Holocaust-Leugner

27. Februar 2009 14:31; Akt: 27.02.2009 17:03 Print

Entschuldigung genügt dem Vatikan nicht

Der Vatikan hat die Entschuldigung des erzkonservativen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson als unzureichend bezeichnet.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Bischof der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft hatte am Donnerstag über einen katholischen Internet-Dienst eine Entschuldigung verbreiten lassen. Dabei äusserte er Bedauern über die Folgen seiner Äusserungen, ohne diese aber für falsch zu erklären und zurückzunehmen. Vatikan-Sprecher Lombardi kritisierte auch, dass die Erklärung Williamsons nicht an den Papst oder die vatikanische Kommission Ecclesia Dei gerichtet gewesen sei. Diese Kommission ist für die Beziehungen zur Pius-Bruderschaft zuständig.

Williamson ist einer von vier Pius-Brüdern, die 1988 ohne Zustimmung des Papstes zum Bischof geweiht und daraufhin exkommuniziert wurden. Wenige Tage nach der öffentlichen Holocaust-Leugnung Williamsons im schwedischen Fernsehen hob Benedikt XVI. die Exkommunikation wieder auf. Nach der internationalen Empörung darüber erklärte der Vatikan am 4. Februar, Williamson müsse sich «absolut und eindeutig von seinen Bemerkungen über die Shoah distanzieren, wenn er zu bischöflichen Aufgaben in der Kirche zugelassen werden soll». Williamson hatte gesagt, dass in den Konzentrationslagern des NS-Regimes kein einziger Jude vergast worden sei. Ausserdem sagte er, es seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200 000 bis 300 000 getötet worden.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zeigte sich entsetzt über die Erklärung des Bischofs. «Durch den ausbleibenden eindeutigen Widerruf seiner böswilligen Lügen hat Williamson erneut zum Ausdruck gebracht, dass er ein überzeugter Antisemit und unverbesserlicher Holocaust-Leugner ist», erklärte Knobloch in München.

Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, forderte die Überwachung der Pius-Bruderschaft durch den Verfassungsschutz. «Die Pius-Bruderschaft ist ihrem Wesen nach eine gemeingefährliche Gruppe von Extremisten, die ebenso wie islamische Fundamentalisten eine Gottesherrschaft errichten wollen», sagte er.

(ap)