Langsame Besserung

30. Juli 2010 09:29; Akt: 30.07.2010 10:22 Print

Pünktlicher – aber immer noch zu spät

von Ronny Nicolussi - Ein halbes Jahr nach dem Cisalpino-Ende nehmen die Verspätungen ab. Die Züge bleiben im Vergleich zum SBB-Schnitt aber viel zu unpünktlich.

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Besonders in Zürich treffen die ehemaligen Cisalpini weiterhin mit Verspätung ein. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Es wurde von allen Seiten begrüsst, das Ende des Bahnunternehmens Cisalpino im vergangenen Dezember. Nach 13 Jahren, in denen die hundertprozentige Tochtergesellschaft von SBB und Trenitalia wiederholt mit massiven Verspätungen und unzähligen Pannen Schlagzeilen gemacht hatte, teilten sich die beiden Gesellschaften Cisalpino hälftig auf. Obschon SBB und Trenitalia schon bei Cisalpino das Sagen hatten und sowohl Personal wie Material (es verkehren die gleichen Züge) vom Pannenunternehmen übernommen wurde, rechneten beide nach der Auflösung von Cisalpino mit besseren Zuständen.

Diese treten nun ein – jedoch nur langsam. Von der gewohnten Qualität der SBB sind die Verbindungen im Nord-Süd-Verkehr noch weit entfernt. Selbst die Kompositionen neuster Generation (ETR 610) handeln sich auf dem Weg von Mailand in die Schweiz oder umgekehrt über siebenmal häufiger Verspätungen ein, als die übrigen Züge der SBB (Verspätungsquote 3,45 Prozent). In den letzten acht Wochen wies über ein Viertel der ETR 610 eine Verspätung von mehr als fünf Minuten auf, wie aus den neusten Zahlen der Webseite cessoalpino.com hervorgeht, welche sämtliche Verspätungen auf den ehemaligen Cisalpino-Strecken dokumentiert.

Die SBB geben sich dennoch zuversichtlich. Die Situation im Nord-Süd-Verkehr habe sich verbessert, sagt SBB-Sprecher Roman Marti zu 20 Minuten Online: «Wir sind klar noch nicht am Ziel, es wurden aber bereits verschiedene Massnahmen umgesetzt, um den Nord-Süd-Verkehr an das von der SBB angepeilte Qualitätsniveau heranzuführen.» Besonders zum ETR 610 erhielten die SBB positive Kundenreaktionen. Diese neuen Ex-Cisalpini verkehren allerdings weiterhin nicht auf der Gotthardstrecke, da sie die Zulassung für das bogenschnelle Kurvenfahren noch nicht erhalten haben und damit auf der kurvenreichen Gotthardstrecke die gewünschte Fahrzeit nicht einhalten könnten. Für die Verbindung von Zürich nach Mailand und zurück kommen daher weiterhin die alten, pannenanfälligen ETR 470 zum Einsatz.

Süd-Nord-Verkehr besonders problematisch

In den letzten acht Wochen war laut cessoalpino.com mit 51,2 Prozent rund die Hälfte dieser Züge verspätet unterwegs. In der Vergleichsperiode des Vorjahres waren es 57,3 Prozent gewesen. Marti führt diese Verbesserung unter anderem auf das Konzept der Ersatzzüge zurück: Verspätet sich ein ETR 470 um mehr als zwölf Minuten, springt in Zürich oder Mailand ein Ersatzzug ein. Gleichwohl seien weitere grosse Anstrengungen nötig, bemerkt der SBB-Sprecher. Die Schweizerischen Bundesbahnen hatten bereits Ende 2009 erklärt, dass es bei den Problemen auf der Nord-Süd-Achse keine einfachen und schnellen Lösungen gibt.

Essentiell wäre dabei auch «weiterhin eine gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit» mit Trenitalia, sagt Marti. Während im ersten Halbjahr 2010 knapp 35 Prozent der ETR-470-Kompositionen im Nord-Süd-Verkehr ihr Ziel um mehr als fünf Minuten verspätet erreichten, waren es im Süd-Nord-Verkehr rund 64 Prozent. «Mit ein Grund hierfür ist die Überlastung des Knotens Mailand. Diese führt immer wieder zu Verspätungen in Richtung Schweiz», erklärt Marti. Die vielfältigen Anschlüsse, Aus- und Querfahrten stellten den SBB-Partner in Italien vor grosse Herausforderungen. Alles in allem habe die Zuverlässigkeit der ETR 470 aber zugenommen und die Zahl der Ausfälle sei rückläufig.

