Ölpest

12. Juni 2010 09:13; Akt: 12.06.2010 11:02 Print

Obama zieht über Öl-Heuchler her

US-Präsident Barack Obama hat Kritik aus dem Kongress an seiner Reaktion auf die Ölpest mit dem Vorwurf der Doppelmoral gekontert.

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Borschiffe (im Hintergrund) bei der Arbeit fürs Ölleck im Golf von Mexiko (10. Julli 2010). Im Vordergrund eine Ölplattform, die überschüssiges Gas abfackelt. Die neue Auffangglocke während der Tests am 17. Juli 2010. Aufnahme vom 16. Juli. Aufnahme vom 15. Juli. Kurz nach Beginn der Tests mit dem neuen Zylinder meldet der Erdölkonzern BP, dass kein Öl mehr aus dem Leck im Golf von Mexiko austrete. (15.7.2010) Der Testlauf eines zum Ölabsauger umgebauten Riesentankers (A Whale) ist vorerst ergebnislos verlaufen. (5.7.2010) Ein Roboter versucht, einen Behälter über dem Leck in 1500 Meter Tiefe zu platzieren, um ... ... das Öl danach kontrolliert abzuleiten. Das Öl fliesst pausenlos. Bewohner der Gemeinde Grand Isle in Louisiana machen ihrem Unmut über BP Luft. Am 25. Mai fand in Jackson (Mississippi) eine Trauerfeier für die elf Arbeiter statt, die bei der Explosion der «Deepwater Horizon» ums Leben gekommen waren. Von der Transocean-Bohrinsel «Development Driller III» aus wird die Entlastungsbohrung vorgenommen. Zwei Crevetten-Fischerboote ziehen eine Ölsperre. Im Hintergrund wird Öl kontrolliert abgefackelt. Die Nationalgarde Louisianas baut einen Damm, um Teile der flachen Küste vor dem Öl zu schützen. Hier sprudelt das Öl. Dies sind die ersten Aufnahmen des Öllecks. Der Ölteppich breitet sich weiter aus: Am 9. Mai gelangten erste Teerklumpen an die Küste Alabamas. Der Versuch, eines der Bohrlöcher mit einer Stahlbetonglocke zu stopfen, scheiterte. In der riesigen Konstruktion bildeten sich Eiskristalle aus Gas und Wasser, die die Öffnungen verstopfen, durch die das Öl kontrolliert abgepumpt werden sollte. Eine Bohrinsel im ölverschmutzten Wasser. Ölverschmutzung aus der Nähe. Crevetten-Fischerboote schleppen eine Ölsperre aufs Meer hinaus. Die US-Regierung hat aufgrund der Ölverschmutzung ein Fischfangverbot verhängt und die Garnelen-Saison vorzeitig beendet. Noch ist kein Notstand für die Krebstiere ausgebrochen. Viele Fischer sind aber in ihrer Existenz bedroht. Sollte es den Einsatzkräften nicht gelingen, das Öl von der Küste fernzuhalten, dürften die Helfer an der Küste noch mehr Opfer zu beklagen haben. Die Aufnahme des Satelliten Eumetsat vom 29. April zeigt den Ölteppich, wie er auf das Mississippi-Delta zutreibt. Der Ölteppich bedroht das hochsensible Sumpfgebiet im Mississippi-Delta. Sollte das Öl das Sumpfgebiet erreichen, wäre es das Ende des Ökosystems vor Ort. Anders als von Steinküsten können die Ölverschmutzungen nicht so leicht abgetragen und gesäubert werden. Zudem könnten die Wasserarme des Deltas das Öl weiter ins Innere tragen und damit die gesamte Pflanzen- und Tierwelt gefährden. Mit schwimmenden Barrieren versuchen die Rettungskräfte, den Ölteppich aufzuhalten. Durch kontrolliertes Abfackeln versuchen die Behörden, eine noch grössere Katastrophe zu verhindern. Die Methode ist jedoch umstritten. Experten befürchten, dass täglich gegen eine Million Liter Rohöl in den Golf gelangen könnten. Das Öl stammt aus einem Bohrloch unterhalb der gesunkenen Plattform Deepwater Horizon. Die Deepwater Horizon war am 21. April 2010 in Brand geraten. Am 22. April 2010 sank die Plattform. 115 der 126 Arbeiter auf der Plattform konnten in Sicherheit gebracht werden, drei davon schwer verletzt. Elf Menschen kamen ums Leben. Die 121 Meter lange und 78 Meter breite Plattform befand sich rund 70 Kilometer vor Louisianas Küste. Die Ölplattform Deepwater Horizon gehörte dem Schweizer Unternehmen Transocean und war vom britischen Konzern BP geleast. Die Firma verfügt über rund 140 bewegliche Bohranlagen und die grösste Flotte in der Branche. Ursprünglich eine US-Firma, hat das Unternehmen seinen Sitz seit 2008 in Zug.

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«Einige derjenigen, die jetzt 'Unternehmt etwas' brüllen, sind die gleichen Leute, die noch vor zwei oder drei Monaten fanden, dass die Regierung aufhören solle, so viel zu unternehmen», sagte Obama dem US-Politikdienst «Politico».

Hätte er im Kongress vor der Ölpest ein schärferes Vorgehen gegen die Ölkonzerne verlangt, so hätte dies wohl mancher Abgeordnete als klassisches Beispiel von Überregulierung durch eine aufgeblähten Regierung und als Verschwendung von Steuergeldern verdammt, argumentierte Obama.

Dem Präsidenten wurde zuletzt vorgehalten, zu zögerlich auf die Umweltkatastrophe im Golf zu reagieren. Dort strömen nach dem Untergang einer vom britischen Ölmulti BP betriebenen Bohrplattform seit Wochen riesige Mengen Öl aus einem Bohrloch ins Meer.

Für Mittwoch hat Obama sowohl den Chef von BP, Tony Hayward, als auch den Aufsichtsratsvorsitzenden Carl-Henric Svanberg ins Weisse Haus einbestellt.

Keine Dividende

BP will wegen der Ölpest laut Medienberichten vorerst keine Dividende an die Aktionäre mehr zahlen. Damit wolle der Konzern auf den starken Druck aus den USA reagieren, berichteten am Freitagabend in London übereinstimmend die BBC sowie die Internetseite der «Times».

Laut BBC soll die Entscheidung aber erst nach dem Gespräch Svanbergs mit US-Präsident Barack Obama in Washington erfolgen. Dem Bericht der «Times» zufolge soll das eingesparte Dividenden-Geld in einen Sonderfonds fliessen. Diese Regelung solle so lange gelten, bis das wahre Ausmass der Ölkatastrophe absehbar sei.

Hayward hatte zuvor dem «Wall Street Journal» gesagt, sein Konzern erwäge «alle Optionen bezüglich der Dividende». Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Obama hatte in den vergangenen Tagen den Druck auf BP deutlich erhöht. Unter anderem sagte der Präsident über Hayward, er hätte diesen längst gefeuert.

Die BP-Bohrinsel «Deepwater Horizon» war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem fliessen Millionen Liter Öl ins Meer, zahlreiche Küsten in den USA sind bereits verschmutzt.

(sda)