Kevin allein im Bastelraum

17. Juni 2010 13:18; Akt: 17.06.2010 13:35 Print

So funktioniert Costners Wundermaschine

von Karin Leuthold - Kevin Costner könnte zum unerwarteten Retter in der Ölpest werden: Die von ihm entwickelte Filtermaschine hat sich bewährt. Nun teilt er Seitenhiebe aus.

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«Sie werden sich sicher fragen, wieso ich hier bin», sagte US-Schauspieler Kevin Costner am 9. Juni bei einer Anhörung vor dem Technologie- und Wissenschafts-Unterausschuss in Washington. Er stehe da, um eine Maschine vorzustellen, die er vor zwölf Jahren zu entwickeln half - mit einem Beitrag aus der eigenen Hosentasche von 20 Millionen Dollar.

Sein Gerät sei eine wichtige Lösung in diesem «gigantischen Puzzle», erklärte er den Experten. Das Prinzip ist simpel: Ein Filtersystem saugt ölverdrecktes Wasser auf. Das verschmutzte Wasser wird in einer Zentrifuge mit hoher Geschwindigkeit geschleudert, das saubere Wasser wird danach ins Meer zurückgeschüttet. Das Öl bleibt zurück. Das grösste Modell im Lager der Costner Industries, die V20, könne bis zu 750 Liter Wasser pro Minute reinigen. Der Erfolg sei garantiert, verspricht «Ocean Therapy Solutions» auf ihrer Webseite: Das gereinigte Wasser sei zu 99 Prozent vom Öl befreit.

Dank Hollywood zur Idee gekommen

Der 55-jährige Costner erzählte, er sei während der Dreharbeiten zum Film «Waterworld» für das Thema Ölkatastrophen sensibilisiert worden. In dem Hollywood-Streifen wird auf den Tankerunfall vor der Küste Alaskas angespielt, als die Exxon Valdez mit 40 000 Tonnen Rohöl am 24. März 1989 auf das Bligh-Riff auflief. Zu jenem Zeitpunkt, so Costner, habe er sich entschieden, etwas zum Umweltschutz beizutragen.

«Heute ist unser Gerät die effizienteste Methode, um Ölteppiche zu reinigen», ergänzte er nach der Präsentation. «Es ist als Schutzvorrichtung gedacht, kompakt und portabel genug, um sogar auf hoher See zu funktionieren.» Dass die Maschine bei den Tests anfänglich Schwierigkeiten mit der hohen Dichte des Öls hatte, räumte er ein. Mit einer kleinen Änderung in den Einstellungen sei das Problem aber rasch behoben worden.

Der mit den Behörden zu kämpfen hatte

Am Schluss seines Vortrags erlaubte sich Kevin Costner allerdings etwas Kritik. Es sehe fast so aus, als wolle er den Experten sein Produkt unterjubeln, meinte er ein wenig verärgert. «Wenn Sie mein Produkt nicht wollen, nehmen Sie eines der Konkurrenz». Er sei schon bei vielen Umweltkongressen auf der ganzen Welt gewesen und habe die neusten Technologien und die spektakulärsten Helikopter gesehen – aber nie eine Maschine, die das Öl vom Wasser trennt.

Der Hollywood-Star liess seiner Frustration freien Lauf: Ölunternehmen und die US-Regierung wüssten seit Jahren von der Existenz seiner Zentrifuge. Keiner habe sich je an der Finanzierung beteiligen wollen. Damals sei das zu teuer gewesen. Es sei nicht nötig, in eine solche Technologie zu investieren, habe man ihm geantwortet. «Die Agenturen haben gewusst, dass es die Maschine gibt und dass sie funktioniert.» Doch er habe bei diesen Leuten immer eine allgemeine Apathie verspürt. Jetzt sei er gespannt, welches Unternehmen das ölverseuchte Wasser im selben grossen Stil reinigen könnte, wie er das nun anbiete.

Jedenfalls – und es wirkt wie eine Ironie der Geschichte – scheint jetzt ein Satz aus seinem Film «Field of Dreams» wahr zu werden: «Build it and they will come» (zu Deutsch: «Baue es und sie werden kommen») – BP hat beim Hollywood-Star 32 Maschinen bestellt, die täglich 23 000 000 Liter verseuchtes Wasser im Golf von Mexiko reinigen sollen.