Modernisierung

26. Januar 2011 11:18; Akt: 26.01.2011 13:18 Print

Basel schreibt Trams für 300 Millionen aus

Die Basler Verkehrs-Betriebe brauchen neue Trams - viele neue Trams. Bis 2025 werden 60 neue Gefährte gekauft. Ende September soll feststehen, wer das Rennen macht.

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Basel braucht 60 neue Trams. Ein lukrativer Deal, für den sich wohl auch Siemens mit dem Combino-Nachfolger Avenio bewerben wird. (Bild: PD)

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Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) stehen vor der grössten Fahrzeugbeschaffung ihrer Geschichte. Ausgeliefert werden soll das Gros der neuen Trams in zwei Losen von 2014 bis 2016 sowie von 2021 bis 2026. Neben 60 festen Bestellungen beinhaltet der Auftrag Optionen für 51 weitere Fahrzeuge. Dies sei die grösste Fahrzeugbeschaffung in der Geschichte der BVB, hiess es am Mittwoch an einer Medienkonferenz zum Start der Ausschreibung.

Ursprünglich wollten die BVB zusammen mit der Baselbieter BLT Trams des Typs «Tango» des Schweizer Herstellers Stadler Rail kaufen. Im Mai 2010 verkündete jedoch der neue BVB- Verwaltungsratspräsident Marin Gudenrath überraschend, dass die BVB im Gegensatz zur BLT keine «Tangos» wollen und ihre Beschaffung neu ausschreiben.

Um die aus fünf verschiedenen Fahrzeugtypen und teils mehr als 40 Jahre alte Tramflotte der BVB modernisieren zu können, haben die BVB die neue Beschaffung nun deutlich vergrössert. Beim «Tango» planten die BVB nur 15 feste Bestellungen sowie fünf Optionen.

Für 60 Trams erhalte man jedoch deutlich mehr Rabatt, sagte Verwaltungsratspräsident Gudenrath vor den Medien. Nach seinen Angaben sollen ältere Fahrzeuge dereinst nur noch als Reservetrams eingesetzt werden.

Zwei Längen

Vorgesehen sind Trams in zwei verschiedenen Längen. Die längeren Züge sollen 40 bis 45 Meter, die kürzeren 30 bis 36 Meter lang sein. Die Kurztrams sollen auf Strecken wie etwa jener auf das Bruderholz eingesetzt werden.

In der Ausschreibung werden die einzelnen Kriterien unterschiedlich gewichtet. Der Preis macht 40 Prozent aus, auf den Kundennutzen und die Produkteeigenschaften entfallen je 30 Prozent. Nicht im Voraus festgelegt wird ein Niederflur-Mindestanteil. Dieser sei Element des Kundennutzens und solle möglichst hoch sein, sagte Gudenrath.

Die Anforderungen an ein Stadttram, wie es die BVB brauchen, seien ganz andere als jene an ein Vororttram wie den «Tango», bekräftigte Gudenrath frühere Aussagen. In der Stadt mit vielen Haltestellen und Umsteigebeziehungen stehe nicht das Fahrtempo im Vordergrund, sondern ein möglichst hindernisfreier und rascher Ein- und Ausstieg für die Fahrgäste, unter ihnen immer mehr ältere Menschen.

Entscheid im September

Die BVB gehen davon aus, dass sich für den Auftrag mindestens fünf Anbieter interessieren werden. Diese Konkurrenzsituation solle zum «besten Tram für Basel» führen. Die Offerten müssen bis zum 18. April eingereicht werden. Die BVB-Verantwortlichen entscheiden Ende September, wer den Zuschlag erhält. Danach muss der Basler Grosse Rat für den Deal einen Kredit bewilligen.

Die beiden ersten neuen Trams können die BVB indes in eigener Kompetenz kaufen. Sie sollen schon Mitte 2013 auf der Linie 8 eingesetzt werden, die gegenwärtig ins deutsche Weil am Rhein verlängert wird. Nach Angaben Gudenraths sollen die neuen Trams EU- Standards entsprechen und auch in Deutschland und Frankreich fahren können.

Ihre Lehren gezogen haben die BVB aus den Problemen mit den «Combinos» von Siemens, die wegen eines sicherheitsrelevanten Konstruktionsfehlers nach der Auslieferung ins Werk zurück mussten. Beim Kauf der neuen Trams lassen sich die BVB von externen Experten beraten.

