Bürgerkrieg in Syrien

20. Januar 2012 15:04; Akt: 20.01.2012 20:40 Print

Jetzt mischt die Hisbollah mit

Gefährliche Entwicklung des Krieges zwischen Aufständischen und Anhängern Assads: Laut Augenzeugen sind Hisbollah-Kämpfer aus dem Libanon nach Syrien unterwegs, um das Regime zu unterstützen.

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Der Bürgerkrieg in Syrien weitet sich aus. Aktivisten berichteten am Freitag von Hisbollah-Kämpfern, die aus Libanon nach Syrien unterwegs seien zur Unterstützung des Assad-Regimes.

In der Nähe des Grenzübergangs Masnaa seien Dutzende von Fahrzeugen mit Kämpfern der libanesischen Schiiten-Bewegung Hisbollah gesichtet worden. Sie seien über eine normalerweise nur vom Militär genutzte Strasse von Libanon nach Syrien gefahren.

Sie hätten Kampfesparolen gerufen und geschworen, der alawitischen Minderheit zu helfen, der Syriens Präsident Baschar al-Assad angehört.

Gleichzeitig meldeten die Aktivisten unter Berufung auf einen Offizier der libanesischen Armee, es gebe Pläne, die grenznahe syrische Ortschaft Al-Sabadani einzunehmen.

Kollaborateur getötet

Dort hatte es diese Woche nach Kämpfen zwischen Deserteuren und Regierungstruppen eine Art «Waffenruhe» gegeben. Assad soll die libanesische Regierung aufgefordert haben, den Waffenschmuggel über die Grenze nach Al-Sabadani zu unterbinden.

In der südlichen Provinz Daraa sollen Angehörige der Sicherheitskräfte einen Offizier der Abteilung «Politische Sicherheit» getötet haben. Dieser habe heimlich mit den «Revolutionären» zusammengearbeitet, meldete die Protestbewegung.

Aus der nordwestlichen Provinz Idlib wurden Gefechte zwischen Armee-Einheiten und Deserteuren gemeldet. Zugleich sollen dort die Leichen von sechs Männern, die zwei Tage zuvor verschwunden waren, ihren Familien übergeben worden sein.

Entscheid über Liga-Mission

In Kairo ist inzwischen der Leiter der Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien, der sudanesische General Mohammed al-Dabi, eingetroffen.

Er hat einen Bericht über den einmonatigen Beobachtereinsatz vorbereitet, der am Wochenende bei der Arabischen Liga diskutiert werden soll.

Die Liga will daraufhin entscheiden, ob der von vielen Beobachtern als erfolglos eingestufte Einsatz verlängert werden soll oder nicht. Zwei ranhohe Liga-Vertreter sagten bereits am Freitag in Kairo, die Beobachtermission werde vermutlich verlängert.

«Alles deutet darauf hin, dass das Mandat der Mission in Syrien verlängert wird und die Zahl der Beobachter auf rund 300 ansteigt», sagte ein Vertreter des Staatenbunds am Freitag. Die Beobachter sollen demnach einen weiteren Monat vor Ort bleiben.

Forderung nach UNO-Intervention

Seit dem 26. Dezember sind in Syrien etwa 150 arabische Beobachter im Einsatz. Die Mission wird vor allem von der syrischen Opposition kritisiert, weil die Gewalt im Land trotz des Beobachtereinsatzes anhält. Kritikern zufolge konnte Assad unter dem Deckmantel eines diplomatischen Entgegenkommens weiter gegen seine Gegner vorgehen.

Am Freitag sollen gemäss der Syrischen Beobachterstelle für Menschenrechte mit Sitz in Grossbritannien erneut fünf Zivilisten gestorben sein. Seit dem Beginn der Massenproteste gegen Assad Mitte März wurden in Syrien nach UNO-Angaben mehr als 5400 Menschen getötet.

Nach dem Freitagsgebet gingen landesweit erneut tausende Menschen auf die Strassen und forderten den UNO-Sicherheitsrat auf, Stellung zu beziehen und sich gegen die Gewalt im Land einzusetzen.

Das Gremium hat bisher auf Druck der Vetomächte Russland und China keine Resolution zu Syrien verabschiedet. Die Opposition fordert inzwischen vor allem eine Flugverbotszone über Syrien, wie sie die NATO auf Grundlage eines UNO-Beschlusses über Libyen durchgesetzt hatte.

(sda)