WHO zündet Stufe 5

29. April 2009 22:20; Akt: 30.04.2009 09:25 Print

Weltweite Pandemie steht unmittelbar bevor

Nach Einschätzung der Weltgesundheits-Organisation WHO droht die weltweite Ausbreitung der Schweinegrippe. Aus diesem Grund hob die UNO-Organisation ihre Pandemie-Warnung um einen Rang auf die zweithöchste Stufe an.


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Das teilte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Mittwochabend vor Journalisten in Genf mit. Chan appellierte an alle internationalen Organisationen wie die Weltbank sowie an die Pharmaindustrie und die Forschung, alle Kapazitäten bereitzustellen, um eine Pandemie zu vermeiden.

In Phase 5 steht fest, dass das Virus in mindestens zwei Ländern auf einem Kontinent von Mensch zu Mensch übertragen wird. Erst am Montag war die seit 2005 wegen der Vogelgrippe geltende Stufe 3 auf 4 heraufgesetzt worden. Bei der höchsten Stufe 6 wird von einer weltweiten Ausbreitung des Virus ausgegangen, also von einer Pandemie.

Immer mehr Länder betroffen

Die Zahl der an Schweinegrippe erkrankten Menschen ist auch am Mittwoch weiter gestiegen. Zudem sind immer mehr Länder davon betroffen.

Das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (ECDC) in Stockholm sprach von fünf bestätigten Fällen in Grossbritannien, zehn in Spanien, drei in Deutschland, und einem in Österreich. Alle Betroffenen seien vor ihrer jeweiligen Erkrankung in Mexiko gewesen.

Mit 91 H1N1-Infektionen wird aus den USA die höchste Zahl an Erkrankten gemeldet. Aus Texas wurde zudem der erste Todesfall ausserhalb Mexikos im Zusammenhang mit der Schweinegrippe bekannt. Das Kleinkind stamme aus Mexiko, wie eine Sprecherin des Gesundheitsamts von Houston dem Sender CNN sagte.

25 Verdachtsfälle in der Schweiz

In der Schweiz werden 25 Verdachtsfälle untersucht, bisher gibt es aber keinen bestätigten Fall. Trotzdem hat der Bundesrat den Pandemie-Sonderstab eingesetzt.

Das Eidg. Departement des Innern (EDI) hatte diese Massnahme beantragt, um einer allfälligen Ausbreitung der Schweinegrippe effizient begegnen zu können. Der Sonderstab hat vor allem beratende Funktion und soll die Abläufe in der Verwaltung beschleunigen.

US-Präsident Barack Obama beantragte im Kongress 1,5 Milliarden Dollar zur Bekämpfung der Grippe. Die Bundesstaaten Kalifornien und Texas riefen den Notstand aus.

Öffentliches Leben in Mexiko-Stadt lahmgelegt

Die schwersten Fälle sind bislang in Mexiko aufgetreten. Gesundheitsminister José Angel Córdova senkte die Zahl der zweifelsfrei durch Schweinegrippe verursachten Todesfälle am Dienstagabend zwar von bislang 20 auf 7 herab. Es gebe aber weitere 159 Fälle, in denen das Virus als Todesursache vermutet werde.

Die Angst vor der Schweinegrippe legte das öffentliche Leben in Mexiko weitgehend lahm. Schulen und Universitäten blieben geschlossen, in Mexiko-Stadt zudem alle Sportstätten, Kinos und Theater.

Unterschiedliche Massnahmen der Staaten

Weltweit gab es zahlreiche Schweinegrippe-Verdachtsfälle. Am Nachmittag wurden erstmals Verdachtsfälle aus Afrika gemeldet: Südafrikas Institut für meldepflichtige Krankheiten erklärte in Pretoria, der Kap-Staat habe zwei Patienten identifiziert, bei denen Verdacht auf Infizierung bestehe.

Zahlreiche Staaten raten ihren Bürgern von Reisen nach Mexiko ab. Einige verstärkten zudem ihre Kontrollen an den Grenzübergängen und an den Flughäfen. Ungeachtet der Zusicherung der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass der Konsum von Schweinefleisch keine Grippeerkrankung auslösen kann, haben einige Länder dessen Einfuhr untersagt oder eingeschränkt.

(sda)