Blogger Fjordman

09. August 2011 23:13; Akt: 09.08.2011 23:50 Print

Das Vorbild des «Psychopathen»

«Fjordman» ist für Anders Breivik der «talentierteste rechte Schreiber in Europa». Jetzt hat sich der Blogger geoutet: Er betreut Behinderte und hat in Kairo Arabisch gelernt.

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Der norwegische Justizminister Knut Storberget trägt sich in einem Kondolenzbuch ein. Viele seiner Mitarbeiter werden seit der Explosion des Justizgebäudes noch immer vermisst. Die Suche nach Vermissten, die auf der Flucht vor dem Attentäter erschossen wurden oder ertrunken sind, wird mit Unterwasserkameras fortgesetzt. Überall in der Stadt erinnern Kerzen und Blumen an die Opfer. Mit einem Blumenmarsch gedenken 150 000 Menschen der Opfer der Anschläge. Sie setzen den Gräueln des Terrors Liebe entgegen. Die Polizei korrigiert die Zahl der Opfer nach unten. Bei der Schiesserei Anders Behring Breivik nach seinem Termin beim Haftrichter. Er plädierte auf gehalten. Sicherheitskräfte vor der , in dem die erste richterliche Anhörung des mutmasslichen Attentäters stattfand. , Königin Sonja, Kronprinz Haakon und Ministerpräsident Stoltenberg (von links) tragen sich in das Kondolenzbuch für die Opfer ein. Ein kleines Schild vor der Kirche im Zentrum von Olso. Norwegens Gesundheitsministerin Anne-Grete Stroem-Eriksen (7. von links) und Sven Mollekleiv, Präsident des Norwegischen Roten Kreuzes (4. von links) gedenken mit der Opfer. Tausende stehen während einer in ganz Norwegen still und gedenken der Opfer. Blumen und Kerzen an das Attentat. Im Hintergrund die kleine Insel Utøya. Polizisten bei auf der Insel Utøya. Tauchroboter suchen im in der Nähe der Insel Utøya nach weiteren Opfern. Die französische Polizei dursucht das von Anders Behring Breivik in Südfrankreich. Französische Polizeibeamten befragen den Vater (Mitte sitzend) des mutmasslichen Attentäters. Nach Medienberichten hatte er jedoch jahrlang zu seinem Sohn. ist nach dem schrecklichen Attentat in Norwegen unendlich gross. Premierminister Jens Stoltenberg, Überlebende der Anschläge und Angehörige feiern einen . Hunderte Menschen haben sich ausserhalb der Kathedrale versammelt. Eine Frau trägt sich auf einer ein. Am Samstag nach der Attacke wehen in Norwegen die Fahnen auf Halbmast. Im Regierungsviertel von Oslo kommt es am Freitag um 15.20 Uhr zu einer gewaltigen Explosion. Die Detonation ereignet sich doch Jens Stoltenberg befindet sich zum Zeitpunkt des Anschlags nicht in seinem Büro. unzählige Fensterscherben bersten, Möbel und Mauerstücke werden durch die Luft geschleudert. Schon bald steht für die Polizei fest, dass es sich um einen Bombenanschlag handelt. Am Tag des Anschlags sterben Wie viele Personen verletzt sind, steht zunächst nicht fest. Nach und nach die Polizei das komplette Viertel. Wie heftig die Detonation war, zeigt dieses das von der Explosion offenbar durch die Luft geschleudert wurde. Ob es sich um das mit Sprengstoff bestückte Fahrzeug handelt, ist unklar. Ein Augenzeuge hält im Video fest, wie Rauchschwaden über dem Regierungsviertel aufsteigen. Die Betroffenen stehen unter begreifen nicht, was sich soeben zugetragen hat. Derweil hat der Täter bereits ein neues Anschlagsziel angesteuert: Ein nahe bei Oslo. Dort gibt sich der Attentäter als Polizist aus und will angeblich Kontrollen durchführen. schiesst wild um sich. Rund eine Stunde lang feuert er auf die Jugendlichen. Erst heisst es, er habe Die Zahl wird am Montag, 25. Juli nach unten auf 68 korrigiert werden. Viele Jugendliche versuchen, Der Schütze stellt ihnen nach und richtet sie gezielt hin. Etliche Jugendliche werden Erst rund eine Stunde nach dem ersten Notruf trifft die auf der Insel ein. Innerhalb kurzer Zeit kann die den Täter stellen und verhaften. Beim Amokläufer handelt es sich um den Er ist norwischer Staatsbürger, Single und betreibt laut bisherigen Polizeiangaben einen Gemüseanbau. In letzter Zeit hat der Verhaftete beschafft. Es wird angenommen, dass er diesen zum Bau von Bomben verwendet hat. (in der Mitte, hier mit einem Arzt des Ullevaal Hospitals) sowie die Polizei haben am 23. Juli noch keine Informationen über die Motive des Amokläufers. Der Festgenommene vertritt gemäss Polizeiangaben Sein einziger und letzter Eintrag auf Twitter: «Eine Person mit Glauben ist gleich stark wie 100 000, die nur Interessen haben.»

