Lampedusa

17. Februar 2011 13:07; Akt: 17.02.2011 13:24 Print

Schweizer sollen Flüchtlinge stoppen

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex will gegen die Flüchtlingsströme aus Tunesien vorgehen. Die Schweiz könnte an vorderster Front mit dabei sein.

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Wegen des Flüchtlingsansturms wird nun auch die EU- Grenzschutzagentur aktiv. Frontex habe an die Mitgliedsstaaten, darunter die Schweiz, eine Anfrage geschickt. Dies sagte die Sprecherin der Eidg. Zollverwaltung, Stefanie Widmer, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Ob die Schweiz der Frontex mit Fachleuten aushilft, ist noch nicht entschieden. «Das Grenzwachkorps steht einem Einsatz sehr positiv gegenüber», sagte Widmer. Jedoch müsse zunächst abgeklärt werden, ob und wer allenfalls zum Einsatz kommen könnte.

Falls es grünes Licht gibt, wäre dies der erste Einsatz von Schweizer Grenzwächtern im Rahmen einer Frontex-Operation. Die Schweiz kann erst seit Ende Januar bei Frontex mitmachen, da das Grenzwachkorps und die EU-Agentur erst zu diesem Zeitpunkt die letzte dafür nötige Vereinbarung unterzeichnet haben.

Für Einsätze im Ausland sind 30 Schweizer Grenzwächterinnen und Grenzwächter ausgebildet. Zeitgleich sollen aber jeweils höchstens fünf Leute entsendet werden. Für einen Einsatz in Italien kämen am ehesten Dokumentenspezialisten und Experten für die Überwachung aus der Luft in Frage, sagte Widmer.

Flüchtlingswelle gestoppt

Schlechtes Wetter und die stärkeren Kontrollen tunesischer Behörden an den Küsten haben derweil die Flüchtlingswelle in Richtung Süditalien vorerst gestoppt. Den dritten Tag in Folge wurden auf der Insel Lampedusa zwischen Sizilien und Tunesien keine Landungen von Flüchtlingen gemeldet.

Sorge besteht jedoch wegen Gerüchten über ein Boot mit 500 Migranten an Bord: Dieses soll Tunesien am Dienstag verlassen haben, traf aber nie auf Lampedusa ein. Eine Suchaktion der Küstenwache verlief bislang ergebnislos, wie italienische Medien am Donnerstag berichteten.

Hungerstreik angekündigt

Rund 1800 Migranten befinden sich derzeit auf Lampedusa. Sie wurden im Auffanglager der Insel untergebracht, das jedoch nur für 850 Menschen gebaut wurde.

Gemäss Medienberichten wollen hunderte Flüchtlinge mit einem Hungerstreik auf ihre Lage aufmerksam machen. So klagen viele, sie erhielten zu wenig zu essen.

In ihrer Not drangen sechs Flüchtlinge in die unbewohnte Villa des italienischen Popsängers Claudio Baglioni ein und übernachteten dort. Es wurden gemäss den Behörden keine Schäden angerichtet. Die Eindringlinge verbrauchten nur die Lebensmittel in der Küche des Popstars.

Angst geht um

Die Flüchtlinge fürchten auch, dass sie wie vor dem Sturz des tunesischen Diktators Ben Ali Mitte Januar umgehend in ihre Heimat zurückgeschickt werden.

Die 5300 Bewohner Lampedusas sind wiederum wegen der Zahl der Flüchtlinge besorgt. Bürgermeister Bernardino De Rubeis warnte, die Insel werde zusammenbrechen, sollten weitere Menschen eintreffen.

Trotz De Rubeis' Appell, Lampedusa so schnell wie möglich zu entlasten, sollten auch am Donnerstag nur einige wenige minderjährige Flüchtlinge per Fähre weggebracht werden.

(sda)