Höchste Alarmstufe

11. Juni 2009 16:05; Akt: 11.06.2009 18:20 Print

Die Schweinegrippe ist eine Pandemie

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Schweinegrippe zur Pandemie erklärt und die höchste Alarmstufe ausgerufen. Damit hat die WHO zum ersten Mal seit 41 Jahren eine weltweite Grippepandemie erklärt.

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Die Warnstufe wurde von 5 auf 6 erhöht, was einen globalen Ausbruch bedeutet, wie WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag vor Journalisten in Genf erklärte. Chan hatte sich am Donnerstag mit dem Notfall-Komitee der WHO beraten und zudem alle UNO-Botschafter zu sich geladen.

Inzwischen erkrankten fast 28 000 Menschen in 74 Ländern an der Schweinegrippe. Nach WHO-Angaben breitet sich das Virus ausser auf dem amerikanischen Kontinent vor allem in Australien, Grossbritannien und Japan explosionsartig aus. In der Schweiz waren bis Mittwochabend 20 Fälle von Schweinegrippe gemeldet.

Die letzte Pandemie, die Hongkong-Grippe von 1968, hat rund eine Million Menschenleben gefordert. Den Folgen einer normalen Grippe erliegen weltweit jährlich rund 250 000 bis 500 000 Menschen.

Virus weiter als «mild» eingestuft

Die Ausrufung der ersten Pandemie in diesem Jahrtausend bedeute aber nur, dass sich das Virus geografisch ausbreite und nicht, dass es gefährlicher werde, hatte ein WHO-Sprecher am Donnerstagmorgen in Genf erklärt. Die WHO betrachte die Schweinegrippe als «milden» Erreger. Bislang starben nach WHO-Angaben 141 Menschen daran.

Mit der Erhöhung der Pandemiestufe fünf auf sechs sind die Staaten dazu aufgerufen, weitere Massnahmen gegen die Ausbreitung des Schweinegrippevirus' zu ergreifen - vor allem soll die Produktion eines Impfstoffes gegen das Virus in grossem Stil anlaufen.

Schweiz auf ausländischen Impfstoff angewiesen

Die Schweiz hat selbst keine Impfstoffproduktion. Sie ist deswegen auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Der Bund hat 2006 einen Vertrag mit dem Pharmariesen GlaxoSmithKline für die Lieferung eines Pandemie-Impfstoffes geschlossen. Dieser soll in Deutschland hergestellt werden.

Den Vorrat an Mitteln zur Behandlung von Grippeerkrankungen hat die Schweiz bereits aufgestockt. Das BAG wollte sich am Nachmittag noch nicht äussern: es kündigte aber für den Abend - nach der WHO- Pressekonferenz ein Communiqué an.

Roche in den Startlöchern

Als eines der effizientesten Mitteln gegen die Schweinegrippe gilt Tamiflu des Basler Pharmakonzerns Roche. Bei Bedarf könnte Roche die Tamiflu-Produktion erhöhen, sagte Roche-Sprecherin Martina Rupp am Donnerstag der Nachrichtenagentur SDA. Die maximale Produktionskapazität liege bei 400 Millionen Packungen pro Jahr.

Zur Zeit gehen bei Roche laufend Tamiflu-Bestellungen von Regierungen ein. Angaben zu Zahlen und Ländern wollte Rupp nicht machen. Die Verhandlungen mit den einzelnen Ländern würden meistens vertraulich geführt.

Stufe 6 noch nicht in der Schweiz

Auch wenn die WHO den Pandemie-Alarm auf Stufe sechs erhöht, ist die Schweiz nicht dazu verpflichtet, dies der WHO nachzutun. Der Bund erhöht erst auf Stufe sechs, wenn auch in der Schweiz das Virus sich rasch ausbreitet. Derzeit steht in der Schweiz der Pandemie- Alarm auf Stufe 5.2.

Der Pandemie-Plan von Bund und Kantonen unterscheidet auf Stufe sechs zwei Unterstufen: Stufe 6.1 bedeutet, dass ein Virus zwar weltweit anhaltend von Mensch zu Mensch übertragen wird, aber nicht in der Schweiz. Die allerhöchste Stufe ist 6.2: Dann breitet sich ein Pandemie-Virus auch hierzulande rasant aus.

Der Pandemie-Plan sieht dann zahlreiche Massnahmen vor, die Bund und Kantone ergreifen können: von der Empfehlung, Masken zu tragen, über Versammlungsverbote, Schulschliessungen, Impfkampagnen, Aufgebote von Sanitätssoldaten, bis hin zu Notstandsmassnahmen.

Quelle: SDA/AP