Aufruhr

15. März 2011 15:56; Akt: 15.03.2011 16:13 Print

Erstmals Proteste in Syrien

Eine Gruppe von rund 200 vorwiegend jungen Demonstranten hat am Dienstag in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad demonstriert.

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In Kairo kam es gleichentags vor der syrischen Botschaft zu Auseinandersetzungen zwischen Assad-Anhängern und Regierungsgenern. (Bild: Keystone/AP)

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Die Demonstranten, die anschliessend Videoaufnahmen ihrer Kundgebung im Internet veröffentlichten, riefen am Dienstag: «Gott, Syrien, Freiheit und sonst nichts!» Augenzeugen im Hamidijeh-Viertel berichteten, die Polizei habe die Kundgebung aufgelöst und drei der Demonstranten festgenommen.

In Syrien, wo Regimegegner schon wegen harmloser Kritik oft zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt werden, war es nach Beginn der Protestwelle in mehreren arabischen Ländern zunächst ruhig geblieben. Aktivisten hatten über das soziale Netzwerk Facebook für diesen Dienstag zu einer Kundgebung unter dem Motto «Revolution bis zur Freiheit» aufgerufen.

Video der Proteste in Damaskus. (Quelle: YouTube)

Oppositioneller und Autor zu Haftstrafe verurteilt

Am Montag hat ein Militärgericht in Syrien den Oppositionellen und Autor Ali Abdallah wegen «Schädigung der Beziehungen Syriens zu einem anderen Land» zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Abdallah hatte sich kritisch zu den Wahlen im Iran 2009 geäussert. Wie syrische Menschenrechtsorganisationen mitteilten, hatte das Gericht Abdallah zunächst zu drei Jahren Haft verurteilt. Später wurde die Haftdauer halbiert.

Der 61-jährige Autor hatte im Zusammenhang mit Bekundungen für die Demokratie bereits ab Dezember 2007 eine zweieinhalbjährige Gefängnisstrafe verbüsst. Er hätte eigentlich im Juni 2010 auf freien Fuss kommen sollen.

Nach Darstellung einer Menschenrechtsorganisation blieb er seitdem aber wegen Äusserungen, die er im Gefängnis zu den syrisch- libanesischen Beziehungen und zu den umstrittenen Wahlen im Iran im Jahr 2009 machte, weiterhin in Haft. Wegen dieser Äusserungen wurde er nun erneut verurteilt.

Mehrere syrische Menschenrechtsorganisationen forderten in einer Erklärung, die Vorwürfe gegen Abdallah fallenzulassen und ihn sofort freizulassen. Die Regierung müsse sich «ernsthaft dafür einsetzen», sämtliche Hindernisse aufzuheben, die politischen Aktivitäten in Syrien entgegenstünden.

(sda)