SBB-Angestellter kontrolliert Arbeit der Italiener

Neben den Verspätungen waren die Cisalpini auch wegen zahlreichen Pannen und für ihre mangelhafte Wartung berüchtigt. Um dem entgegenzuwirken, haben die SBB Massnahmen eingeleitet, die «zu greifen beginnen». Laut Marti überwachen acht SBB-Angestellte den Betrieb im Nord-Süd-Verkehr und koordinieren die Instandhaltung der ETR-Züge. Auf den vier von den SBB betriebenen ETR 470 seien zudem Bordtechniker präsent und in Mailand überwache ein SBB-Angestellter vor Ort die Qualität der eingekauften Instandhaltungsarbeiten. Zudem habe die SBB von Trenitalia schrittweise den Unterhalt ihrer vier ETR-470-Züge übernommen.

Die oft defekten Toiletten auf den Cisalpini der ersten Generation sollen im Übrigen im nächsten Jahr mit Toiletten nach SBB-Standard ersetzt werden, versprechen die SBB. Einen direkten Einfluss auf die Preise soll die verbesserte Wartung der Züge auf den betroffenen Strecken jedoch nicht haben.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Insider am 02.08.2010 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gepäck

    In unseren IC2000 (Doppelstock-Zügen) gibt's keinen Platz fürs Gepäck. Herr Bernasconi hat 100% Recht. Die Gotthard-Strecke ist keiner Bedeutung für Bern. NIcht wegen Etr470, sondern wegen 'unseren' wunderschönen SBB-Schrottzügen (die ältesten Loko's, die ältesten Wagen, keine Minibar am Abend).

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  • Hahira am 30.07.2010 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Die SBB muss noch viel aufholen!!!!!

    Zürich - Lugano sind ca.205 km weit entfernt! Ich benötige für diese strecke 157min.!!! (Zürich - Milano 280km in.220min.)! Milano - Bologna 219km in 65min.!! Also, ich rege mich nur auf, wegen den hohen SBB preisen und die absurde lange reisezeiten von A nach B, hier in der Schweiz!!!! Ich halte von der SBB rein und gar nicht! Liebe leute, reist einmal mit dem EC von Chur nach Hamburg, mit den SBB waggons; null komfort! Die reise wird zur tortur! Die SBB muss noch vieles aufholen!

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  • Insider am 30.07.2010 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Und die ICN?

    Die ETR470 haben oft Verspätungen, weil der ICN, welcher 7 Minuten vor dem Etr470 fährt, immer verspätet ist. Aber die SBB sagt nichts darüber. Die ICN nach 2 Tagen auf der Gotthard-Strecke befahren 'bequeme' Strecken (Flachland), weil diese Züge sogar schlimmere Probleme als der Etr470 haben. Der 470 befahrt nur die Gotthard-Strecke, sogar 4x in einem Tag für 7 Tage in der Woche. Die ICN fahren beim Regen auch maximal 55 kmh, statt 80; Etr470 haben keine Probleme mit dem Regen. Wegen ICN-Probleme hat die SBB die Hochstgeschwindigkeit auf dem Gotthard von 95kmh zu 80kmh..usw...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudio am 03.08.2010 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Welche SBB pünktlichkeit?

    Ich bin pendler (aargau-zürich) und hab bei 5 arbeitstage 3 verspätungen.. zusätzlich hat die sbb veraltete S-Bahnen.. warum cisalpino wenn in italien hochmoderne züge bei längere strecken benutzt werden, auch die neue S-Bahn die dort schon fährt sieht um weiten besser aus als unsere hier..

  • C.L am 03.08.2010 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Unerklärlich

    Es ist sowieso eine Schande der SBB für diese Züge noch hohe Ticketpreise zu verlangen. Insbesondere die Nr.4 von Trenitalia ist eine Unhyigienische Baustelle auf Schienen, 1. oder 2. Klasse spielt gar keine Rolle.... Nicht mal ein Glas gratis Wasser würde ich Trinken.

