Golf von Mexiko

16. Juli 2010 17:24; Akt: 19.07.2010 12:13 Print

Schweizer Vlies soll Strände vor Öl schützen

von Lukas Mäder - Auch wenn BP das Bohrloch erstmals verschliessen konnte: Das bereits ausgelaufene Öl verschmutzt weiterhin die Strände. Bald könnte ein Schweizer Vlies helfen – erste Test sind erfolgreich.

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Die weissen Strände der amerikanischen Küste des Golfs von Mexiko sind schwarz: Öl aus dem Bohrloch bildet mit dem Sand eine zähe Masse. Helfer versuchen, das Schlimmste zu verhindern. Eine Hoffnung kommt aus der Schweiz: Oilguard, ein Vlies, das Öl aufsaugt und Wasser abstösst. Damit können Strände bedeckt und so vor angespültem Öl geschützt werden.

Die Entwicklung von Oilguard ist auf der Zielgeraden. Seit Wochen testet die Schweizer Firma HeiQ am Golf von Mexiko ihr Vlies, am Orange Beach in Alabama. «Wir stehen kurz vor dem Abschluss der Tests», sagt Barbara Schädler, Sprecherin des Projekts Oilguard. Diese verliefen bisher erfolgreich. «Das Vlies macht auch unter realen Bedingungen, was wir erwartet hatten.»

Bis zur Präsentation des fertigen Produkts in den nächsten Tagen fehlen zwei Komponenten des Gesamtpakets. Noch sind nicht alle Fragen zur Befestigung und zur Entsorgung geklärt. Diese Arbeiten übernimmt zwar nicht Oilguard direkt. «Aber wir wollen potentiellen Nutzern des Vlies sagen können, an wen sie sich mit diesen Fragen wenden können», sagt Schädler. Deshalb sei man nun auf der Suche nach Partnern. Für die Befestigung laufen noch Test in den USA und an der Küste Deutschlands.

Umweltfreundliche Verbrennung

Bei der Entsorgung steht eine Verbrennung im Vordergrund. Denn an den Küsten des Golfs von Mexiko werden drei verschiedene Arten von Öl angeschwemmt: Rohöl, verklumptes Öl und chemisch zersetztes Öl. Das macht eine Extraktion des Öls aus dem Vlies, die grundsätzlich möglich ist, unsinnig. «Es geht darum, die Verbrennung möglichst umweltfreundlich auszugestalten», sagt Schädler.

In den nächsten Tagen will Oilguard, an dem neben der Firma HeiQ aus dem aargauischen Bad Zurzach auch der deutsche Vlies-Hersteller TWE beteiligt ist, über die Tests detaillierter informieren. Über mögliche Interessenten schweigt sich Schädler noch aus: «Sie können ganz sicher sein, dass wir mit allen reden, die am Schutz der Strände beteiligt sind.» Bereits Anfang Juni haben Vertreter der amerikanischen Armee und der US-Botschaft die Firma HeiQ in Bad Zurzach besucht. Weitere Behörden und Organisationen sollen sich für Oilguard interessieren.

Lizenzproduktion in den USA

Tatsächlich ermöglicht Oilguard den Schutz vor allem von Stränden vor dem Öl. Allerdings muss das Vlies regelmässig ausgewechselt werden, bei starker Verschmutzung laut Schädler bereits nach wenigen Stunden. «Die Alternative wäre, den Sand abzutragen», sagt sie. Denn darin versickert ansonsten das Öl. Prognosen, wann Oilguard zum Einsatz kommen wird, kann Schädler noch nicht machen. Doch die beteiligten Firmen sind bereit: «Wir haben eine sofortige Produktionskapazität von 20 000 Quadratmeter pro Tag», sagt Schädler. Diese könnte aber innerhalb von Tagen massiv hochgefahren werden. Dabei müsste das Vlies nicht unbedingt bei TWE in Deutschland produziert werden. Oilguard könnte laut Schädler auch unter Lizenz direkt in den USA hergestellt werden.


Die Anwendung von Oilguard im Labor:

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tanja von Tannen am 18.07.2010 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Die Verschmutzung ist schon passiert

    Da nützen solche "Vlies" auch nicht mehr viel. Das Problem ist, dass wir keine Ahnung von dem Ausmass der Verschmutzung haben, da die Obama Regierung mit ihren Anti-Terror gesetzen den Zugang zu den Stränden untersagt hat. Alle Bilder, welche wir bis anhin gesehen haben sind durch die staatlicher Zensur abgesegnet worden. Traurig aber wahr.

  • jonny am 17.07.2010 00:19 Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Warum brauchen Russland und Deutschland gleich viel Öl? Da scheint mir der Deutsche vebrauch ziemlich enorm..

  • Rudolf Blaser am 16.07.2010 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bärendienst

    Verbrennung der voll gesogenen Matten im Kraftwerk setzt möglicherweise Nanopartikel frei. Diese sind so klein, dass sie von Lebewesen durch die Atmungsorgane nicht herausgefiltert werden können, ins Blut gelangen und Krebs verursachen. Ob Nanotechnologie das kleinere Gefahrenpotential als Asbest darstellt, ist nicht beweisen. Sind die Mitarbeiter von HeiQ und TWE mit Vollschutzanzug geschützt und versichert?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tanja von Tannen am 18.07.2010 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Die Verschmutzung ist schon passiert

    Da nützen solche "Vlies" auch nicht mehr viel. Das Problem ist, dass wir keine Ahnung von dem Ausmass der Verschmutzung haben, da die Obama Regierung mit ihren Anti-Terror gesetzen den Zugang zu den Stränden untersagt hat. Alle Bilder, welche wir bis anhin gesehen haben sind durch die staatlicher Zensur abgesegnet worden. Traurig aber wahr.

  • jonny am 17.07.2010 00:19 Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Warum brauchen Russland und Deutschland gleich viel Öl? Da scheint mir der Deutsche vebrauch ziemlich enorm..

  • Rudolf Blaser am 16.07.2010 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bärendienst

    Verbrennung der voll gesogenen Matten im Kraftwerk setzt möglicherweise Nanopartikel frei. Diese sind so klein, dass sie von Lebewesen durch die Atmungsorgane nicht herausgefiltert werden können, ins Blut gelangen und Krebs verursachen. Ob Nanotechnologie das kleinere Gefahrenpotential als Asbest darstellt, ist nicht beweisen. Sind die Mitarbeiter von HeiQ und TWE mit Vollschutzanzug geschützt und versichert?

  • Ernst Öldorf am 16.07.2010 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    "Schweizerisches Vlies"

    Es ist typisch, dass Produkt als "Schweizer Vlies" anzupreisen, obwohl es in Partnerschaft mit einem deutschen Unternehmen entwickelt und von diesem deutschen Unternehmen produziert wird. Man schmückt sich wieder mit Federn, die einem nicht allein gehören.