Waffenschutzinitiative

20. Januar 2011 11:05; Akt: 03.02.2011 20:26 Print

Fragwürdige Propaganda mit Schützenkönig

von Ronny Nicolussi - Abstimmen darf Robin Huber (13) noch nicht, werben aber schon. Initiativ-Gegner haben den Sieger des Knabenschiessens als Werbeträger entdeckt.

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Würde gegen die Waffenschutzinitiative stimmen - wenn er könnte: Robin Huber, Schützenkönig mit Jahrgang 1997. (Bild: zvg)

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Bis Robin Huber erstmals bei einer eidgenössischen Abstimmung einen Stimmzettel in die Urne werfen darf, dauert es noch viereinhalb Jahre. Aber bereits heute engagiert sich der Teenager gegen die Volksinitiative für den Schutz vor Waffengewalt. Der 13-Jährige, der im vergangenen September das Zürcher Knabenschiessen gewann, wirbt auf einem Flyer für ein Nein zur «nutzlosen Waffeninitiative».

Der amtierende Schützenkönig aus Guntalingen im Zürcher Weinland wird mit den Worten zitiert: «Wenn diä Initiative vom Volk aagnoh würdi, bin ich dä letscht Schützekönig am Zürcher Knabeschüsse gsi. Mir dörfed das schöni Fäscht nöd gfördä.» Ob das wirklich so ist, darüber ist sich Huber nicht so sicher, wie er auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt: «Man hat mir gesagt, dass die, die nicht in einem Verein sind, künftig nicht mehr schiessen dürfen.» Was im Initiativtext steht, weiss der 13-Jährige nicht. Vom Fernsehen und aus Zeitungen wisse er aber schon, worum es gehe, so der Schützenkönig.

Offenbar wurde er von seinem Schiessverein angefragt, ob er für den Flyer posieren würde, und war damit einverstanden. Daraufhin habe er Besuch von Urs Stähli, dem Präsidenten des Zürcher Schiesssportverbands, erhalten. «Dieser hat ein paar Vorschläge gemacht, was man schreiben könnte, und ich habe gesagt, was ich davon halte», erzählt Huber.

Konsequenzen mit Familie diskutiert

Stähli räumt ein, dass das kantonalzürcherische Nein-Komitee den Schützenkönig und die anderen sechs Werbeträger angefragt habe, ob sie bereit wären, mit einer zu ihnen passenden Aussage gegen die Initiative hinzustehen: «Bei Robin haben wir zusammen mit seiner Familie auch die Konsequenzen diskutiert. Schliesslich waren alle einverstanden.»

Die Aussage, für die Robin Huber nun den Kopf hinhält, es werde bei einem Ja zur Waffenschutzinitiative kein Knabenschiessen mehr geben, ist jedoch fraglich. Zumal das Knabenschiessen mit Leihwaffen bestritten wird und nicht mit Armeewaffen, die im Zeughaus deponiert werden müssten. Stähli sieht das Problem aber weniger bei der Waffe als beim Initiativtext: «Die Initianten wollen den Gebrauch von Schusswaffen neben Händlern, Jägern, Sammlern und Menschen, die berufsbedingt eine Waffe brauchen, nur noch lizenzierten Schützen, welche einen Bedarfs- und Fähigkeitsnachweis erbringen können, erlauben.» Daher sei er klar der Meinung, dass Breitensportanlässe wie das Knabenschiessen massiv in Gefahr seien. Gleichzeit gibt er zu: «Ich behaupte damit aber nicht, dass es keine Ausnahmeregelungen geben könne.»

«Ein Schütze, der für unsere Sache einsteht»

Die Aussage des Schützenkönigs auf dem Flyer ist hingegen absolut. Dass ein 13-Jähriger für Politpropaganda missbraucht wird, weist Stähli aber entschieden zurück. Robin Huber sei Mitglied des Militärschiessvereins Guntalingen und wisse sehr wohl, worum es bei dieser Abstimmung gehe: «Er ist ein Schütze und steht für unsere Sache ein.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David am 20.01.2011 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schützenfest

    Das Schützenfest kann auch so gefeiert werden. Mit bereitgestellten Waffen des Organisators. Dazu braucht es zuhause keine Waffe. Zudem kommt noch dazu, dass es dann fairer ist, wenn alle mit der gleichen Waffe schiessen müssen. Die Aussage des Schützenkönigs ist demnach irreführend und falsch.

