Ali Abdullah Saleh

26. Mai 2011 06:15; Akt: 26.05.2011 06:21 Print

«Ich befolge keine Befehle von aussen»

Die USA erhöhen den Druck auf den jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh und ziehen ihr Botschaftspersonal ab. Saleh will von Rücktritt weiter nichts wissen.

storybild

Rauch steigt über der umkämpften Hauptstadt Sanaa auf.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das US-Aussenministerium hat wegen der sich verschlechternden Lage im Jemen Diplomaten zum Verlassen des Landes aufgefordert. Von der am Mittwoch erteilten Anordnung sind die meisten der nicht unbedingt für die Arbeit der US-Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa erforderlichen Mitarbeiter betroffen, sowie Familienangehörige der Mitarbeiter der Botschaft. Auch privaten US-Bürgern im Jemen wurde eine Ausreise nahegelegt.

«Der Grad der Sicherheitsbedrohung im Jemen ist extrem hoch wegen terroristischer Aktivitäten und Bürgerunruhen», hiess es in der Warnung des Aussenministeriums. Die gewaltsamen Zusammenstösse in Sanaa könnten «ohne Ankündigung eskalieren».

69 Tote seit Montag

Die Warnung des US-Aussenministeriums ist ein Zeichen zunehmender Sorgen der USA mit Blick auf die Lage im Jemen. Dort kam es am Mittwoch den dritten Tag in Folge zu blutigen Strassenkämpfen zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Ali Abdullah Saleh. Die Zahl der seit Montag bei Kämpfen im Jemen getöteten Menschen ist nach Angaben der Regierung sowie der gegnerischen Stämme auf 69 gestiegen. Am Mittwochabend (Ortszeit) wurden in der Hauptstadt Sanaa Wohngebiete mit schweren Waffen beschossen, berichteten Anwohner.

Aber auch gut 30 Kilometer nordwestlich von Sanaa kam es zu Zusammenstössen zwischen Truppen von Ali Abdullah Salehs Präsidentengarde und örtlichen Stammesmitgliedern. Dabei starben einem Angehörigen der Streitkräfte zufolge sechs Soldaten, während 21 weitere verwundet wurden. Es war unklar, ob auch Stammeskämpfer getötet wurden.

Obama will Salehs Rücktritt

US-Präsident Barack Obama rief in London Saleh auf, ein ausgehandeltes Abkommen für eine Machtübergabe unverzüglich umzusetzen. Saleh ist mündlichen Verpflichtungen, zurückzutreten, bislang nicht nachgekommen.

Saleh trotze am Mittwoch den gegen ihn erhobenen Rücktrittsforderungen und erklärte, er werde die Macht nicht abgeben und das Land nicht verlassen. Er werde nicht zulassen, dass der Jemen zu einem Zufluchtsort für Al-Kaida-Kämpfer werde. «Ich befolge keine Anweisungen von aussen», wurde Saleh von seinem Sprecher Ahmed al Sufi zitiert. Er bezog sich damit auf die Vermittlungsbemühungen des Golfkooperationsrats. Gleichzeitig versicherte der Präsident, er werde versuchen, ein Abgleiten des Landes in einen Bürgerkrieg zu verhindern.

Die jüngsten Gefechte in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa brachen am Montag aus. Zu Wochenbeginn versuchten Salehs Truppen, das Haus des einflussreichen Stammesführers Scheich Sadek al Ahmar zu stürmen. Hunderte Stammeskämpfer reagierten mit Angriffen auf Regierungssoldaten.

(sda/ap)