Wendejahr 1989

06. November 2009 15:00; Akt: 06.11.2009 15:00 Print

Matthias Schweighöfer war traurig über Mauerfall

Dem in der DDR geborenen Schauspieler Matthias Schweighöfer hat der Fall der Mauer vor 20 Jahren gar nicht gepasst.

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Mit Wunderkerzen in den Händen freuen sich die Menschen auf der Berliner Mauer über die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze. Ein West-Berliner reicht ostdeutschen Grenzbeamten die Hand — doch die stehen der Sache noch skeptisch gegenüber. Tausende Ostler strömen noch in der Nacht zu den Grenzen, die nach und nach geöffnet werden. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 besuchen etwa 50 000 DDR-Bürger West-Berlin. Noch nie war es so leicht und gefahrlos für die DDR-Bürger, die ungeliebte Masuer zu überwinden, wie in dieser Nacht. West-Berliner (r.) helfen tatkräftig mit. Die Grenzpolizisten und -Soldaten der DDR sind von dem Ansturm überrascht und überfordert. Unter dem Druck der euphorischen Masse geben sie schliesslich nach und öffnen die Grenze. Dass die überraschten Grenzposten nicht schossen und alles friedlich blieb, empfanden viele als Wunder. Menschenmassen besetzen die Mauer vor dem Brandenburger Tor im Zentrum von Berlin. Aus dieser Forderung wird bald Realität: Am 3. Oktober 1990, nicht einmal ein Jahr nach dem Mauerfall, findet die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten statt. Jubel am Grenzübergang. Die DDR-Bürger übernahmen an jenem 9. November die Macht auf der Strasse. Ostdeutsche Grenzbeamte trotzen mit einem westlichen Regenschirm dem Regen. Was noch in der Nacht zuvor undenkbar — und lebensgefährlich — war, wird nun in aller Öffentlichkeit gemacht: ... ... Die Mauer wird demontiert. Alle Mittel werden dabei eingesetzt. Zwei Jungen präsentieren stolz ihre Mauertrophäen. Bald klaffen Lücken in dem verhassten Bauwerk. Nicht alle scheinen gleichermassen begeistert zu sein ... Am 10. November lassen die ostdeutschen Behörden weitere Breschen als improviserte Grenzübergänge in die Mauer schlagen. Auch am 10. November sammeln sich riesige Menschenmengen, hier vor dem Reichstagsgebäude. Trabis wagen sich nach Westen. Es scheint, als wolle die ganze DDR zugleich den Westen besichtigen. Egal, ob per Auto oder ... ... zu Fuss. Endlich ist die Grenze weg. Am 11. November stehen ostdeutsche Grenzer auf der Mauer, nachdem sie die feiernden Berliner von dem Bauwerk vertrieben haben. Gemeinsamer «Ost-West-Sonntagsspaziergang» am 12. November auf dem Berliner Kurfürstendamm. DDR-Bürger stehen am 13. November vor einer Bank in Westberlin an, um ihr Begrüssungsgeld in Empfang zu nehmen. Bald wird in Westberlin das Geld knapp – die Landeszentralbank lässt tonnenweise Geldscheine einfliegen.

Am 9. November 1989 fiel die Mauer

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«Mich hat es tierisch genervt, dass die Mauer gefallen ist, weil ich mich so gefreut hab auf dieses Halstuch», erinnert sich Schweighöfer in der Zeitschrift «Maxi» an seine Kindheit in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern. «Kurz danach wäre ich Thälmannpionier geworden. Dann hätte ich das rote Halstuch bekommen», sagte der Schauspieler, der damals acht Jahre alt war.

Während eines Ausflugs nach Berlin sei er dann aber doch neugierig zum Hertie-Kaufhaus am Kurfürstendamm gefahren und habe sich West-Süssigkeiten gekauft. Heute ist der aus Filmen wie «Soloalbum» oder «Keinohrhasen» bekannte Kinostar stolz, ein Ossi zu sein: «Ja, weil ich ein Teil der ostdeutschen Geschichte bin und später meiner Tochter erzählen kann, wie es wirklich war.»

(ap)