Banon vs. Strauss-Kahn

29. September 2011 22:19; Akt: 29.09.2011 22:25 Print

«Er hat mich nicht einmal angesehen»

Dominique Strauss-Kahn und sein angebliches Vergewaltigungsopfer, die Schriftstellerin Tristane Banon, sind zu einer Gegenüberstellung vor der französischen Polizei erschienen.

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Nach der Gegenüberstellung mit Tristane Banon verlässt DSK das Poliziegebäude lächelnd. Banon äusserte sich später bei TF1 zur Gegenüberstellung. Unzählige Journalisten und Kameraleute hatten ihm aufgelauert. Die Gegenüberstellung dauerte 2 1/2 Stunden. Banon wirft dem Ex-IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vor. Im Februar 2003 soll er bei einem Interview versucht haben, sie zu vergewaltigen. Banon wirkt bei dem Gespräch zwar angespannt, gelegentlich aber kommt ein Lächeln über ihre Lippen. Sie ist mit ihrem Anwalt David Koubbi im Studio. Tags zuvor hatte Dominique Strauss-Kahn in einer Live-Sendung des Fernsehsenders TF1 erstmals öffentlich Stellung zu den Vorwürfen des New Yorker Zimmermädchens Nafissatou Diallo genommen. Kurz stellte er dabei auch seine Sicht der Dinge im «Fall Banon» dar. Dabei bezeichnete der 62-Jährige seinen sexuellen Kontakt mit der Hotelangestellten als «eine unangemessene Beziehung» und einen «moralischen Fehler». Es habe aber weder «Gewalt, Zwang noch Aggression» gegeben. Das Verfahren gegen den früheren IWF-Chef wurde am 23. August 2011 eingestellt. Dem Franzosen war vorgeworfen worden, am 14. Mai 2011 eine Hotelangestellte des New Yorker Nobelhotels Sofitel vergewaltigt zu haben. Bild: Dominique Strauss-Kahn (2.v.r.) mit seiner Ehefrau Anne Sinclair auf dem Weg zum Gericht. Der Fall war Aufsehen erregend. Strauss-Kahn musste beim IWF zurücktreten und seine Kandidaturpläne für die französischen Präsidentschaftswahlen aufgeben. Grund für die Einstellung des Verfahrens war die fehlende Glaubwürdigkeit des Opfers Nafissatou Diallo (Bild). Dennoch hat der Franzose weitere Klagen am Hals: Diallo verklagte ihn am 8. August auf Schadensersatz in unbekannter Höhe. Auch die Französin Tristane Banon hat Dominique Strauss-Kahn angezeigt. Er habe sie im Jahr 2003 zu vergewaltigen versucht. Frauenorganisationen protestieren gegen den Entscheid. Die Botschaft ist deutlich.

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Die Schriftstellerin Tristane Banon wirft Strauss-Kahn vor, er habe sie bei einem Interviewtermin 2003 angegriffen und hat ihn deshalb angeklagt. Strauss-Kahn bezeichnete die Vorwürfe als erfunden. Banon hatte um die Gegenüberstellung gebeten, die ihr die Ermittler gewährten.

Nach der Gegenüberstellung, die rund zweieinhalb Stunden dauerte, verschwanden beide Beteiligten ohne Kommentar. Während sich Banon durch einen Hinterausgang absetzte und sich so vor den versammelten Kamera- und Medienleuten verstecken konnte, verliess Strauss-Kahn das Polizeigebäude lächelnd durch den Haupteingang. Der 62-Jährige und die 30 Jahre jüngere Banon blieben dabei nach Angaben von Strauss-Kahns Anwalt bei ihrer jeweiligen Version.

Auf die Frage, ob sein Mandant möglicherweise Reue gezeigt habe, antwortete Anwalt Henri Leclerc: «Es gibt keinen Grund, sich zu entschuldigen.»

«Ich dachte, er würde sich entschuldigen. Er hat mich nicht einmal angesehen», sagte die 32-Jährige Banon dem Fernsehsender TF1. Strauss-Kahn habe während der Befragung «Arroganz» und «Kälte» ausgestrahlt.


Banon bei TF1 am 29.9.2011

«Wie ein brünftiger Schimpanse»

Banon beschuldigt «DSK», 2003 bei einem Interview über sie hergefallen zu sein «wie ein brünftiger Schimpanse». Der frühere IWF- Chef wies die Schilderung zurück und erstattete Anzeige gegen Banon wegen Verleumdung. Bei einer Vernehmung vor gut zwei Wochen gab der 62-Jährige nach Angaben der Ermittler eine «Annäherung» zu, allerdings ohne Gewaltanwendung.

Banon hatte die Begegnung mit Strauss-Kahn gefordert. «Ich möchte, dass er mir gegenübersteht und mir ins Gesicht sagt, dass das erfundene Taten sind», sagte die Autorin vergangene Woche.

