Libyen in Aufruhr

20. Februar 2011 20:42; Akt: 21.03.2011 16:54 Print

Gaddafi droht EU mit Flüchtlingen

Libyen könnte bald keine afrikanischen Flüchtlinge mehr abfangen. Denn Tripolis ist erzürnt über die europäische Sympathie für die Demokratiebewegung.

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Muammar Gaddafi (rechts) könnte Flüchtlinge ungehindert nach Europa ziehen lassen. Im Bild: Flüchtlinge schreiben: «Tunesien hurra! Demokratie 4. Januar» auf eine Strasse in Lampedusa.

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Sollte die Europäische Union pro-demokratische Demonstrationen weiter ermutigen, wolle Libyen die Zusammenarbeit in Flüchtlingsfragen beenden. Dies sei dem ungarischen Botschafter in Libyen mitgeteilt worden, sagte ein Sprecher der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft am Sonntag in Brüssel.

Nach den Protesten gegen Machthaber Muammar Gaddafi forderte Grossbritannien die Regierung in Tripolis zu Reformen und einem Dialog mit den Demonstranten auf. Das harte Durchgreifen der Regierung sei inakzeptabel und werde weltweit verurteilt, sagte Aussenminister William Hague am Sonntag Seif al Islam, einer der Söhne Gaddafis, in einem Telefonat.

EU-Aussenministerin Catherine Ashton ermahnte am Sonntagabend Libyen zum Ende der Gewalttätigkeiten. Ashton zeigte sich anlässlich eines Sondertreffens von EU-Aussenministern zur Lage in der islamischen Welt beunruhigt über die Entwicklung in Libyen. Dieser Einschätzung schlossen sich die Minister an.

Libyen hatte in den vergangenen Monaten im Auftrag der EU verstärkt Flüchtlinge aus dem Süden des afrikanischen Kontinents abgefangen und zurückgeschickt. Die EU versucht, die Ströme aus dem Süden über das Mittelmeer wie auch über die Türkei und Griechenland in den Griff zu bekommen.

Brutales Regime - Soldaten wechseln die Seiten

Die Lage in Libyen spitzte sich auch am Sonntag immer weiter zu. Muammar Gaddafi geht mit äusserster Gewalt gegen die Protestbewegung in seinem Land vor. In der rund eine Million Einwohner zählenden zweitgrössten Stadt Benghasi schossen Sicherheitskräfte am Sonntag mit Maschinengewehren in einen Trauerzug für getötete Demonstranten.

Der Leiter der Intensivstation eines Spitals in Benghasi sagte, 50 Menschen seien allein am Sonntag getötet worden, rund 100 weitere seien schwer verletzt. «Heute hat sich eine echte Tragödie abgespielt», berichtete der Arzt per Telefon gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.

In der Hafenstadt versammelten sich erneut Zehntausende Menschen, um gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi zu protestieren. Teile der Streitkräfte sollen sich den Aufständischen angeschlossen haben. Einige Städte Libyens sollen laut Oppositionellen ganz oder zum Teil «befreit» sein, wie die Nachrichtenagentur dpa meldete.

Unruhen auch in Tripolis

Gemäss einem Bericht des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira kam es am Sonntag aber auch in der libyschen Hauptstadt Tripolis zu Zusammenstössen zwischen Tausenden Demonstranten und Gaddafi- Unterstützern. Ein Hotelangestellter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es gebe Unruhen. Augenzeugen berichteten von Schüssen und brennenden Autos.

(sda/ap)