Symbolträchtige Proteste

12. Dezember 2010 14:53; Akt: 12.12.2010 23:47 Print

Wikileaks-Bewegung erobert Strasse

Tausende Wikileaks-Sympathisanten haben in mehreren Städten für die Freilassung von Julian Assange demonstriert. Vielen Demonstranten ist eines gemeinsam: die Vendetta-Maske.

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Schlechte Nachrichten für Wikileaks-Gründer Julian Assange: Ein britisches Gericht hat seiner Auslieferung nach Schweden zugestimmt. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich Anhänger von Assange und zeigten Transparente mit der Aufschrift «Lasst Julian Assange und Bradley Manning frei». Es nützte alles nichts. Seine Anwälte haben allerdings gegen den Entscheid des Gerichts bereits rekurriert. Julian Assange verlässt am 16. Dezember 2010 kurz nach 19 Uhr das Gerichtsgebäude in London. Es sei grossartig wieder den Duft der frischen Londoner Luft zu riechen, sagte er. Auf den Stufen des High Court spricht Assange zu seinen Unterstützern und den Medienvertretern. Unterstützung bekommt Julian Assange seit seiner Festnahme aus allen Ecken. In London hat unter anderen Jemima Khan Geld für die mögliche Kaution angeboten. Auch die Menschenrechtlerin Bianca Jagger, Ex-Frau von Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger, ... ... stand bei den Protesten vor dem Londoner Gerichtsgebäude. Filmregisseur Ken Loach, ... ... der pakistanische Schriftsteller Tariq Ali, ... ... Fatima Bhutto, die Nichte der ermordeten pakistanischen Premierministerin Benazir und... ... der Journalist John Pilger gingen ebenfalls auf die Strasse, um die Freilassung von Julian Assange zu fordern. Seine Mutter Christine Assange durfte ihn am 14. Dezember 2010 besuchen. Sie brachte eine Frage mit, die sie einen australischen Fernsehsender zu stellen bat: War es das Ganze wert? «Sicher», lautete Assanges Anwort. Selbst Regisseur Michael Moore hatte am 13. Dezember 2010 angekündigt, für Wikileaks einzustehen. Er werde sich mit 20 000 Dollar an einer Kaution beteiligen. Tausende Wikileaks-Sympathisanten haben am Wochenende vom 11. und 12. Dezember 2010 in mehreren Städten für die Freilassung von Julian Assange demonstriert. Vielen Demonstranten ist eines gemeinsam: die Vendetta-Maske. Sie skandierten «Freiheit für Assange!» und forderten, das Recht auf Informationsfreiheit zu achten. Viele Demonstranten trugen Vendetta-Masken oder ein Foto von Assange. Vendetta, Rache - und genau das wollen die Wikileaks-Anhänger auch mit ihren Cyber-Attacken auf postfinance.ch, Mastercard oder Visa. Die Masken, die nun getragen werden, sind ein Zitat aus einem Comic von Alan Moore. Es sind Geschichten von V, einem Anarchisten und Terroristen, der es mit dem autoritären Staat aufnimmt, ein moderner Robin Hood.

Vendetta-Masken oder Assange-Fotos: Die Pro-Wikileaks-Bewegung erobert die Strasse.

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Tausende Menschen haben am Wochenende in mehreren Ländern für die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange demonstriert. Die Festnahme des 39-Jährigen in London sei eine Verschwörung, um die Enthüllungsplattform mundtot zu machen, erklärten die Veranstalter einer Demonstration vor der britischen Botschaft in Madrid.

Dort und in anderen spanischen Städten wie Barcelona, Valencia und Sevilla gingen am Samstagabend Hunderte Wikileaks-Unterstützer auf die Strasse. Sie skandierten «Freiheit für Assange!» und forderten, das Recht auf Informationsfreiheit zu achten. Ähnliche Demonstrationen gab es in Assanges Heimat Australien sowie in mehreren Städten in Lateinamerika.

Viele Demonstranten trugen Vendetta-Masken oder ein Foto von Assange. Vendetta, Rache - und genau das wollen die Wikileaks-Anhänger auch mit ihren Cyber-Attacken auf postfinance.ch, Mastercard, etc. Die Masken, die nun getragen werden sind ein Zitat aus einem Comic von Alan Moore. Es sind Geschichten von V, einem Anarchisten und Terroristen, der es mit dem autoritären Staat aufnimmt, ein moderner Robin Hood, wie Spiegel Online schreibt. Die Wikileaks-Bewegung hätte ihre Strategie gewechselt: Die Hack-Attacken gegen die Riesen der Finanz- und Internetbranche hätten ihr Ziel erreicht. Jetzt versuchen die Hackaktivisten, noch mehr aufzufallen -durch die physische Präsenz auf den Strasen und durch eine intensivierte Info-Kampagne, schreibt Spiegel Online.

Immer wieder Festnahmen

Assange hatte sich am vergangenen Dienstag in London der Polizei gestellt und war festgenommen worden, nachdem Schweden ihn unter dem Vorwurf sexueller Vergehen mit EU-weitem Haftbefehl gesucht hatte.

In den Niederlanden wurde am Wochenende ein weiterer Wikileaks- Sympathisant festgenommen. Dem 19-Jährigen werde vorgeworfen, einen Angriff auf die Website der Staatsanwaltschaft in Den Haag organisiert zu haben, bestätigte die Polizei am Sonntag.

Damit wollte er vermutlich Rache nehmen für die kürzliche Festnahme eines 16-jährigen Holländers, der an Cyberattacken auf Mastercard und Visa beteiligt gewesen sein soll.

Überraschende Rückendeckung

Überraschende Unterstützung erhielt Wikileaks am Wochenende aus Frankreich und Norwegen. Die linksliberale Pariser Zeitung «Libération» erklärte ihren Lesern, sie werde sich im Namen der Informationsfreiheit als «Internet-Spiegel» für das Wikileaks-Archiv zur Verfügung stellen.

Auch die norwegische Zeitung «Dagsvisen» reihte sich in den Unterstützerkreis ein. Sie bietet ebenfalls ein Abbild der Wikileaks- Website an.

Weitere Veröffentlichungen

Die Veröffentlichung von US-Diplomatendepeschen, die Wikileaks zugespielt wurden, ging auch am Wochenende weiter. So berichtete die Zeitung «El País» unter Berufung auf diese Papiere, dass die USA die spanische Region Katalonien mit ihrer Hauptstadt Barcelona für eine der wichtigsten Operationsbasen radikaler Islamisten im Mittelmeerraum halten. Aus diesem Grund betrieben die USA seit zwei Jahren ein grosses Spionagezentrum in ihrem Konsulat in Barcelona.

Den Vatikan sehen die USA laut Wikileaks als ein konservatives und «veraltetes Machtgefüge» mit einem schlechten internen Kommunikationssystem. Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone sei ein Ja-Sager und spreche «nur italienisch», Pressechef Federico Lombardi hingegen besitze zwar als einziger einen Blackberry, habe aber dafür keinen direkten Draht zu Papst Benedikt XVI., zitierte der Mailänder «Corriere della Sera» aus den US-Dokumenten.

(kub/sda)