BP-Chef Tony Hayward

17. Juni 2010 23:17; Akt: 18.06.2010 07:18 Print

Vom Saubermann zum Buhmann

Als Tony Hayward Chef von BP wurde, versprach er, den Ölriesen grundlegend umzubauen. Er wollte dem Konzern ein besseres Image verpassen. Erreicht hat er das Gegenteil .

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BP-Chef Tony Hayward. (Bild: Keystone)

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Vertrauen und Sicherheit wollte er wiederherstellen und dem Konzern wieder ein besseres Image verpassen. Nun hat der Brite genau das Gegenteil erreicht.

Nach der Explosion der Ölplattform im Golf von Mexiko ist BP zum Feind Nummer Eins in den USA geworden, und Hayward selbst zum Gesicht der Ölpest. Es kursieren Wetten, wie lange sich der 53- Jährige noch auf dem Chefsessel eines der grössten Unternehmen der Welt halten kann.

Hayward ist eine echte BP-«Unternehmenspflanze» und ist im Gegensatz zu seinem schillernden Vorgänger John Browne sehr bodenständig. Er kam in Slough westlich von London als Ältester von sieben Kindern zu Welt.

Doktor im Alter von 22 Jahren

Später studierte er mit Bravour Geologie in Birmingham und machte schon mit 22 Jahren seinen Doktor in Edinburgh. Statt einer akademischen Laufbahn entschied er sich für BP, wo er 1982 mit technischen Aufgaben anfing. «Im Herzen ein Erforscher» sei er, sagte Hayward einmal. Die Arbeit «offshore» und vor Ort gefiel ihm besser als Büroluft.

Ende der 90er Jahre stieg er zum Chef der Abteilung Förderung und Produktion auf. Lange galt er als Nachfolger Brownes, der 2007 über eine Schwulen-Affäre gestolpert war und Hayward den Weg frei machte.

Als Hayward den Job übernahm, hing BP immer noch das Leck einer Pipeline in Alaska (2006) und die Explosion in einer Raffinerie in Texas (2005) nach, bei der 15 Arbeiter gestorben waren.

Hayward - der verheiratet ist und zwei Kinder hat - wirkt heute nicht mehr bubenhaft und frisch, sondern ausgezehrt. Er weiss, dass seine Karriere davon abhängt, wie er mit dieser Krise umgeht. Von einem Rücktritt will er allerdings nichts wissen. Vor zwei Wochen sagte er, er werde so lange da sein, bis die Krise gelöst sei. Das dauert vermutlich noch länger.

(sda)