Am Rande einer Sympathiekundgebung gestand sie am Wochenende, dass sie Angst vor der Gegenüberstellung habe: «Natürlich werde ich in der Nacht davor nicht schlafen.» Strauss-Kahn hatte der jungen Frau in seinem ersten Fernsehinterview vor zehn Tagen vorgeworfen, eine «eingebildete Version» der Ereignisse geliefert zu haben.

Staatsanwaltschaft muss entscheiden

Die Polizei, die vor der Gegenüberstellung bereits mehr als zwanzig Zeugen befragte, muss nun die Ergebnisse ihrer Vorermittlungen in einem Bericht zusammenfassen. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob ein formelles Ermittlungsverfahren aufgenommen oder ob der Fall zu den Akten gelegt wird. Falls es dazu kommen sollte, kündigte Banon bereits ein Zivilverfahren an.

In den USA stellte die Justiz Ende August ein Strafverfahren gegen den früheren Hoffnungsträger der französischen Sozialisten wegen versuchter Vergewaltigung eines Zimmermädchens in New York ein. Es gab Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Klägerin. Das Zivilverfahren läuft allerdings noch.

Strauss-Kahn hatte wegen der Affäre im Mai als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurücktreten müssen.

So verliess Strauss-Kahn das Polizeigebäude:

(Quelle: Youtube/BFM.tv)

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simona Keller am 29.09.2011 23:07 Report Diesen Beitrag melden

    böser Mensch

    Oh, er hat sie nicht einmal angesehen. So ein böser Mensch aber auch.

    einklappen einklappen
  • Schorschi am 30.09.2011 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unschuldsvermutung

    Wenn ich unschuldig wäre und eine Frau würde mich einer solchen Tat bezichtigen, dann würde ich diese Frau auch nicht mehr anschauen. Keinen Blick wäre so eine Frau Wert.

  • el orso am 30.09.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    denk- und fragwürdig

    einerseits will ich keiner frau, der gewalt widerfahren ist, unrecht tun, andererseits ist schon augenfällig, dass frau banons mediengeilheit angeblich beinahe berüchtig und zeitgleich auch noch ein buch von ihr in der pipeline sei - das nun durch ihre person genügend aufmerksamkeit erlangen wird. das DSK seine hände in unschuld wäscht ist auch kaum glaubwürdiger. was jedoch wirklich geschehen ist, wissen lediglich die beiden, aber es interessiert und bewegt mittlerweile anscheinend eine vielzahl.

Die neusten Leser-Kommentare

  • el orso am 30.09.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    denk- und fragwürdig

    einerseits will ich keiner frau, der gewalt widerfahren ist, unrecht tun, andererseits ist schon augenfällig, dass frau banons mediengeilheit angeblich beinahe berüchtig und zeitgleich auch noch ein buch von ihr in der pipeline sei - das nun durch ihre person genügend aufmerksamkeit erlangen wird. das DSK seine hände in unschuld wäscht ist auch kaum glaubwürdiger. was jedoch wirklich geschehen ist, wissen lediglich die beiden, aber es interessiert und bewegt mittlerweile anscheinend eine vielzahl.

  • Heinrich Zimmermann am 30.09.2011 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Muss mal nachdenken

    Frag mich schon wo der sichere Instinkt der so gefühlstalentierten Frau jeweils ist, vor dem Zusammenkommen mit einem Mann. Oder benebelt das Image des Mannes, der ja sooooo angesehen ist, das momentane Gefühlsleben (Hormongesteuert) der Frau?

  • Andrea am 30.09.2011 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder von euch..

    ..weiss, was da abgegangen ist, oder? Nur sie 2 wissen, was da abgelaufen ist. Und Sie nun als Mediengeil etc. abzustempeln, finde ich auch etwas hart, wenn ihr keine Ahnung habt, was da geloffen ist... Aber so sind die Schweizer - immer erst reden, dann nachdenken!

  • Vera Vote am 30.09.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen sind immer selber Schuld?

    Männerkommentare! Bravo! Die Frau ist wohl selber Schuld. Würdet ihr auch so diskutieren, wenn die eigene Tochter vergewaltigt worden wäre? Er ist automatisch unschuldig und sie nicht. Mittelalterliche Zustände. Aber es stellt ein tolles Bild der Männerwelt dar. Ich bin überzeugt, es gibt auch intelligentere Männermeinungen.

  • Hans am 30.09.2011 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Schriftstellerin, wo und was ?

    Sie ist Schriftstellerin, aber vermutlich nicht so erfolgreich, darum braucht Sie jetzt eine kleine Umsatzsteigerung. An die liebe Presse: Bringen Sie doch mal die Werke mit den Auflagen von Frl. Banon.