  • Insider am 02.08.2010 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gepäck

    In unseren IC2000 (Doppelstock-Zügen) gibt's keinen Platz fürs Gepäck. Herr Bernasconi hat 100% Recht. Die Gotthard-Strecke ist keiner Bedeutung für Bern. NIcht wegen Etr470, sondern wegen 'unseren' wunderschönen SBB-Schrottzügen (die ältesten Loko's, die ältesten Wagen, keine Minibar am Abend).

    • Peter Meier am 03.08.2010 00:44 Report Diesen Beitrag melden

      Bahn 2000

      Die SBB 2000 Doppelstöcker sind auf ein Maximum an Transportkapazität für Passagiere ausgelegt und nicht für Tonnen von Gepäck. Es ist schliesslich kein Flugzeug für Pauschaltouristen, sondern eine bequemere S-Bahn mit viel Platz, da es hauptsächlich auf den Berufsverkehr ausgelegt ist. Die Doppelstockwagen sind das Maximum an Raum, was auf Schienen überhaupt bewegt werden kann. Es hat mehr als genug Gepäckablagen. Zwischen jedem Sitz hat ein normaler Koffer Platz. Ich weiss nicht was sie haben. Unglaublich.

    • Martin am 03.08.2010 08:23 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Gepäck?

      Es gibt im unteren Teil der Wagons bei der Abteiltüre eine Ablage für die Stücke und im oberen Teil gleich neben der Treppe, zwischen den Sitzbänke hat es auch noch Stauraum. Aussdem hat es im "Velo-Wagon" im vorderen Teil genügend Platz für Gepäckstücke. Das schlimme ist, die Reisende sind blind und stellen alles in den Weg, ein Koffer muss so schwer sein, dass derjenige auch tragen kann, somit hat es auch auf der "Hutablage" platz. Aber wer will schon den anderen platz machen?

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  • David am 01.08.2010 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Gepäck...

    ... ist in den neuen ETR 610 fehl am Platz. Ich reiste gestern von Verona nach Mailand mit dem neuen Zug. Von aussen sieht er sehr flott aus; auch innen. Dabei haben aber die Ingenieure nicht daran gedacht, dass vielleicht auch Bahnreisende mit viel Gepäck (ein kleiner und ein grosser Rucksack hatte ich dabei) mitfahren würden. Da sind die älternen konventionellen Waggons in solchen Sachen klar im Vorteil.

    • Peter Meier am 03.08.2010 00:48 Report Diesen Beitrag melden

      Ingenieure

      Der Zug wurde für ein Maximum an Personen dimensioniert. Jeder Sitzplatz ist bares Geld. Es handelt sich hierbei um einen Neigezug und nicht um ein Güterwagen. Das Ziel mit diesem Gefährt ist es, mit 30% höherer Geschwindigkeit in Kurven zu fahren. Dies erfordert ein geringes Gewicht, Schnittigkeit und Ärodynamik. Die modernen Züge sind Flugzeuge. Nur so fährt der Zug auch wirtschaftlich. Zudem kann der Zug in Italien Höchstgeschwindigkeiten von 250 km/h fahren.

    • Martin am 03.08.2010 08:18 Report Diesen Beitrag melden

      ETR 610

      Das Problem mit der Strecke am Gotthard hat sich über Jahre etwas aufgebaut... Der Grund warum der ETR 610 nicht fahren *darf", ist schon etwas BANAL.... Somit haben die Ingenieure (oder die Disigner, Verantwortlichen) an mehreren Punkte "geschlammt".

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  • giovanni bernasconi am 01.08.2010 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    SBB und Tessin

    Warum sagen wir es doch nicht wie es ganz einfach ist? Die Zuege ins Tessin sind ein Skandal! Natuerlich muss man die guten Kompositionen fuer die BR reservieren: Herr Leuenberger pendelt ja von zuerich nach Bern und nicht von Lugano nach Zuerich. Die Wahrheit ist aber eine Andere: es wiederholt sich das Spielchen mit den erfolgreichen TEE: man will keine Passagierzuege am Gotthard, also macht man sie schlecht, dreckig und unpuenktlich. Danach sagt man es gaebe keine Nachfrage und Alles wird gestrichen. Nicht Neues in Bern!