Unruhen in Ägypten

31. Januar 2011 11:33; Akt: 31.01.2011 14:00 Print

Geköpfte Mumien im Ägyptischen Museum

Die Unruhen in Ägypten bedrohen auch die Kulturschätze des Landes. Die Wut der Demonstraten machte auch vor dem Ägyptischen Museum nicht Halt.

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Teile einer Mumie, die bei den Ausschreitungen zerstört wurde. (Bild: Keystone)

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Anarchie und Chaos in Ägypten lassen Kriminelle zunehmend vom grossen Coup träumen. Auch die grösste Schatzkammer der 4000-jährigen Kulturgeschichte des Landes der Pharaonen, das Ägyptische Museum, blieb von Plünderungsversuchen nicht verschont. Die Schadensbilanz war zunächst glimpflich: Zwei Mumien wurde der Kopf abgerissen, rund zehn Artefakte aus Glasvitrinen gerissen und beschädigt, der Museumsladen verwüstet.

Der Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, sagte, es sei den Vandalen nicht gelungen, auch nur eine der Antiquitäten des Museums zu stehlen. Nachdem die Streitkräfte den Schutz des Gebäudes übernommen hätten, sei die Sammlung – darunter die Tutanchamun-Ausstellung mit der berühmten Goldmaske des Pharaos – sicher.

Zunächst hatten in der Nacht zum Samstag Demonstranten während des Sturms auf die benachbarte Zentrale der Regierungspartei NDP mit einer Menschenkette um das Museum die ersten Plünderer abgewehrt. «Wir sind nicht in Bagdad», rief ein Mann. Nach dem Irakkrieg 2003 hatten Plünderer unbehelligt Tausende Kunstwerke aus dem Nationalmuseum der irakischen Hauptstadt gestohlen. Hawass sah mit Schrecken die mehrstöckige Parteizentrale in Flammen aufgehen. «Wenn das Gebäude zerstört wird, wird es auf das Museum stürzen», sagte er. «Das macht mir Angst.»

«Verlust für die gesamte Menschheit»

Am frühen Samstagmorgen umstellten Soldaten das Museum, das jährlich von Millionen von Touristen besucht wird. Auch internationale Kunstliebhaber sorgten sich um die Sicherheit der mehreren tausend Artefakte aus der Zeit der Pharaonen. «Es ist der grösste Speicher der ägyptischen Kunst», sagte der Direktor der Metropolitan Museums der Künste in New York, Thomas Campbell, in einem Telefoninterview. «Es ist die Schatzkammer mit den schönsten Skulpturen und Kostbarkeiten aus 4000 Jahren Geschichte. Wenn es von Feuer oder Plünderern beschädigt wird, wäre das ein Verlust für die gesamte Menschheit.»

Aus Sorge vor Plünderungen archäologischer Stätten von unschätzbarem Wert sicherten Panzer des Heeres auch die Pyramiden von Giseh, die Tempelstadt Luxor und andere Monumente. Hawass lobte den Einsatz der jungen Demonstranten, die vor Eintreffen der Soldaten die erste Plünderungswelle abgewehrt hatten. «Es ist ihnen gelungen, sie zu stoppen.» Hawass ist auch in Europa bekannt geworden, weil er seit Jahren offensiv die Rückgabe ägyptischer Altertümer fordert, die in der Zeit der grossen Entdecker nach Europa gebracht wurden, etwa die Büste der Nofretete in Berlin.

(pbl/ap)