Amanda Knox vor Gericht

06. September 2011 16:15; Akt: 06.09.2011 17:15 Print

Vier Gründe, Foxy Knoxy freizulassen

von Karin Leuthold - Der Berufungsprozess im Mordfall Meredith Kercher geht in die Endrunde. Nachdem alle Indizien gegen Amanda Knox neu untersucht wurden, stehen ihre Chancen auf Freispruch nicht schlecht.

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Die 21-jährige britische Studentin Meredith Kercher war im August 2007 nach Perugia gereist, um an einem Austauschprogramm für Studenten teilzunehmen. Sie wohnte zusammen mit der aus Seattle stammenden Amanda Knox und zwei Italienerinnen in einem Haus am Rande der Stadt. In der Nacht des 1. Novembers wurde Meredith Kercher auf bestialische Weise umgebracht. Unter Mordverdacht stehen ihre Mitbewohnerin, die 20-jährige Amanda Knox, .... ... deren italienischer Freund, der 24-jährige Raffaele Sollecito, ... ... und der 21-jährige Rudy Guede, ein Italiener mit Wurzeln in der Elfenbeinküste, ein stadtbekannter Dealer, der mit dem Opfer eine Affäre gehabt hat. Meredith Kercher wurde mit einem 17 Zentimeter langen Küchenmesser getötet: Man fand sie halbnackt, verblutet mit durchgeschnittener Kehle in ihrer Wohnung. Vor ihrem Tod soll sie vergewaltigt worden sein. Guede wurde in Südwestdeutschland gefasst, als er versuchte, dem internationalen Haftbefehl, der gegen ihn ausgeschrieben wurde, zu entkommen. Am fraglichen Abend waren Guede und Sollecito mit dem Opfer in der Wohnung. Amanda Knox lieferte seit ihrer Verhaftung drei verschiedene Versionen der Ereignisse ab. Was klar ist: Amanda Knox und Raffaele Sollecito, beide aus gutbürgerlichem Hause, lebten noch ein ganz anderes Leben. Auf Amanda Knox' Website zeigt sich die Studentin in höchst anzüglichen Posen. So sollen sie auch exzessiv Marihuana geraucht und sexuelle Gewaltfantasien gehabt haben. Ihr Übername auf der MySpace-Seite war «Foxy Knoxy». Auch soll sie gelegentlich in «Lumumbas Nachtlokal» gearbeitet haben. Der Ärztesohn Sollecito wiederum zeigt sich im Netz als «verrückter Doktor», eingewickelt in Klopapier, mit einem Beil in der Hand. Rudy Guede wurde Ende September 2008 in einem abgekürzten Verfahren schuldig des Mordes gesprochen und zu 30 Jahren Haft verurteilt. Der Prozess gegen Raffaele Sollecito und ... ... Amanda Knox hat am 16. Januar 2009 begonnen.

Der Mordfall Meredith Kercher - die Chronik.

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Amanda Knox sitzt seit dreieinhalb Jahren hinter Gittern. In etwa vier Wochen wird der Berufungsprozess zu Ende gehen, dann soll endgültig geklärt sein, ob die 24-jährige Austauschstudentin zu Recht zu 26 Jahren Haft verurteilt wurde, oder ob sie mit dem Mord an ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher nichts zu tun hat.

Nach der richterlichen Sommerpause wurde nun die Debatte über die Stichhaltigkeit von DNA-Beweisen fortgesetzt. Am Dienstag verteidigte die Biologin Patrizia Stefanoni erneut die Arbeit der polizeilichen Spurensicherung der ersten Instanz im Jahr 2009 – nachdem diese im Sommer von zwei Gerichtsmedizinern der Sapienza-Universität in Rom gründlich zerlegt worden war. Die Spezialisten, die von der Verteidigung bestellt worden waren, behaupteten damals, die Ermittlungen seien «schlampig» gewesen, die DNA-Untersuchungen «falsch interpretiert», und überdies seien internationale Regeln missachtet worden.

Gutachter sind sich nicht einig

Stefanoni erklärte vor Gericht, dass genetische Spuren mit den heutigen Methoden ganz eindeutig nachzuweisen seien. «Es handelt sich hier nicht um etwas Abstraktes», sagte sie als Antwort auf dem Bericht der Gutachter, die erklärt hatten, die DNA-Spuren seien so ungenau, dass die genetischen Profile der unterschiedlichsten Personen darin zu finden seien.

