Ölpest

17. Juni 2010 07:12; Akt: 17.06.2010 19:56 Print

BP-Chef Hayward tut es «zutiefst leid»

BP-Chef Tony Hayward ist nach eigenen Angaben wegen der Ölpest im Golf von Mexiko «am Boden zerstört».

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BP-Chef Tony Hayward hat bei einer Anhörung vor dem US-Kongress auf die politische Kritik an seinem Konzern reagiert und schwere Versäumnisse gestanden. Eine «beispiellose Serie von Fehlern» habe zu der Ölpest im Golf von Mexiko geführt, sagte er.

Hayward äusserte sich am Donnerstag vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington. Er sagte den Abgeordneten in seinem ersten Auftritt vor dem Kongress sein Bemühen zu, verlorengegangenes Vertrauen in BP wiederherzustellen.

«Am Boden zerstört»

«Ich weiss, dass nur Taten und Ergebnisse, nicht aber reine Worte dies erreichen können», sagte er. «Ich gebe Ihnen mein Versprechen als Chef von BP, dass wir nicht ruhen werden, ehe wir die Aufgabe erledigen.» Er selbst sei «am Boden zerstört» über dieses «schreckliche Ereignis».

Viele Abgeordnete des Energieausschusses, der Hayward vorgeladen hatte, stellten den Konzernchef mit scharfen Kommentaren zur Rede. Der BP-Chef müsse schlimmstenfalls mit einem «goldenen Handschlag daheim in England» rechnen, sagte Sitzungspräsident Bart Stupak.

«Wir in Amerika hingegen müssen mit den schrecklichen Folgen der Missachtung leben, die BP gegenüber Sicherheitsbestimmungen gezeigt hat.» Der Abgeordnete Henry Waxman warf Hayward vor, an der Sicherheit gespart zu haben.

Bitten um Verständnis

Hayward bat um Verständnis dafür, dass die genauen Ursachen der Explosion auf der Förderplattform «Deepwater Horizon» am 20. April und das Versagen der Sicherheitssysteme noch nicht geklärt seien. Es seien noch ausgiebige Untersuchungen des Hergangs nötig.

Hayward gab sich zuversichtlich, dass BP die finanziellen Lasten des Unglücks werde schultern können. Am Mittwoch hatte sich BP auf Druck der US-Regierung bereiterklärt, umgerechnet 22,6 Mrd. Franken in einen Fonds einzuzahlen. Daraus sollen Zerstörungen natürlicher Ressourcen und staatliche sowie regionale Einsätze bezahlt werden.

Die Einzahlung in den Fonds werde dreieinhalb Jahre dauern, kündigte BP in London an. Im dritten Quartal will BP 3 Mrd. überweisen, im vierten Quartal 2 Mrd. und bis Ende 2013 dann vierteljährlich 1,25 Mrd. Dollar. Solange der Zahlungsplan läuft, will BP genauso viel Geld beiseite legen.

Weitere 100 Mio. Dollar will BP für Arbeiter bereitstellen, die wegen des sechsmonatigen Verbots von Tiefseebohrungen den Job verloren haben.

Republikanische Rückendeckung

Oppositionelle Republikaner gaben Hayward Rückendeckung. Der Abgeordnete Joe Barton aus Texas bezeichnete den politischen Druck als «beschämend», mit dem die US-Regierung den Entschädigungsfonds durchgesetzt habe. Er sprach von «Erpressung».

An der Londoner Börse legte die BP-Aktie zeitweise um 10 Prozent zu, nachdem das Papier nach der Katastrophe fast die Hälfte seines Werts verloren hatte. Analysten erklärten den Kurssprung damit, dass der Fonds endlich etwas mehr Klarheit bringe.

Hayward ist seit Beginn der Katastrophe in den USA sozusagen zum «Gesicht der bösen BP» geworden. Zunächst spielte er das Ausmass der Katastrophe herunter und beklagte sich darüber, wie zeitaufwendig der Kampf gegen die Katastrophe sei.

Selbst US-Präsident Barack Obama äusserte seine Wut über Hayward. Er sagte vor kurzem in einem Interview, dass er den BP-Chef schon längst gefeuert hätte - wenn er es könnte.

(sda)