US-Wahlen

03. Oktober 2008 13:05; Akt: 03.10.2008 13:29 Print

Palin punktet – Biden gewinnt

von Peter Blunschi - Sarah Palin schlug sich in der Debatte mit Joe Biden besser als erwartet. Politbeobachter in den USA sind sich jedoch einig: Sie hat den Abwärtstrend der Republikaner bestenfalls gebremst, nicht aber gestoppt.

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Die ersten Schnellumfragen nach der 90-minütigen Debatte zeigten ein klares Bild: Von den 611 Zuschauern der Debatte in St. Louis, die von CNN befragt wurden, sahen 51 Prozent Biden als Sieger, nur 36 Prozent votierten für Palin. Jene des TV-Senders CBS unter 473 bislang unentschlossenen Wählern ergab 46 Prozent für dem Demokraten und nur 21 Prozent für die Republikanerin. 33 Prozent beurteilten das Duell als unentschieden.

Die Gouverneurin von Alaska hatte sich nach den desaströsen Interviews der letzten Woche aufgefangen, doch sie konnte sich gegen den routinierten Senator aus Delaware nicht entscheidend durchsetzen. «Ihre Vorstellung war fehlerfrei, hatte aber auch wenig Substanz», so der Kommentar von CNN. Sarah Palins Voten waren durch eine rustikal-volkstümliche Sprache gekennzeichnet, garniert mit jovialen Ausdrücken wie «heck» und «darn». Inhaltlich aber kam sie oft nicht über Allgemeinplätze hinaus.

Palin mit Plattitüden

Wer sie aus Alaska kannte, war nicht überrascht. Andrew Halcro, ein Republikaner, der 2006 gegen Palin als Unabhängiger für die Gouverneursposten kandidiert und verloren hatte, fühlte sich an die damaligen Debatten erinnert: «Viele Plattitüden, in einem populistischen Tonfall.» Häufig beantwortete sie die gestellten Fragen gar nicht – was sie sogar offen angekündigt hatte – sondern begnügte sich damit, ihre Standpunkte vorzutragen. Vieles wirkte nach Ansicht von Beobachtern einstudiert.

Joe Biden hingegen schöpfte aus seiner langjährigen Erfahrung im US-Senat. Er leistete sich keinen seiner berüchtigten Faux-Pas, auch nicht gegenüber Sarah Palin. Durch ihre kumpelhafte Frage «Darf ich Sie Joe nennen?» liess er sich nicht aufs Glatteis führen, er sprach sie konsequent-respektvoll als «Gouverneurin Palin» an. Und er attackierte weniger sie als John McCain, den er als treuen Bush-Gefolgsmann darstellte. Am Ende punktete er mit Emotionen, als er an seine Rolle als alleinerziehender Vater nach dem Unfalltod seiner Frau erinnerte.

Debatte ist «nächste Woche vergessen»

Damit kam er beim Publikum offensichtlich besser weg als seine Gegnerin. Konservative Kommentatoren zeigten sich dennoch erfreut, dass Palin die – niedrigen – Erwartungen übertreffen konnte. «Ihre Vorstellung wird der konservativen Basis neue Energie zuführen», sagte der Politberater Nelson Warfield der «New York Times». Weniger zuversichtlich zeigte sich Todd Harris, der für John McCains Präsidentschaftskampagne 2000 gearbeitet hatte. Palins Auftritt werde «helfen, die Blutungen zu stoppen». Am Trend werde er aber nichts ändern, «besonders nicht in einigen Wackelstaaten».

Seine Einschätzung wird von unabhängigen Beobachtern geteilt. Sarah Palin habe «weder gewonnen, noch verloren», meinte Larry Sabato, Politikprofessor an der Universität von Virginia, gegenüber CNN. Die Debatte werde «nächste Woche vergessen sein». Auch der Kommentator des «Wall Street Journal» sprach von einer «faszinierenden Nebenhandlung», die kaum viele Meinungen geändert habe. Larry Sabato verwies darauf, dass «die Vize-Kandidaten wie gewohnt das Endresultat kaum beeinflussen werden». Denn letztlich wählen die Amerikaner nicht einen Stellvertreter, sondern den Präsidenten. Und die nächste Debatte zwischen John McCain und Barack Obama findet am kommenden Dienstag statt.