Die Anbieter erhalten zudem schon mit den Ausschreibungsunterlagen einen Werklieferungsvertrag. In diesen sind die Erfahrungen mit dem «Combino» eingeflossen.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aargauer am 26.01.2011 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    haha, wenn Basel ein Tram kauft,

    dann muss es vor allem politisch Korrekt sein d.h. aus einem politisch unverdächtigen Haus kommen und in die Baselstädtischen Politlandschaft passen. Des weiteren muss es von einer ganz bestimmten Gewerkschaft und seiner Mitglieder grünes Licht bekommen - dann wird kann es bestellt werden. Auf die Technik oder den Fahrkomfort für die Fahrgäste kommt es gar nicht an bzw. deren Anforderungen werden derart umgemünzt, dass es in obiges Polit-Schema passt. Eine beträchtliche Anzahl Anbieter (national und international) wird zwischen Stuhl und Bank fallen. Haha, ich krieg mich nicht ein.

  • Aubacca am 28.01.2011 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Woher kommen den die 300 Millionen?

    Witz komm raus, "Für 60 Trams erhalte man jedoch deutlich mehr Rabatt, ..". Das war ja das Ziel zusammen mit der BLT eine grössere Stückzahl zu bestellen. Und nun alleine 300 Millionen stemmen? Das wird noch rote Köpfe geben. Hätte man mit der BLT die gleichen Fahrzeuge gekauft, wäre man auch schon bei einer anstehenden Fusion gut gerüstet. Tja, Basel tickt anders ;-)

  • Seppi luzern am 26.01.2011 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Basler Tram,

    Basel hat erst neue Trams gekauft ,die zt.ein Flop waren,undichte Dächer,Türen,wo es rein Geregnet hat.Und nun schon wider neue Trams.... Braucht es das wirklich.wie heist es so schön,us alt mach neu?!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • eiger73 am 02.02.2011 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    BLT geprellt?

    BLT und BVB wollten einst gemeinsam die neuen Trams beschaffen, wobei die BVB die Vorgaben im Pflichtenheft stärker als die BLT prägte. Mit dem Ausstieg der BVB aus dem Rahmenvertrag muss die BLT nun Fahrzeuge betreiben, die für ihren Einsatz nicht optimiert sind und erst noch einen höheren Preis bezahlen, weil die Stückzahlen nun kleiner sind.

  • tinu am 29.01.2011 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nach bewährter, Schweizer Manier???

    Die BLT schafften 2 Trams des Typs Tango an (in Absprache mit den BVB), um diese über einen langen Zeitraum in echt - auf unserem Strecken - zu testen - allfällige Fehler und Schwachpunkte zu entdecken - und dann aufgrund der Erfahrungen sich zum Kauf zu entscheiden. Folgende Fragen soll sich jeder selber beantworten: "Wie ging's damals mit den Combinos? Waren die wirklich für "unsere" Schmalspur konzipiert - oder wurde da vielleicht irgendwie am Fahrgestell kurzerhand was geändert? Wurden sie vorgängig auf unseren Strecken getestet um dann nach bewährter Schweizer Manier zu entscheiden?

  • Aubacca am 28.01.2011 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Woher kommen den die 300 Millionen?

    Witz komm raus, "Für 60 Trams erhalte man jedoch deutlich mehr Rabatt, ..". Das war ja das Ziel zusammen mit der BLT eine grössere Stückzahl zu bestellen. Und nun alleine 300 Millionen stemmen? Das wird noch rote Köpfe geben. Hätte man mit der BLT die gleichen Fahrzeuge gekauft, wäre man auch schon bei einer anstehenden Fusion gut gerüstet. Tja, Basel tickt anders ;-)

  • hochuli am 27.01.2011 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Billig, billiger usw.

    Dann wird kräftig auf den Preis gedrückt und das Ergebnis, schlechte Materialien und dauernd Pannen. Freut Euch liebe Basler. Wieder nichts gelernt.

  • Silvio am 27.01.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Dafür dürfen wir bis 67 oder 70 arbeiten

    Unsere CH-Regierung führt die Wirtschaft in eine falsche Richtung, und das CH-Volk muss dafür mit Teuerungen auf allen Gebieten mehr bezahlen - wenn kein Geld mehr vorhanden ist, wird einfach das AHV-Alter höher angesetzt.