Opfer verhöhnt

23. Januar 2012 14:08; Akt: 23.01.2012 14:09 Print

«Die Videos sind gefälscht»

Das Bild der misshandelten Ägypterin «im blauen BH» ging um die Welt. Feldmarschall Tantawi, der mächtigste Mann im Staat, glaubt an eine Täuschung. Die Soldaten hätten ihr helfen wollen.

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Die «Frau im blauen BH» wurde am 17. Dezember 2011 bei einer Demonstration in Kairo übel zugerichtet. Das Video zeigt 20 Minuten Online nicht. (Bild: Reuters)

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Als Vermittler des historischen Camp-David-Abkommens von 1979 zwischen Israel und Ägypten geniesst der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter bis heute ungehinderten Zugang zu den höchsten Stellen in Kairo. Während seines Besuchs in der Nil-Metropole Anfang Januar hatte er auch Gelegenheit zu einem Gespräch mit Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi. Mit dem Vorsitzenden des Obersten Rats der Streitkräfte und De-facto-Präsidenten erörterte er den Wahlsieg der Islamisten und die künftige Rolle des Militärs.

Dann kamen sie auf die ägyptische Studentin zu sprechen, die am 17. Dezember an einer Demonstration in Kairo von Sicherheitskräften bis auf den BH entblösst, geschlagen und getreten wurde. Laut Carter behauptete Tantawi, alle diese Videos seien gefälscht. Mehr noch: Die Soldaten hätten versucht, der Frau dabei zu helfen, sich wieder anständig zu kleiden.

Carter erwähnte nicht, ob der Feldmarschall irgendwelche Beweise für seine Theorie präsentierte. Allerdings liess er Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Militärs durchscheinen: Offenbar hatten sie während seines Besuchs in Kairo eine Erklärung veröffentlicht, wonach sie die gesamte Macht an eine neu gewählte Regierung abgeben werden. «Ich hoffe, das ist wahr», schrieb Carter hierzu in seinem Reiseblog.

(kri)