Ägypten

27. Januar 2011 13:43; Akt: 27.01.2011 14:14 Print

Der Mann mit der weissen Weste

Mit dem Friedensnobelpreisträger Mohammed Al-Baradei hat sich ein politisches Schwergewicht der ägyptischen Opposition in die Proteste gegen Präsident Hosni Mubarak eingeschaltet.

Fehler gesehen?

Mohammed al-Baradei ist ein arabischer Oppositioneller nach westlichem Geschmack. Der Karrierediplomat ist weltgewandt. Als Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hatte er versucht, im Konflikt mit dem Iran Neutralität zu bewahren.

Der ägyptische Muslim lebt seinen Glauben auf moderate Art und hat sich von den oppositionellen Muslimbrüdern, die eine Zeitlang seine Nähe suchten, nie vereinnahmen lassen.

Baradei, der in Ägypten und den USA Jura studiert hatte, startete seine Karriere 1964 im Aussenministerium in Kairo. Später wurde er an die ägyptischen Vertretungen bei den Vereinten Nationen in New York und Genf geschickt. 1984 wechselte er nach Wien zur IAEA.

Als er 1997 schliesslich zum Generaldirektor der Organisation ernannt wurde, war die ägyptische Regierung gar nicht glücklich darüber - sie hätte lieber einen anderen ägyptischen Diplomaten auf diesem Posten gesehen.

Auch über den Friedensnobelpreis, den er 2005 erhielt, freuten sich die Funktionäre in Kairo nicht sonderlich. Denn Baradei hatte schon damals eine distanzierte Haltung zur ägyptischen Regierung.

Ernüchterung nach der Rückkehr

Vier Monate nach seiner Pensionierung kehrte der 68-Jährige im Februar 2010 nach Kairo zurück, wo ihn linke und liberale Oppositionelle als neuen Hoffnungsträger und potenziellen Präsidentschaftskandidaten empfingen. Der pensionierte Diplomat liess sich von dieser Welle der Begeisterung zunächst tragen.

Doch schon bald stellte er ernüchtert fest, dass sich die ägyptische Regierung von seinen Reformvorschlägen nicht beeindrucken liess und dass die Schlagkraft der Opposition sehr gering ist, weil sich die einzelnen Gruppen nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen können.

Als die staatlichen Medien dann auch noch eine Kampagne gegen seine Familie startete, zog er sich weitgehend aus dem politischen Geschäft zurück und verbrachte wieder viel Zeit in Wien.

(sda)