Massenmord Norwegen

04. August 2011 16:46; Akt: 04.08.2011 17:15 Print

Attentäter hält Informationen zurück

Handelte Anders Breivik als Einzeltäter oder hatte er doch Komplizen? Offenbar hält der Attentäter von Oslo und Utøya Informationen zurück, die ausschliessen, dass er Helfer hatte.

Bildstrecke im Grossformat »
Der norwegische Justizminister Knut Storberget trägt sich in einem Kondolenzbuch ein. Viele seiner Mitarbeiter werden seit der Explosion des Justizgebäudes noch immer vermisst. Die Suche nach Vermissten, die auf der Flucht vor dem Attentäter erschossen wurden oder ertrunken sind, wird mit Unterwasserkameras fortgesetzt. Überall in der Stadt erinnern Kerzen und Blumen an die Opfer. Mit einem Blumenmarsch gedenken 150 000 Menschen der Opfer der Anschläge. Sie setzen den Gräueln des Terrors Liebe entgegen. Die Polizei korrigiert die Zahl der Opfer nach unten. Bei der Schiesserei Anders Behring Breivik nach seinem Termin beim Haftrichter. Er plädierte auf gehalten. Sicherheitskräfte vor der , in dem die erste richterliche Anhörung des mutmasslichen Attentäters stattfand. , Königin Sonja, Kronprinz Haakon und Ministerpräsident Stoltenberg (von links) tragen sich in das Kondolenzbuch für die Opfer ein. Ein kleines Schild vor der Kirche im Zentrum von Olso. Norwegens Gesundheitsministerin Anne-Grete Stroem-Eriksen (7. von links) und Sven Mollekleiv, Präsident des Norwegischen Roten Kreuzes (4. von links) gedenken mit der Opfer. Tausende stehen während einer in ganz Norwegen still und gedenken der Opfer. Blumen und Kerzen an das Attentat. Im Hintergrund die kleine Insel Utøya. Polizisten bei auf der Insel Utøya. Tauchroboter suchen im in der Nähe der Insel Utøya nach weiteren Opfern. Die französische Polizei dursucht das von Anders Behring Breivik in Südfrankreich. Französische Polizeibeamten befragen den Vater (Mitte sitzend) des mutmasslichen Attentäters. Nach Medienberichten hatte er jedoch jahrlang zu seinem Sohn. ist nach dem schrecklichen Attentat in Norwegen unendlich gross. Premierminister Jens Stoltenberg, Überlebende der Anschläge und Angehörige feiern einen . Hunderte Menschen haben sich ausserhalb der Kathedrale versammelt. Eine Frau trägt sich auf einer ein. Am Samstag nach der Attacke wehen in Norwegen die Fahnen auf Halbmast. Im Regierungsviertel von Oslo kommt es am Freitag um 15.20 Uhr zu einer gewaltigen Explosion. Die Detonation ereignet sich doch Jens Stoltenberg befindet sich zum Zeitpunkt des Anschlags nicht in seinem Büro. unzählige Fensterscherben bersten, Möbel und Mauerstücke werden durch die Luft geschleudert. Schon bald steht für die Polizei fest, dass es sich um einen Bombenanschlag handelt. Am Tag des Anschlags sterben Wie viele Personen verletzt sind, steht zunächst nicht fest. Nach und nach die Polizei das komplette Viertel. Wie heftig die Detonation war, zeigt dieses das von der Explosion offenbar durch die Luft geschleudert wurde. Ob es sich um das mit Sprengstoff bestückte Fahrzeug handelt, ist unklar. Ein Augenzeuge hält im Video fest, wie Rauchschwaden über dem Regierungsviertel aufsteigen. Die Betroffenen stehen unter begreifen nicht, was sich soeben zugetragen hat. Derweil hat der Täter bereits ein neues Anschlagsziel angesteuert: Ein nahe bei Oslo. Dort gibt sich der Attentäter als Polizist aus und will angeblich Kontrollen durchführen. schiesst wild um sich. Rund eine Stunde lang feuert er auf die Jugendlichen. Erst heisst es, er habe Die Zahl wird am Montag, 25. Juli nach unten auf 68 korrigiert werden. Viele Jugendliche versuchen, Der Schütze stellt ihnen nach und richtet sie gezielt hin. Etliche Jugendliche werden Erst rund eine Stunde nach dem ersten Notruf trifft die auf der Insel ein. Innerhalb kurzer Zeit kann die den Täter stellen und verhaften. Beim Amokläufer handelt es sich um den Er ist norwischer Staatsbürger, Single und betreibt laut bisherigen Polizeiangaben einen Gemüseanbau. In letzter Zeit hat der Verhaftete beschafft. Es wird angenommen, dass er diesen zum Bau von Bomben verwendet hat. (in der Mitte, hier mit einem Arzt des Ullevaal Hospitals) sowie die Polizei haben am 23. Juli noch keine Informationen über die Motive des Amokläufers. Der Festgenommene vertritt gemäss Polizeiangaben Sein einziger und letzter Eintrag auf Twitter: «Eine Person mit Glauben ist gleich stark wie 100 000, die nur Interessen haben.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Ermittler in Norwegen können nach eigenen Angaben weiterhin nicht mit letzter Sicherheit ausschliessen, dass der Attentäter von Oslo und der Insel Utøya einen Komplizen hatte. «Wir denken noch immer, dass er alleine war, aber wir können das noch nicht abschliessend beurteilen», sagte Staatsanwalt Christian Hatlo am Donnerstag. «Er hält Informationen zurück, und das macht uns Sorgen.» In seinem vor den Anschlägen am 22. Juli veröffentlichten Manifest hat der geständige Täter Anders Behring Breivik erklärt, mit anderen Extremisten in Verbindung gestanden zu haben.

Am Mittwoch sei Breivik erneut zehn Stunden lang verhört worden, sagte Hatlo. Dabei habe er aber keine Fragen zu seinen Reisen in zehn Länder oder zu der Ausrüstung, die er für die Durchführung der Anschläge kaufte, beantwortet. Obwohl der 32-Jährige die Taten, die 77 Menschen das Leben kosteten, offenbar bis ins Kleinste durchgeplant hatte, hatte er eine Sache offenbar vergessen: dass er in Einzelhaft landen könnte. «Er sagte uns, er hat nicht daran gedacht, und dass er hätte daran denken sollen», erklärte Hatlo.

Auf der Beerdigung eines der Opfer des Massakers auf der Insel Utøya bezeichnete die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland den Tag des Anschlags als einen der Dunkelsten in der Geschichte des Landes. Die Politikerin hatte die Insel besucht und nur Stunden vor Beginn des Massakers verlassen. Der Verlust eines jungen Lebens könne niemals einen Sinn ergeben, sagte sie auf der Beerdigung eines 16-jährigen Mädchens in der Stadt Stavanger unter Tränen. Brundtland, die eine linksliberale Regierung führte, wurde auch in dem Manifest des Täters erwähnt.

(ap)