Trotz der Aussage der Biologin stehen die Karten für Amanda Knox nicht schlecht. Ihre Anwälte und die ihres Ex-Freunds Raffaelle Sollecito erklärten die DNA-Spuren auf dem mutmasslichen Tatmesser und dem Büstenhalter des Opfers am Montag erneut für nicht zulässig. Grundsätzlich gilt es folgende Knackpunkte zu klären:

Frage 1: Wie «schlampig» haben die Ermittler gearbeitet?
Die Gutachter zeigten dem Gericht im Juli ein Video der ersten Ermittlungen, kurz nach dem Fund der Leiche am 2. November 2007. Darauf ist der Handschuh des Beamten sichtlich verschmutzt. Auf den Aufnahmen sieht man zudem Polizisten, die mit demselben Wattestäbchen gleich mehrere Blutproben nehmen. Ausserdem, so die Gutachter, seien die Spurensicherer nicht ordnungsgemäss mit Masken und Pinzetten umgegangen.

Frage 2: Warum ist die DNA auf dem BH des Opfers umstritten?
Der BH von Meredith Kercher lag 46 Tage lang auf dem Boden des Tatorts, bevor er von den Ermittlern als Beweismaterial abgeholt wurde. In dieser Zeit waren Hunderte Polizisten ins Schlafzimmer der britischen Austauschstudentin gekommen und hatten Spuren verunreinigt und sogar durcheinandergebracht. Die Gutachter halten es darum durchaus für möglich, dass das BH-Häkchen mit einem verunreinigten Handschuh in Berührung kam.

Frage 3: Wie steht es um das belastende DNA-Material auf dem Küchenmesser?
Über das Küchenmesser, das kurz nach dem Mord in der Wohnung von Raffaelle Sollecito sichergestellt wurde, streiten die Ermittler am meisten. Nach den ersten Analysen hiess es, dass Blutspuren der ermordeten Kercher auf der Klinge und der verdächtigen Knox auf dem Griff gefunden wurden. Der neue Bericht behauptet aber, es sei nicht sicher, dass die DNA an der Klinge von Kercher stamme. Was Knox betrifft, hatte die US-Studentin bereits im ersten Prozess ausgesagt, dass sie das Messer oft zum Kochen benutzt habe. Dass ihre DNA am Griff hafte, dementieren die römischen Gutachter. Sie meinen, es handle sich dabei ohnehin nicht um Blut.

Frage 4: Was ist mit Knox' Geständnis?
Amanda Knox muss beim Berufungsprozess versuchen, die Geschworenen zu überzeugen, dass sie die Tat nie gestanden hat. Auch hier sieht es gut für sie aus: Vom Verhör, aufgrund dessen die Polizei von einem Geständnis spricht, gibt es keine Aufnahmen. Es ist daher unklar, ob die Polizisten sie mit Suggestiv-Fragen zu der selbstbeschuldigenden Aussage brachten. Seither beteuert die 24-Jährige ihre Unschuld.

Frage 5: Welche belastende Momente gibt es noch gegen Foxy Knoxy?
Ein noch strittiger Punkt ist das zerbrochene Fenster der Wohnung, das laut den Untersuchungen von innen eingeschlagen wurde: Aus Sicht des Schwurgerichts kann das nur bedeuten, dass der Mörder im Haus wohnt und versucht hat, einen Einbruch vorzutäuschen.

Ebenfalls gegen sie spricht die Tatsache, dass sie in der Mordnacht völlig bekifft auf der Polizeiwache in Perugia erschien. Sie habe mit ihrem damaligen Freund Sollecito dauernd gekichert und Yoga-Übungen gemacht. Darauf gab ihr die italienische Presse den Spitznamen «Engel mit den Eisaugen». Diesen ruinierten Ruf muss Amanda Knox bei jedem Auftritt vor Gericht aufpolieren. Dafür hat sie noch drei Wochen Zeit.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jeffrey Dahmer-Bundy am 07.09.2011 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Augen auf

    Wir wollen einfach nicht wahrhaben dass ein so frisches und gutaussehende Mädchen zu so einer Tat imstande sein kann. Aber, das Böse hat kein bestimmtes Gesicht. Vieles spricht gegen Sie...

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  • Werner am 07.09.2011 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Klarer Fall

    Für mich ist es schon seit Anfang an klar das sie es nicht war, ich habe die Berichte sehr genau verfolgt, ich denke diese junge Frau war zur falschen Zeit am flaschen Ort und hat sich mit den falschen Leuten eingelassen. Wie wäre es wenn euch das mal passieren würde, wie würdet ihr euch in dieser Situation fühlen, wie wäre es auf einmal mit Mördnern an einem Ort zu sein, eingesperrt ohne Aussicht auf Freiheit und dazu völlig zu unrecht verurteilt..