Chronologie zu den Attentaten in Norwegen.

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Er ist der «Lieblingsschriftsteller» des Massenmörders: Anders Breivik nennt Fjordman den «talentiertesten rechten Schreiber» des Kontinents und eine Inspiration. 111 Mal wird der Blogger im Pamphlet «2083. A European Declaration of Indepence» zitiert. Hinter dem Pseudonym steckt der Norweger Peder Are Nøstvold Jensen. Der 36-Jährige ist ein Behindertenbetreuer.

Jensens Ansichten sind extrem. Er glaubt an eine politische Verschwörung, die in einer von oben gesteuerten islamischen Ein- und Unterwanderung Europas ausgeht. Um das «Eurabien», eine Mischung aus Europa und Arabien, zu verhindern, müssten Muslime deportiert werden.

«Schreckliche Taten»

Der Pfleger hat an der Universität Oslo erst einen Master am Institut für Kultur und Technologie gemacht, um dann in Bergen und an der amerikanischen Universität in Kairo Arabisch zu lernen. Seine Abschlussarbeit verfasste er über Blogger im Iran. Während seines Aufenthalts in der ägytischen Hauptstadt erlebte er, wie die Menschen dort über die 9/11-Anschläge jubelten. «Einige meiner Nachbarn feierten das Ereignis mit einer spontanen Kuchenparty und fanden grossartig, was gerade passiert war», sagte Peder Jensen der norwegischen Zeitung «Vardens Gang» als Begründung für seine Islamphobie. Ab dem Jahr 2000 tat er seine Meinung in Leserbriefen kund, begann dann aber selbst zu bloggen, nachdem er auf taube Ohren stiess.

Bereits am 4. August hatte die norwegische Polizei Fjordmans Identität herausgefunden und Peder Jensen verhört. «Ich fand, es sein meine Pflicht, der Polizei Auskünfte zu geben. Und ich wollte dieses Interview machen, weil mein Name möglicherweise sowieso publik geworden wäre, was zu Presserummel geführt hätte», erklärte der Blogger «Verdens Gang» (etwa: Lauf der Welt). Breivik sei ein «gewalttätiger Psychopath» und er wolle seinen eigenen Namen nun reinwaschen, denn die Terror-Tat schockiere ihn: «Ich will nicht mit Breivik und seinen schrecklichen Aktionen in Verbindung gebracht werden.»

Breivik langweilig «wie ein Staubsaugervertreter»

Tatsächlich versuchte der Killer 2009 und 2010 sogar, Kontakt zu «Fjordman» aufzunehmen. «Ich weiss nicht, warum er mich treffen wollte, aber ich habe abgelehnt», erinnerte sich Peder Jensen. «Nicht wegen seiner extremen Ansichten, sondern weil er nicht sehr interessant wirkte. Wie ein Staubsaugervertreter.» Er habe seine Familie über sein Outing informiert, wolle das Schreiben nun aufgeben und untertauchen, kündigte der Behindertenpfleger an. Gleichzeitig berichtete er aber auch einem seiner Stamm-Blogs nur einen Tag später von seiner Befragung durch die Polizei: «Obwohl es nicht den kleinsten Hinweis auf eine Gesetzesübertretung gab, wurde ich wie ein Mordverdächtiger behandelt.»

Er habe sich freiwillig gemeldet, nichts verbrochen und habe deshalb nicht kooperieren müssen, betonte Fjordman beleidigt. Im Kreis seiner Gesinnungsgenossen stellt sich der Blogger gar als Opfer dar: «[Der anti-islamische dänische Autor] Lars Hedegaard hat meine Geschichte gehört und bekundet, dass er noch nie von einem Zeugen gehört hat, der in einem westlichen Land so behandelt worden ist – ausser dem Dritten Reich.» Sein Laptop sei beschlagnahmt worden, schreibt der Norweger. Die Zeitung «Vardens Gang» ergänzt jedoch, dass der Computer in einem Schliessfach am Bahnhof und nicht in der Wohnung von Peder Jensen war.

(phi)