuch für die Opfer ein. Ein kleines Schild vor der Kirche im Zentrum von Olso. Norwegens Gesundheitsministerin Anne-Grete Stroem-Eriksen (7. von links) und Sven Mollekleiv, Präsident des Norwegischen Roten Kreuzes (4. von links) gedenken mit der Opfer. Tausende stehen während einer in ganz Norwegen still und gedenken der Opfer. Blumen und Kerzen an das Attentat. Im Hintergrund die kleine Insel Utøya. Polizisten bei auf der Insel Utøya. Tauchroboter suchen im in der Nähe der Insel Utøya nach weiteren Opfern. Die französische Polizei dursucht das von Anders Behring Breivik in Südfrankreich. Französische Polizeibeamten befragen den Vater (Mitte sitzend) des mutmasslichen Attentäters. Nach Medienberichten hatte er jedoch jahrlang zu seinem Sohn. ist nach dem schrecklichen Attentat in Norwegen unendlich gross. Premierminister Jens Stoltenberg, Überlebende der Anschläge und Angehörige feiern einen . Hunderte Menschen haben sich ausserhalb der Kathedrale versammelt. Eine Frau trägt sich auf einer ein. Am Samstag nach der Attacke wehen in Norwegen die Fahnen auf Halbmast. Im Regierungsviertel von Oslo kommt es am Freitag um 15.20 Uhr zu einer gewaltigen Explosion. Die Detonation ereignet sich doch Jens Stoltenberg befindet sich zum Zeitpunkt des Anschlags nicht in seinem Büro. unzählige Fensterscherben bersten, Möbel und Mauerstücke werden durch die Luft geschleudert. Schon bald steht für die Polizei fest, dass es sich um einen Bombenanschlag handelt. Am Tag des Anschlags sterben Wie viele Personen verletzt sind, steht zunächst nicht fest. Nach und nach die Polizei das komplette Viertel. Wie heftig die Detonation war, zeigt dieses das von der Explosion offenbar durch die Luft geschleudert wurde. Ob es sich um das mit Sprengstoff bestückte Fahrzeug handelt, ist unklar. Ein Augenzeuge hält im Video fest, wie Rauchschwaden über dem Regierungsviertel aufsteigen. Die Betroffenen stehen unter begreifen nicht, was sich soeben zugetragen hat. Derweil hat der Täter bereits ein neues Anschlagsziel angesteuert: Ein nahe bei Oslo. Dort gibt sich der Attentäter als Polizist aus und will angeblich Kontrollen durchführen. schiesst wild um sich. Rund eine Stunde lang feuert er auf die Jugendlichen. Erst heisst es, er habe Die Zahl wird am Montag, 25. Juli nach unten auf 68 korrigiert werden. Viele Jugendliche versuchen, Der Schütze stellt ihnen nach und richtet sie gezielt hin. Etliche Jugendliche werden Erst rund eine Stunde nach dem ersten Notruf trifft die auf der Insel ein. Innerhalb kurzer Zeit kann die den Täter stellen und verhaften. Beim Amokläufer handelt es sich um den Er ist norwischer Staatsbürger, Single und betreibt laut bisherigen Polizeiangaben einen Gemüseanbau. In letzter Zeit hat der Verhaftete beschafft. Es wird angenommen, dass er diesen zum Bau von Bomben verwendet hat. (in der Mitte, hier mit einem Arzt des Ullevaal Hospitals) sowie die Polizei haben am 23. Juli noch keine Informationen über die Motive des Amokläufers. Der Festgenommene vertritt gemäss Polizeiangaben Sein einziger und letzter Eintrag auf Twitter: «Eine Person mit Glauben ist gleich stark wie 100 000, die nur Interessen haben.»

Doppelschlag in Norwegen: Bilder der Anschläge und was seither geschah.

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Breivik sagte gegenüber der Polizei aus, wie er sich in den letzten Wochen auf seinen Amoklauf vorbereitet hat. Das berichtet die norwegische Zeitung «VG». Gegenüber den Beamten offenbarte er jetzt seinen Fluchtplan. Dieser sah vor, dass er in einem gestohlenen Flugzeug von der Insel Utøya absetzt. Sein Anwalt, Geir Lippestad, wollte diese Fluchtpläne nicht kommentieren.

Sein Mandant werde noch immer intensiv von der Polizei befragt. Das Hauptinteresse der Polizei sei es, herauszufinden, ob Breivik Komplizen gehabt habe oder nicht. Die Polizei wolle alles über den Bau der Bombe wissen: Wie und wo er die Bauteile beschafft hat und wie er die Bombe gelegt hat. Lippestad selbst weiss nicht, ob Breivik Komplizen hatte. «Aber er gibt sehr detailliert Auskunft darüber, wie er vorgegangen ist», so Lippestad. Unklar ist noch, welche Drogen oder Aufputschmittel der Attentäter zu sich genommen hatte. Laut dem Anwalt handelte es sich um einen ganzen Cocktail an Substanzen.

Die Opfer sind Breivik gleichgültig

Breivik fordert laut Lippestad eine neue Regierung in Norwegen und für Europa. «In seiner Welt hat eine Revolution begonnen und er erwartet, dass es bald einen Krieg in Europa geben wird», so der Rechtsvertreter. Seine Tat bereue er nach wie vor nicht. «Er erwartet zwar, dass die etablierte Gesellschaft ihn verurteilt. Er glaubt aber auch, dass er viele Anhänger hat», sagte Lippestad der Zeitung. Nach seinem mehrhundertseitigen «Manifest» ist Breivik weiter sendungsbewusst. Er arbeitet offenbar an weiteren Verlautbarungen und wünscht, dass diese weiterverbreitet werden. Er bat den Anwalt um Unterstützung bei diesem Vorhaben. «Ich habe ihm gesagt, dass das nicht geht. Das hat er verstanden.»

«Im Allgemeinen kann sagen, dass Breivik in vielen Bereichen eine völlig andere Wahrnehmung der Realität hat», sagte der Anwalt gegenüber der Zeitung. Diese Woche habe er Breivik zwei Mal besucht. «Meine Aufgabe ist es, ihn über seine Rechte aufzuklären und dafür zu sorgen, dass er bekommt, was er wünscht.» Breivik lege viel Wert darauf, gepflegt zu erscheinen. Dem Attentäter ist es langweilig im Gefängnis. Die Ödnis im Knast traf ihn unvorbereitet. «Er hat angefangen, ein Buch über die Geschichte Norwegens zu lesen. Er wünscht sich einen Fernseher, um sich TV-Serien anzugucken», sagte Lippestad.

Der Zustand der Überlebenden seines Amoklaufs interessiert den Attentäter nicht. «Er wollte nur wissen, wie viele er erschossen hat. Mehr nicht.»

(ast)