Vor Gouverneurssitz

11. Februar 2011 06:08; Akt: 11.02.2011 10:08 Print

Tunesierin zündet sich selbst an

Eine Frau schwebt in Lebensgefahr, nachdem sie sich in Monastir in Brand gesetzt hat. Sie konnte sich die Krebs-Medikamente für ihren Mann nicht leisten.

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Menschenrechtsaktivistin Sihem Bensedrine (rechts) diskutiert am 7. Februar 2011 mit einem Armeeoffizier vor dem Parlament in Tunis. Islamistenführer Rached Ghannouchi kehrt aus seinem Exil zurück. Die Demonstranten blieben in der Nacht auf den 24. Januar trotz Ausgangssperre auf den Strassen von Tunis. Sie fordern eine Regierung ohne Vertreter des gestürzten Präsidenten Ben Ali. Ein Demonstrationszug von hunderten Tunesiern aus der verarmten Zentralregion des Landes hat am 23.1.2011 Tunis erreicht. Unter Rufen wie «Das Volk ist gekommen, um die Regierung zu stürzen!» zog die Menge durch die Hauptstadt. Erste Vermögenswerte des Ex-Präsidenten Zine Ben Ali und seiner Frau Leila Trabalsi sind in der Schweiz aufgetaucht. Am 22. Januar schliesst sich auch die bis dahin gefürchtete Polizei den tunesischen Demonstranten an. Viele Tunesier in Frankreich planen ihre Rückkehr. Ben Alis Frau Leila Trabelsi hat gut lachen: Sie hat die Zentralbank um 1,5 Tonnen Gold erleichert. 19. Januar: Auch gegen die neue Übergangsregierung gehen die Leute auf die Strasse. Soldaten im Zentrum von Tunis. Die Armee hat am 16. Januar einen Angriff von Anhängern des gestürzten Ben Ali beim Präsidentenpalast abgewehrt. Das Bild zeigt den Hof des präsidialen «Karthago-Palastes» bei Tunis. Am 3. Januar empfing Präsident Zine al-Abidine Ben Ali (rechts auf dem Teppich) noch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Ein möglicher erster Lynchjustiz-Fall? Hintergrund ist der gewaltsame Tod von Imed Trabelsi. Der als Symbol für Korruption und andere krumme Machenschaften geltende Geschäftsmann wurde am 14.1.2011 von Unbekannten erstochen. Er war der Neffe von Ben Alis Ehefrau Leila. Das Haus von Belhassen Trabelsi, dem Bruder von Leila, wurde verwüstet. In 24 Stunden wurden in Tunesien zwei neue Präsidenten vereidigt. Zuerst räumte Machthaber Ben Ali Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi (rechts) das Feld. Am 15. Januar 2011 übernahm Foued Mbazaa (links), der Präsident des Unterhauses des Parlaments. Auch am 15. Januar kam es zu Gewalt und Plünderungen. Hier ein ausgebrannter Laden in Den Den, ausserhalb der Hauptstadt Tunis. Diese Gruppe von Männern hat eine Strassenbarrikade errichtet und steht Wache in La Gazella, in der Nähe von Tunis. Auf dem Flughafen in Tunis herrscht Hochbetrieb. Die Touristen wollen ausreisen. In andern arabischen Ländern finden Kundgebungen zur Unterstützung des Umsturzes in Tunesien statt. Hier in der jordanischen Hauptstadt Amman. In Kairo wird eine Sympathiekundgebung von der Polizei scharf bewacht. Die Ankündigungen von Tunesiens Präsident Zine el Abidine Ben Ali reichen den Demonstranten nicht: Am 14. Januar fordern sie seinen sofortigen Rücktritt. Mit ihrem Protest sind die Demonstranten erfolgreich. Am 14. Januar verlässt Ben Ali das Land. An den Demonstrationen warfen die Menschen dem tunesischen Präsidenten vor, dass zahlreiche Menschen während der Proteste getötet wurden. Präsident Zine el Abidine Ben Ali hat am 13. Januar angekündigt, nach Ablauf seiner Amtsperiode nicht mehr zur Wahl anzutereten. Die Proteste in der Hauptstadt Tunis nehmen derweil zu. Medienberichten zu Folge ziehen die Massen in Richtung Innenministerium. Während den Protesten kam es zu zahlreichen Toten und Verletzten. In Tunis herrschte zeitweise Ausnahmezustand. Das EDA ruft am 13. Januar 2011 dazu auf, nicht nach Tunesien zu reisen. Während den Kämpfen wurde eine 67-jährige Schweizerin am 13. Januar durch einen Kopfschuss getötet. Schütze war offenbar ein Polizist. Die Zerstörung in Tunis ist stellenweise gross. Die Perspektivenlosikeit der Jugend in Tunesien manifestiert sich in Strassenschlachten. In der Stadt Sidi Bouzid eskalieren die Proteste. Ein 17-Jähriger hatte sich zuvor aus Hoffnungslosigkeit angezündet und so die Proteste ausgelöst. Seither kämpfen Jugendliche auf den Strassen gegen die Polizei. Die Proteste weiten sich aus: Auch in der Hauptstadt Tunis brannten Busse.

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In Tunesien hat sich erneut ein Mensch in einer Protestaktion selbst in Brand gesetzt. Eine Frau zündete sich am Donnerstag vor dem Gouverneurssitz in der Stadt Monastir selbst an, wie die staatliche Nachrichtenagentur TAP berichtete.

Die Frau aus Sfax, der zweitgrössten Stadt Tunesiens, habe Verbrennungen dritten Grades erlitten und schwebe in Lebensgefahr, berichtete die Agentur unter Berufung auf Mediziner. Nach Angaben ihrer Schwester hatte die Frau Probleme, Medikamente für ihren krebskranken Mann zu bekommen.

Sturz wegen Selbstverbrennung

Die Unruhen in Tunesien, die Mitte Januar zum Sturz von Präsident Zine El Abidine Ben Ali geführt hatten, waren am 17. Dezember durch die Selbstverbrennung eines jungen Tunesiers ausgelöst worden.

Der arbeitslose Akademiker Mohamed Bouazizi zündete sich in der Stadt Sidi Bouzid selbst an, nachdem ihn die Polizei daran gehindert hatte, Gemüse und Obst für seinen Lebensunterhalt zu verkaufen.

Der Mann, der später seinen Verletzungen erlag, löste damit wochenlange Proteste gegen Arbeitslosigkeit, Korruption und politische Unterdrückung aus. In mehreren arabischen Ländern löste die Revolte in Tunesien ebenfalls regierungskritische Proteste aus.

(sda)