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  • Hanni am 20.01.2011 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ungleiche Massstäbe

    Es ist schon interessant, wenn die Befürworter mit echten Vorfällen von Gewalttaten oder Suiziden Werbung machen, ist das offensichtlich nicht das Gleiche wie wenn ein "junger Schützenkönig" als betroffener Jungschütze sich gegen die Initiative wehrt!

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  • goei am 20.01.2011 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Leider schon so

    Dem muss ich mich leider anschliessen, pro-Rechte Kommentare werden so gut wie nie abgelichtet...schade! Und ich werde garantiert ein Nein zur Waffeninitiative einlegen, ansonsten könnten wir ja auch noch überall 10-er Zonen für Autos einrichten, dann gibt es garantiert keine Tote mehr, ah und natürlich müssten wir noch Züge verbieten, wegen den Suizidgefährdeten und alle Messer im Haushalt abgeben. Momment, eine Messer-Initiative ist ja schon im Gang...es wird einfach immer dümmer, der Staat sollte sich um wichtigeres Kümmern, oder wenigstens um unsere Anliegen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ady am 02.02.2011 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ausser Kontrolle

    Wenn man mir meine gekauften Waffen ohne Entschädigung wegnehmen würde,käme nur eines in Frage.Waffen voher verkaufen an Irgendjemand ob Schweizer oder nicht

  • ThoXY am 02.02.2011 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauch eines minderjährigen Drei-Käse-Hoch

    Ein minderjähriger Drei-Käse-Hoch, prepubertär, kennt Waffen vom Sport - und vielleicht noch von einem Computer-Game ... und hat selber keine Ahnung von der Initiative - und das ist gut so! Die Initiative richtet sich in keiner Weise gegen irgendeinen Sport. Das einzige, worüber abgestimmt wird, ist der Aufbewahrungsort der Armee-Waffe. Wo Sportler ihre Waffen versorgen, ist nicht Inhalt der Initiative. Ein Missbrauch des armen Buben!

  • Karsten T. am 31.01.2011 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Galade fordert Schulung für Schützen

    Im Bereich IPSC darf man ohne Prüfung zu keinem Wettkampf und wir hatten in ganz Deutschland noch nie einen Unfall im IPSC. So gut muss das obligatorische erst noch werden.

    • Radon am 07.02.2011 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      Schulung für alle ?

      Ich fordere Schulung für Frau Galade.....

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  • Marc-André am 29.01.2011 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Knabenschiessen ade!

    Wer nicht glaubt, dass das Knabenschiessen in Zukunft nicht mehr möglich wäre, soll bitte mal das Argumentarium der Befürworter lesen. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Minderjährige in Zukunft auch unter Aufsicht nicht mehr schiessen dürften!

    • Mike am 29.01.2011 19:05 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo Marc-André

      Du triffst genau den Nerv. Womit auch die Behauptung der Befürworter dahin, dass das Sportschiessen nicht betroffen sei. Wie soll in einer Sportart der Nachwuchs ausgebildet werden, wenn es gesetzlich verboten ist. Mit einer solchen Regelung wir der traditionellst Sport und der 2. grösste Sportverband der Schweiz innerhalb von wenigen Jahren wegen Nachwuchsmangels aufgelöst.

    • Trixi am 31.01.2011 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      Die "Knaben" haben auch keine Anwälte

      wie die Raser, die Schläger von München, Dieverse Messerstecher, Pablo S. (als aktueller Fall.. Und man kann so tun als ob man was für sicherheit getan hätte. Auch wenn noch nie ein Teilnehmer der Knabenschiessens mit der Waffe eine Straftat begangen hat. Die Gefahr geht von der Person aus, nicht von der Waffe.

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  • Radon am 27.01.2011 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Waffen heile Welt ?

    Nein für einen solch unsinnigen Vorschlag! Wer in einer Gesellschhaft mit strengstem Waffenverbot leben will, kann ja nach Kolumbien oder Ecuador auswandern - um dan neidisch auf die 200mal niederigere Verbrechensstatistik in CH (und D und Ö) zu schauen. Daß in den vielgescholtenen US-Staaten genau bei denjenigen Staaten, die in letzter Zeit die Waffengesetze weiter gelockert haben (incl. right-to-carry), die Verbrechensraten um 10 bis 50 % GESUNKEN sind, will ja auch keiner lesen.... geschweige denn mal seine Ohne-Waffen-heile-Welt-Ideologie zurechtzurücken!