  • Irgendeine am 06.09.2011 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    oberflächlich

    Ich finde es wirklich schlimm, dass eine Frau für unschuldig gehalten wird, nur weil sie schön ist. Denkt ihr wirklich nur hässliche Menschen begehen Verbrechen? Das Aussehen eines Menschen sagt doch nichts über dessen Charakter aus. Echt bedenklich, was hier abgeht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maloney am 07.09.2011 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Mangel an Beweisen

    Offensichtlich gibt's einen Mangel an Beweisen. Es kann nicht einwandfrei und mit einer realen Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, wer Kercher umgebracht hat. Diese Ungewissheit muss sehr schwierig für Familie und Freunde von Kercher sein - Jedoch gillt JEDER als Unschuldig bis ihm die Schuld an einem Verbrechen zweifelsfrei angehängt werden kann. Demzufolge gehe ich fest von einem Freispruch wegen Mangel an Beweisen aus. Wie lange dauerts dann wohl bis ein Film gedreht wird? ;)

    • patrick meier am 26.09.2011 18:46 Report Diesen Beitrag melden

      Film

      es gitb schon einen tv-film

    • Martin am 03.10.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

      Wow!

      Das ging ja schnell... ;-)

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  • Jeffrey Dahmer-Bundy am 07.09.2011 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Augen auf

    Wir wollen einfach nicht wahrhaben dass ein so frisches und gutaussehende Mädchen zu so einer Tat imstande sein kann. Aber, das Böse hat kein bestimmtes Gesicht. Vieles spricht gegen Sie...

    • Pro-Contra am 03.10.2011 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      schwierig

      aber vieles spricht auch für sie... ich bin jedenfalls froh, nicht über ihr schicksal entscheiden zu müssen

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  • Werner am 07.09.2011 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Klarer Fall

    Für mich ist es schon seit Anfang an klar das sie es nicht war, ich habe die Berichte sehr genau verfolgt, ich denke diese junge Frau war zur falschen Zeit am flaschen Ort und hat sich mit den falschen Leuten eingelassen. Wie wäre es wenn euch das mal passieren würde, wie würdet ihr euch in dieser Situation fühlen, wie wäre es auf einmal mit Mördnern an einem Ort zu sein, eingesperrt ohne Aussicht auf Freiheit und dazu völlig zu unrecht verurteilt..

  • Peschä am 07.09.2011 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Klare Beweise?

    Normalerweise ist es doch so, dass es eindeutige Beweise braucht, damit jemand verurteilt werden kann. Nun ist es so, dass man mit heutigen empfindlichen Methoden DNA-Spuren von Bewohnern einer Wohnung wohl fast in der ganzen Wohnung feststellen kann (ähnl. wie Kokain auf Banknoten). Zumindest DNA-Spuren auf einem häufig benutzten Messer sagen wenig aus. Ein "Geständnis" in einem stundenlangen Verhör sagt auch gar nichts aus - es ist erstaunlich, wieviele Menschen "gestehen", wenn sie unter grossem Druck stehen. Auch ein von innen eingeschlagenes Fenster sagt nichts darüber, wer was getan hat.

    • TiWu am 26.09.2011 17:27 Report Diesen Beitrag melden

      Schuldig! Macht euch mal schlau bitte...

      Tatsächlich gibt es Beweise und viele Indizien die gegen Knox sprechen. Eine Kostprobe: 1/ Sie hat kein Alibi denn Raffaele bestreitet dass Knox am besagten Abend bei ihm zu Hause war (bitte nochmal auf der Zunge zergehen lassen). 2/ Sie hat einen Unschuldigen der Tat bezichtigt - und dies innerhalb der ersten zwei Stunden des Verhörs (richtig, Amanda wurde für vier Stunden insgesamt verhört, KEINE MINUTE LÄNGER). 3/ Am Tatort fand man Amandas Blut mit dem Blut von Meredith vermischt - an 3 Stellen! 4/ Der Einbruch war gestellt. Wer hat Interesse einen Einbruch zu stellen - bitte nachdenken!

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  • Arnold Weininger am 07.09.2011 01:42 Report Diesen Beitrag melden

    bald wissen wir es ... nicht!

    ob sie schuldig oder unschuldig ist und ob die verurteilung bestätigt wird oder sie mangels beweisen frei gelassen wird, werden wir noch sehen. ich frage mich nur: falls sie es nicht war, wer war es dann? der fall ist nicht abgeschlossen.